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So wird dein Verein digital

So wird dein Verein digital

Digitalisierung

Vereinsprozesse mit Digitalisierung optimieren

 

Digitalisierung ist sicherlich eines der meist genutzen Wörter der letzten Jahre. Auch im Verein erfährt die Digitalisierung immer mehr Bedeutung. Doch was verstehen wir eigentlich unter Digitalisierung im Verein? Wo stehen die Vereine in Deutschland? Was ist sinnvoll, was nicht? Genau um solche Fragen zu beantworten, haben wir uns mit Philipp Tramm einen Experten für die Digitalisierung des Vereinswesens in den Podcast eingeladen. Philipp berät mit seinem Unternehmen Vereinsentwickler diverse Vereine bzw. Verbände und zeigt Wege auf, einen Verein nachhaltig zu digitalisieren. Dieser Beitrag ist eine gekürzte Version des ersten Teil des Interviews mit Philipp.

Der Stand in der deutschen Vereinslandschaft

Wenn Vereine an Digitalisierung denken, dann denken sie zumeist erst einmal an verschiedene Tools bzw. digitale Werkzeuge. Doch man sollte den Begriff nicht nur darauf reduzieren. Vielmehr steckt dahinter ein Megatrend, welcher auch mit einer gesellschaftliche Transformation einhergeht. Du kannst einmal selber gedanklich für dich überprüfen, wie nachhaltig und vielseitig dein Leben von der Entwicklung der Digitalisierung beeinflusst wird. Du liest diesen Blog online, hörst den Podcast per App und schreibst uns ggf. eine E-Mail oder über Social Media. Ohne Digitalisierung wäre das nicht möglich.

Doch kommen wir zum Verein. Wenn man sieht, wie digitalisiert das „normale“ Leben ist, fällt auf, dass viele Vereine noch recht analog unterwegs sind. Dies ist auch nachvollziehbar, schließlich treffen in einem Verein zum einem verschiedene Generationen aufeinander, zum anderen ist es ein Ort für persönliche Begegnung. Nun ist die junge Generation allerdings mit dem Handy aufgewachsen ist, während sich ältere Mitglieder beim Thema Digitalisierung ggf. überfordert fühlen. Deswegen kann der Digitalisierungsgrad zwischen Vereinen auch extrem unterschiedlich sein. Er hängt z.B. von der Altersstruktur im Verein, von dem Engagementbereitschaft der Mitglieder, aber auch von gutem Projektmanagement ab.
Am Ende muss aber das Ziel sein, dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist, sondern einen sichtbaren Mehrwert für Mitglieder und die verschiedenen Zielgruppen hat. Was nützt es eine tolle Vereins-App zu haben, wenn der Großteil der Mitglieder viel lieber die Vereinsnews auf der Webseite liest. Erfolgreich kann eine digitale Weiterentwicklung im Verein also nur sein, wenn die, die sich damit beschäftigen möchten, dies auch machen dürfen, dabei allerdings auch die anderen Menschen im Verein entsprechend bei Digitalisierungsthemen abholen und einbinden.
Der aktuelle Zeitpunkt zur Weiterentwicklung ist dabei sehr gut. Durch die Coronapandemie waren viele Menschen gezwungen sich mehr digitalen Möglichkeiten auseinanderzusetzen – auch im Verein. Die Pandemie hat z.B. im Bereich der digitalen Sportangebote, wie ein Beschleuniger gewirkt. Diese Entwicklung wird nicht mehr aufgehalten werden. Hier gilt es Schritt zu halten.

Schritte der Vereinsdigitalisierung – Erst kommt der Prozess

Wir haben zu Beginn von Tools bzw. digitalen Werkzeugen gesprochen. Doch man fängt nicht damit an, sich zu entscheiden, welches Tool man nutzen sollte, sondern viel früher. Man kann nämlich drei Entwicklungsebenen unterscheiden:

  1. Schritt: Analysiert den Verein nach Möglichkeiten für eine interne Effizienzsteigerung durch eine Prozessoptimierung mit digitaler Unterstützung.
  2. Schritt: Überlegt euch, wie ihr mit Digitalisierung mehr Mitglieder gewinnen und binden könnt.
  3. Schritt: Bringt digitale Innovation in den Verein. Schafft also neue Angebote, die es ohne die Digitalisierung nicht geben würde.

Wenn man ehrlich ist, setzen die meisten Vereine aktuell den ersten Schritt um oder beschäftigen sich damit. Das heißt, wie kann man Zusammenarbeit im Verein neu und einfacher gestalten. Elemente dieses Schrittes können z.B. Cloudcomputing, Vereinsverwaltungssoftware oder die Digitalisierung der Buchhaltung sein.
Doch wie beginnt man damit? Wir haben gesagt, dass Digitalisierung Prozesse beschleunigen, vereinfachen und verschlanken soll. Sie muss also einen echten Mehrwert bieten. Dafür muss man sich natürlich erst einmal seine Prozesse anschauen. Wie läuft z.B. die Aufnahme neuer Mitglieder ab? Der Prozess könnte z.B. so aussehen:

  1. Potentielles Mitglied muss Mitgliedsantrag als Kopie bei euch im Vereinsheim abholen.
  2. Füllt diesen dann händisch aus.
  3. Ein Ehrenamtler trägt die Daten dann händisch in eine Exceldatei ein.
  4. Diese Exceltabelle wird ausgedruckt, um in einem Ordner alle Mitgliedsanträge mit Kontaktdaten zu haben.

An diesem Beispiel zeigt sich, wie viel Potential in einem solchen Prozess stecken kann. Denn dieser Verwaltungsprozess kann so gestaltet werden, dass gar keiner im Verein mehr etwas machen müsste. Aus unserer Sicht ist deswegen die erste grundlegende Entscheidung für die Digitalisierung die Anschaffung einer Mitgliederverwaltungssoftware. Und hier können wir auch nicht sagen, welche eine gute Software ist oder nicht, sondern es kommt ganz auf euren Verein an. Ihr müsst nach eurer Prozessanalyse entscheiden, welche Prozesse wollt ihr zukünftig haben und wie sollen diese aussehen. Dann müsst ihr prüfen, ob die Software das überhaupt leisten kann. Beispiele für möglich digitale Prozesse:

  • Eine Person kann online euren Mitgliedsantrag ausfüllen. Alle Daten werden über eine digitale Schnittstelle automatisch in die Mitgliederverwaltungssoftware übernommen. Die Bankinformationen können später genutzt werden, um über die Software die Mitgliedsbeiträge als Lastschrift einzuziehen.
  • Die Daten in eurer Mitgliederverwaltungssoftware können für Newslettermarketing verwendet werden. Das heißt, ihr sendet an alle interessierte Personen automatisch über das System jede Woche/Monat einen Newsletter per Mail mit den interessanten Informationen. Die Steigerung ist noch, dass im Mitgliederverwaltungssystem Attribute vergeben sind, welche ihr für den Newsletter verwenden könnt. Zum Beispiel: „Sende die E-Mail an alle Mitglieder, die in der Abteilung Fußball sind und über 18 Jahre.“ Die Attribute sind dann „Fußball“ und das „Alter“. Der Vorteil von der Verwendung von Attributen ist die gezielte Ausstreuung von Informationen, die nur für einen Teil eures Vereins interessant sind.

Die Nutzung von Attributen ist z.B. aber etwas, was sich vor allem für große Vereine mit diversem Angebot und vielen Mitgliedern lohnen kann. Ein kleiner Verein hätte wahrscheinlich keine Verwendung für eine solche Funktion in der Mitgliedersoftware, eher würde eine solche umfangreiche Software ihn inhaltlich erschlagen. Schließlich müssen komplexere Systeme auch mehr technisch gepflegt werden und erfordern mehr Einarbeitungszeit. Außerdem solltet ihr bedenken, dass es Monate bis Jahre dauern kann, die Prozesse in einem Verein zu verändern. Ihr werdet also nicht mit dem Kauf einer Mitgliedersoftware alle Prozesse gleich digitalisieren. Viel wichtiger ist es, dass ihr einen klaren Plan habt, was euer finales Ziel ist, prüft ob die Software diese verschiedenen Prozesse für das Ziel zukünftig darstellen kann und dann könnt ihr nach und nach die Prozesse digitalisieren. Wenn ihr dies vorher nicht macht, besteht nämlich die Gefahr, dass ihr eine teure Software gekauft habt und auf der Hälfte des Weges merkt, dass ihr die Prozesse gar nicht so bauen könnt, wie ihr wolltet. Und glaubt uns, diesen Fehler machen viele! Eine gute Möglichkeit, um Fehler zu vermeiden, ist es, die Software kostenlos für einige Monate zu testen. Das bieten nicht nur viele Anbieter für Mitgliederverwaltungssoftwaren an, sondern auch im Bereich anderer Digitalisierungsthemen, welche ebenfalls die Arbeit im Verein vereinfachen (z.B. Clouddienste).

Die anderen Stufen der Vereinsdigitalisierung

Während der Coronakrise haben viele Vereine mit digitalen Sportangeboten begonnen. Dies umfasst neben dem Streaming eines Sportangebots auch hybride Lösungen oder auch Sport, wozu man sich nur digital treffen kann (z.B. eSport). Man kann also feststellen, dass diese Vereine sofort mit der dritten Stufe gestartet sind. (Wie ihr ein Onlinesportangebot sinnvoll gestalten könnt, erklären wir dir hier.) Vereine, welche mit dem 3. Schritt begonnen haben, empfehlen wir jetzt einmal den Unterbau zu prüfen, z.B. ob die Mitgliedschaftsanmeldung auch digital möglich ist.
Für die zweite Stufe kann man sich einmal am Individualsport außerhalb des Vereins orientieren. Es gibt viele Tools und Geräte, welche den Breitensport fördern und optimieren. Sportuhren können inzwischen zum Laufen, Radfahren, Schwimmen, Rudern, etc. genutzt werden. Sie zeichnen die Zeiten auf und die zurückgelegten Strecken, rechnen Belastung aus und schlagen die Erholungszeit vor. Untereinander können sich dann Sportler diese Daten z.B. bei Strava vergleichen. Dort können auch gleich Trainingspläne erstellt werden. Versucht solche Tools, wenn es sinnvoll ist, auch in euren Verein einzubinden. Fragt eure Mitglieder, ob sie sich die Nutzung von solchen Trainingstools wünschen bzw. habt ein offenes Ohr für Feedback.
Doch auch in Mannschaftssportarten ist eine digitale Trainingsanalyse möglich. Stellt ein Stativ auf den Trainingsplatz, macht mit dem Handy Aufnahmen von Spielsituationen und zeigt sie später der Mannschaft mittels Beamer, um besser zu werden. So einfach kann Videoanalyse sein!

Fehlentwicklungen vermeiden

Die Vereins-App ist momentan ein sehr gehyptes Thema, aber ob sie sinnvoll ist, sollte vor der Anschaffung zumindest überprüft werden. Wichtig ist die Frage nach dem Mehrwert, schließlich haben Menschen meist sehr viele Apps auf dem Handy. Und sei ehrlich, wie viele von diesen Apps hast du seit Monaten nicht mehr genutzt? Doch wie kann so ein solcher Mehrwert aussehen. So ist es schön, wenn man seinen Mitgliedsantrag auch über das Handy einreichen kann – aber das macht man genau einmal und danach ist Funktion völlig überflüssig. Ebenso macht es auch keinen Sinn die Vereinswebseite quasi in Appform noch einmal darzustellen. Schließlich kostet so eine App Geld, muss gepflegt und verwaltet werden, benötigt Know-How und bindet Kapazitäten. Und ihr benötigt Menschen, die einen echten Mehrwert für diese App liefern können (exklusiver Inhalt). Es ist aus unserer Sicht, wenn es denn überhaupt ein Thema ist, eines für größere Vereine. Versucht alternativ lieber die Ressourcen in die Aktualisierung eurer Webseite zu stecken und diese für das Smartphone zu optimieren. Ihr werdet eher über Google gefunden als im Appstore. Wir werden in nächster Zeit aber auch noch einen Gast haben, der uns erklären wird, wann eine Vereins-App genau sinnvoll ist. Deswegen gehen wir an dieser Stelle nicht tiefer drauf ein.

Zusammenfassend kann man zur Digitalisierung im Verein sagen, dass ihr beginnen solltet euren administrativen Bereich gut zu strukturieren und dann darauf auszubauen. Nehmt dabei alle mit beim Veränderungsprozess. Das heißt, viel kommunizieren und alle im Verein zu Beteiligten machen. Prüft außerdem, ob ihr verborgende Talente im Verein habt, welche euch helfen können (z.B. Experte im Webdesign). Und manchmal kann auch ein Blick von externen Personen, welche das nicht zum ersten Mal machen, hilfreich sein. Das hilft Fehler zu vermeiden. Hier könnt ihr entweder uns als Vereinsstrategen unter info@vereinsstrategen.de ansprechen oder Philipp mit seinem Unternehmen Vereinsentwickler. Und dann braucht ihr nur noch etwas Durchhaltevermögen, denn Digitalisierung ist ein längerer Prozess, den man Schritt für Schritt gehen muss. Aber wir sind uns sicher – wenn ihr unsere Tipps beherzigt, dann werdet ihr erfolgreich sein.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

 

Positionierung im Verein – Stich aus der Masse heraus

Positionierung im Verein – Stich aus der Masse heraus

Vereinsentwicklung

Ohne Positionierung wird es zukünftig schwierig

 

Wofür steht eigentlich dein Verein? Die Antwort auf diese Frage beantwortet dir grob deine persönliche Positionierung deines Verein. So könnte die Antwort z.B. lauten: „Für meine Nachwuchsarbeit oder die Integrationsarbeit, für das breiteste Angebot in der Region Hamburg, für eine bestimmte Sportart“ Doch ganz so einfach ist die Analyse leider nicht. Dieser Beitrag soll dir dabei helfen deine aktuelle Positionierung zu ermitteln, eine neue Positionierung zu entwickeln und diese dann stetig zu kontrollieren und anzupassen. Aber zuerst stellt sich natürlich die Frage, wieso brauche ich als Verein eine Positionierung?

Positionierung in der heutigen Zeit

Im letzten Jahrzehnt gab es durch die Digitalisierung einen gigantischen Entwicklungssprung – die Wirtschaft ist noch schnelllebiger geworden und der Konkurrenzkampf wird immer härter. Um dort bestehen zu können, ist es wichtig, dass ein Unternehmen eindeutig positioniert ist. Das trifft auch immer mehr auf den Sportbereich und Vereine zu. Kommerzielle Anbieter, wie z.B. McFit und Peleton werben immer mehr um eine Zielgruppe, welche früher nur die Möglichkeit hatte in den Sportverein zu gehen, um Sport betreiben zu können. Die kommerziellen Anbieter schaffen es vor allem durch eine gute Positionierung uns ein Angebot zu verkaufen, was man im Sportverein zum gleichen Preis oder deutlich günstiger erhalten könnte. So kann die Positionierung von Peleton wohl am besten zusammengefasst werden mit: „Innovatives, digitales Gruppentraining mit echtem Coach von zu Hause aus zu jeder Uhrzeit“. Jetzt ist natürlich klar, dass dein Verein nicht zum neuen Peleton umgebaut werden soll, aber du konkurrierst nicht nur mit gewerblichen Anbietern sondern auch mit anderen Vereinen. Und wenn man auf eine noch höhere Ebene geht, konkurrierst du auch mit Streamingdienstanbietern oder sozialen Medien um die Zeit von Leuten. Du siehst also, dass der Wettbewerb dich förmlich dazu zwingt, dich mit Positionierung auseinanderzusetzen. Aber wie startest du jetzt? Das gleiche machen, wie die Konkurrenz, wo es gut funktioniert? Nein! Eine Kopie eine Positionierung macht einen Verein austauschbar und zu nichts besonderem mehr. Die Lösung sind die nächsten sechs Fragen, die du dir stellen musst.

Welche Positionierung habe ich jetzt?

In der Einleitung wurde diese Frage schon so ähnlich gestellt. Jetzt ist eine Positionierung aber nicht deine persönliche Meinung, sondern ggf. auch ganz unterschiedlich je nach Zielgruppe. Deswegen müsst ihr im Verein die Frage „Welche Positionierung habe ich jetzt?“ genau an diese richten. Dabei sind mit der Zielgruppe nicht nur eure Mitglieder gemeint, sondern auch andere Personen aus eurem Vereinsumfeld – Sponsoren, Zuschauer, Eltern, Personen in anderen Vereinen, Nichtmitglieder, etc. Die Auswahl der Zielgruppe ist aber euch überlassen, aber umso verschiedenere Personengruppen ihr befragt, umso mehr seht ihr auch, wie der Verein nach außen wirkt, anstatt nur eure innere Wahrnehmung zu ermitteln.
Nach der Befragung könnt ihr drei möglich Ergebnisse haben:

  • Es gibt ein klares Ergebnis. Bei der Befragung der verschiedenen Zielgruppen haben alle Personen deckungsgleiche Antworten gegeben. Damit steht fest, ihr habt eine klare Positionierung im Verein, die von allen auch so verstanden wird und auch außen so wahrgenommen wird. Die Frage ist dann nur noch – ist das auch die Positionierung, die wir uns im Verein vorstellen?
  • Es gibt unterschiedliche Ergebnisse bzgl. der Positionierung zwischen den verschieden Zielgruppen. Der Vorstand findet man hat die beste Fußballausbildung der Region. Die Eltern finden, dass der Verein für die strengsten und härtesten Übungsleiter im Jugendfußball der Region steht. Und der neutrale Zuschauer bei den Jugendspielen findet, dass ihr der Verein sehr freundlichen Stadionkioskmitarbeitern seid und sehr leckeres Essen anbietet. Offensichtlich habt ihr diverse Positionierungen, welche aber nicht so eindeutig sind, ggf. wird bei einigen Zielgruppen eure Positionierung sogar negativ wahrgenommen. Hier ist auf jeden Fall Handlungsbedarf gegeben.
  • Allen Zielgruppen fällt gar nichts zu eurem Verein ein oder sehr unterschiedliche Sachen innerhalb der jeweiligen Gruppen. Das bedeutet es gibt bei euch im Verein keine Positionierung.

Welche Position willst du einnehmen?

Wenn die Antworten so sind, wie erwartet, und ihr damit zufrieden seid, dann müsst ihr nichts ändern. Wenn aber andere Antworten gekommen sind, als gedacht, dann habt ihr zwei Möglichkeiten. Entweder ihr versucht eure geplante bzw. angestrebte Positionierung durchzusetzen (z.B. beste Fußballausbildung in der Region) oder ihr entscheidet euch, das vorhandene vielleicht auch überraschende Ergebnis aus der Umfrage zu nutzen und versucht diese Positionierung zu stärken und auszubauen (z.B. freundlichster Stadionkiosk, Ziel Umbau zum serviceorientiertesten Verein der Region). Der zweite Weg ist in der reinen Umsetzung auf jeden Fall der leichtere als der erstgenannte, weil ihr auf etwas, was besteht, bereits aufbauen könnt. Außerdem möchten wir dir zwei Tipps mitgeben. Besser in etwas zu sein, ist deutlich schwerer, als anders in etwas zu sein. So kann nicht jeder Meister in seiner Liga werden, sondern nur einer. Der Versuch Meister zu werden gegen viele andere Vereine, verbraucht sehr viele Ressourcen. Wenn man anderes ist, dann ist der Verein auf eine ganz bestimmte Zielgruppe ausgerichtet und nicht auf jede Person. Der FC St. Pauli ist hierfür ein gutes Beispiel, da er ein ganz bestimmtes Zielpublikum anspricht. Wenn ihr euch am Ende für eine Positionierung entschieden habt, verankert sie im Leitbild oder in der Satzung des Vereins. So wird sie verbindlich.

Wer ist deine Konkurrenz?

Hier gibt es eine entscheidende Aussagen, die du mitnehmen solltest – suche nicht die Konfrontation mit anderen, sondern gehe um sie herum. Wenn mehre Vereine in der Region das gleiche Ziel anstreben, frisst das jedem Verein viele Ressourcen und ihr kommt eurem Ziel nicht näher. Angenommen drei Vereine haben sich in Richtung Nachwuchssports im Fußball in einer Region positioniert, dann kämpfen diese drei um die besten Talente. Die Sichtung der Spieler wird immer weiter verbessert und die Trainer immer mehr geschult. Am Ende werden in jedem Verein einige wenige sehr gute Spieler sein, aber der Mannschaftserfolg ist nur durchschnittlich und die Eltern würden sagen, die drei Vereine sind praktisch identisch. Niemand würde deine angestrebte Positionierung kennen. Wenn du allerdings für die Spieler u.a. einen Abhol- und Bringdienst anbietest, werden die Eltern sagen, dass du ein sehr serviceorientierter Verein bist. Über diesen Weg wirst du eher neue Nachwuchskicker finden. Deine Positionierung ist jetzt zwar eine andere, dein Mannschaftserfolg ist aber mindestens auf dem gleichen Niveau wie vorher, wahrscheinlich aber sogar höher. Ein reales Beispiel für eine sehr gute Positionierung findest du auch in diesem Beitrag.

Verfügst du über genügend Kapital?

Manche Positionierungen erfordern große Veränderungen im Verein und diese können viel Geld kosten. Wenn ihr euch beispielsweise entscheidet ein digitalisierter Verein zu werden, dann habt ihr zwei Fragen zu beantworten: Welche Grundlage gibt es schon im Verein und wie weit (und teuer) ist der Weg zum Ziel? Denn so eine Art der Positionierung erfordert Server, Laptops, Softwarelizenzen, Betreuungspersonal oder auch die Entwicklung einer Vereinsapp. Hier müsst ihr ehrlich zu euch selber sein, ob ihr das finanzieren könnt oder nicht. Das gleiche gilt natürlich auch für Marketingaktionen. Wenn ihr eine neue Positionierung nach außen tragt, überlegt euch genau, welche Kanäle kann ich mir leisten, gibt es ggf. auch günstigere Alternativen. Die Kosten sind besonders dann relevant, wenn ihr die Positionierung komplett ändern wollt, weil dann mehr Maßnahmen nötig sind. Denkt daran, dass Kreativität euch hier meist weiter bringt als ein großes Budget zum Werben.

Kannst du dir erlauben, an deiner Positionierung festzuhalten?

Das Rad der Zeit dreht sich weiter und Positionierungen können sich dadurch in ihrer Wahrnehmung ändern. Früher wurde z.B. anders mit rassistischen Äußerungen von Personen in Fußballstadien oder auch von Amtsträgern umgegangen – meist wurden sie von Vereinen ignoriert. Heute gibt es auf jeden Fall Diskussionen über das Thema, Stadionverbote oder auch Entlassungen von Amtsträgern. Ein Verein, der sich nicht zum Kampf gegen Rassismus bekennen würde, hätte eine (berechtigt) sehr schlechte Positionierung. Ein weiteres Thema, was mit der Zeit an Bedeutung gewonnen hat, ist die Nachhaltigkeit im Sport und von Vereinen im Speziellen. Auch das Interesse an Sportarten ändert sich im Laufe der Zeit. Seid ihr ein Verein, der seine Positionierung bisher als bester Kegelverein in Süddeutschland hatte, bringt euch das wahrscheinlich nichts mehr, wenn keine jüngeren Leute mehr nachkommen, weil der Sport für sie völlig uninteressant ist.
Um zu erkennen, ob das Festhalten an der Positionierung Sinn macht oder nicht, würden wir vorschlagen, dass ihr euch überlegt: „Wie sieht mein Verein in 2 bis 5 Jahren aus, wenn es so weitergeht, wie bisher?“. Gefällt euch diese Vorstellung als Verein oder seht ihr, dass Probleme sich verschlimmern?

Passt deine Positionierung zu dir?

Diese Frage umfasst einen Teil der vorherigen Fragen und Erkenntnisse. Im Kern geht es darum, in regelmäßigen Abständen sich selbst zu hinterfragen. So kannst du dich fragen, ob deine Positionierung noch aktuell ist, aber auch analysieren, was deine Zielgruppen in der Befragung zur Vereinspositionierung gesagt haben. Genauso umfasst es aber auch die Frage: „Was wollen eigentlich deine Ehrenamtler?“. Wenn du eine neu entwickelte Positionierung im Verein hast, die nicht zu den Werten der meisten Ehrenamtler passt, dann wird diese Positionierung nicht erfolgreich sein. Der Grund ist einfach. Wenn die Personen nicht hinter den Werten stehen, werden sie diese auch nicht nach außen tragen, was am Ende bedeutet, dass die Positionierung nicht gelebt wird und damit auch nicht sichtbar für Dritte ist. Das beste Konzept ist zum Scheitern verurteilt, wenn es in der Realität nicht gelebt wird.

Eine Positionierung zu finden und umzusetzen braucht viel Zeit und ist ein sehr umfangreiches Projekt. Wir würden euch empfehlen, dass ihr eine Projektgruppe aus dem Ehrenamt heraus gründet, die dieses Thema erst einmal bespricht und einen groben Ist-Zustand bestimmt ggf. auch schon einmal Ideen entwickelt, was als Positionierung sinnvoll wäre. Hier bieten sich in regelmäßigen Abständen auch Workshops an. Aus dieser Gruppe sollte dann der Fragebogen entwickelt werden. Hier ist wichtig, schult eure Ehrenamtler entsprechend in Fragebogenerstellung. Auch in diesem Bereich kann man schließlich einiges falsch machen.
Als Vorstand habt ihr in diesem Prozess die Aufgabe der Projektgruppe mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, ihnen aber nicht reinzureden. Ihr solltet aber darauf achten, dass häufige Fehler vermieden werden:

  • Eine neue Positionierung wird in der Projektgruppe entwickelt, welche aber an der Zielgruppe vorbei geht, weil es keine Befragung gab, sondern dies nach Gefühl entschieden wurde. Da ist das Scheiter schon vorprogrammiert.
  • Ihr wollt zu schnell zu viel. Positionierung ist ein Prozess der Jahre dauern wird. Schließlich muss sich die Positionierung auch erst mal erlebbar werden und sich in der Region rumsprechen. Schnelle Ergebnisse werdet ihr bei dieser Art von Projekt eher nicht sehen.

Im Podcast diskutieren wir gegen Ende noch einige Themen, welche als Positionierung im Verein möglich sind. Wenn du mehr hierzu erfahren möchtest, höre gern rein. Wir hoffen allerdings, dass wir dir auch mit dieser Zusammenfassung der Episode bei deiner Vereinsweiterentwicklung helfen konnten. Wenn du Fragen haben solltest, kannst du uns gern unter info@vereinsstrategen.de erreichen. Und wenn dir der Beitrag bzw. der Podcast gefallen hat, dann tue uns bitte den Gefallen und empfehle uns weiter.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Einnahmerückgänge – Ist das eine Vereinskrise?

Einnahmerückgänge – Ist das eine Vereinskrise?

Finanzen

Es gibt immer Warnsignale

 

Krisen in Vereinen sind völlig normal und sorgen dafür, dass diese sich immer wieder erneuern bzw. anpassen. Problematisch wird es, wenn ein Verein eine Krise erst zu spät bemerkt und damit dessen Existenz bedroht ist. Dabei kann man dies verhindern, wenn man weiß, auf welche Krisensymptome man achten muss. Eine der häufigsten Ursachen für eine Krise stellen wir dir in diesem Beitrag vor – die Krise aufgrund von Einnahmerückgängen.

Typischerweise hat ein Sportverein vier Einnahmequellen:

  • Mitgliedsbeiträge
  • Öffentliche Hand (Zuschüsse)
  • Zuschauereinnahmen
  • Sponsoringeinnnahmen

Den Bereich Einnahmen aus Veranstaltungen im Sinne von Startgebühren lassen wir hier bewusst außen vor. Man kann diese vier Einnahmequellen nie separat voneinander sehen, sondern muss sie immer im Gesamtzusammenhang betrachten. Zu Beginn würden wir euch empfehlen erst einmal zu schauen, wie hoch der Anteil der Ertragsart an den jeweiligen Gesamteinnahmen ist. Denn es kann gut sein, dass die Einnahmen seit Jahren konstant sind, aber dass sich die verschiedenen Ertragsbereiche verschieben. Es gibt also Bereiche, wo die Einnahmen ansteigen und welche, wo sie rückläufig sind. Dies kann eine Gefahr darstellen, wie du später noch sehen wirst, wenn einem diese Entwicklung nicht bewusst ist. Das normale Vorgehen von Vereinen, dass sie schauen, wie viel Geld hatten sie im aktuellen Jahr zur Verfügung und mit dem gleichen Budget planen sie das nächste Jahr, ist hierbei nicht hilfreich. Bei einer Planung z.B. für die nächsten drei Jahre müsste man sich mehr mit Szenarien beschäftigen und ungesunde Entwicklungen der Vergangenheit würden in den Szenarien noch offensichtlicher werden. Aber auch hierzu jetzt mehr in den einzelnen Einnahmequellen.

Mitgliedsbeiträge

Meistens ist es in einem Breitensportverein so, dass die Mitgliedsanteil einen Großteil der Einnahmen ausmachen. Ein Richtwert sind um die 80 bis 90%. Aber ja nachdem, wie ihr strukturiert seid, kann auch eine andere Zahl bei euch passen. Gerade aber wenn ihr mehrere Abteilungen habt, solltet ihr folgende Untersuchung machen. Schaut euch die Mitgliederzahlen einmal pro Abteilung in den letzten 5 Jahren an. Was fällt euch auf?
Angenommen ihr habt drei Abteilungen, sagen wir Kegeln, Fußball und Bogenschießen. Gesamt gesehen, ist euer Verein in den letzten 5 Jahren um 20% gewachsen. Das ist schon mal gut. Aber trotzdem gibt es hier Risiken. So sinken die Mitglieder seit Jahren im Kegeln, das Bogenschießen bleibt konstant und die Fußballabteilung ist der eigentliche Wachstumsmotor. Doch mit Blick auf die Zahlen fällt auch auf, seit 2 Jahren ist das Niveau bei der Fußballabteilung konstant geblieben. Das Wachstum scheint gebremst. Ab hier gilt es die Gründe zu untersuchen. Folgende Möglichkeiten solltet ihr untersuchen:

  • Die Fluktuation funktioniert nicht mehr, weil die Altersstruktur nicht passt. Beispiel: Die Abteilung ist im Schnitt zu alt und dadurch nicht mehr attraktiv für neue bzw. junge Mitglieder.
  • Die Sportart der Abteilung ist nicht mehr aktuell bzw. funktioniert in eurer Vereinsregion nicht mehr.
  • Es stimmt etwas nicht im zwischenmenschlichen Bereich in der Abteilung oder dem Verein.
  • Es fehlen Ehrenamtler oder Übungsleiter zur Betreuung. Dieses Problem verhindert das weitere Wachstum in der Abteilung.
  • Die Infrastruktur ist schlecht, nicht mehr ausreichend oder hat eine zu geringe Kapazität für weiteres Wachstum.

Nachdem ihr das Problem analysiert habt, gibt es mehrere Handlungsalternativen. Wenn das Problem einfach umkehrbar ist, dann versucht es zu lösen, um den Mitgliederverlust in einer Abteilung aufzuhalten. Wenn ihr aber eine Sportart im Verein habt, welche nicht mehr aktuell ist, dann müsst ihr euch damit abfinden, dass die Mitgliederzahlen immer weiter sinken werden. Hier gilt es dann, nur noch notwendige Investitionen zu tätigen, um den Betrieb sinnvoll am Laufen zu halten, aber keinesfalls noch Großinvestitionen für die Abteilung durchzuführen. Gleichzeitig müsst ihr euch mit den geringeren Einnahmen in den nächsten Jahren beschäftigen. Hier könnt ihr entweder die Ausgaben entsprechend runterfahren, andere Abteilungen so fördern, dass sie mehr Wachstum verzeichnen oder ganz neue Abteilungen im Verein aufnehmen. Eine Abteilung, welche gute Erträge bringt und recht günstig in der Unterhaltung ist, ist z.B. der Gesundheitssport.
Schwierig wird es, wenn die Mitgliederzahlen in einer Abteilung sinken, welche eigentlich andere defizitäre Abteilungen quersubventioniert. Hier ist das Risiko besonders hoch, dass ein Verein in eine Krise kommt, welche kaum zu lösen ist. Deswegen versucht, dass sich möglichst viele Abteilungen selber tragen können bzw. mehrere Abteilungen Überschüsse abwerfen, um andere quer zu finanzieren. Wenn stattdessen eine defizitäre Abteilung sinkende Mitgliederzahlen hat, ist das Risiko für den Gesamtverein etwas geringer, trotzdem sollte natürlich geprüft werden, ob es Sinn macht diese Abteilung weiterhin zu behalten. Denn je nach Sportart erzeugt die Sportart mit sinkenden Mitgliederbeiträgen trotzdem gleichbleibende Kosten.

Zuschüsse

Je nach der Art der Zuschüsse sind sie projektgebunden oder können auch längerfristig gezahlt werden. Wenn sie projektgebunden sind, gibt es zwei Möglichkeiten. Sie können einmalig als Anschubfinanzierung dienen oder so lange gezahlt werden, bis das Projekt abgeschlossen ist. Beide Zuschüsse kann man meist bedenkenlos nutzen. Gibt es z.B. einen Zuschuss für eine Infrastrukturmaßnahme, wäre die Durchführung ggf. gar nicht möglich ohne Unterstützung. Schwierig wird es immer nur dann, wenn es eine befristete Finanzierung gibt für ein Projekt, welches aber dauerhaft bei euch im Verein implementiert werden soll. Dann solltet ihr euch schon vor dem Start des Projekts darüber Gedanken machen, wie ihr dieses mittelfristig ohne Zuschüsse finanzieren wollt.
Problematischer sind die langfristigen Zahlungen, welche es schon jahrelang gibt. Wenn ihr z.B. im Leistungssport aktiv seid, kann es sein, dass ihr regelmäßig Förderungen bekommt. Doch was passiert, wenn ihr einen zu geringen Erfolg bei Wettkämpfen habt oder die Kommune nach Corona Geld sparen muss? Wenn diese Zuschüsse bisher ein fester Teil eures Budget sind, um einen ausgeglichenen Haushalt zu haben, würde ein Wegfall ein echtes Risiko darstellen. Deswegen analysiert die Arten eurer Zuschüsse, um einen Überblick über die Risiken zu bekommen und passt eure Finanzplanung an. Gerade langfristige Zuschüsse sind als Zubrot anzusehen, gewöhnt euch also nicht an das Geld. Deswegen schlagen wir vor, solche Gelder für das Jahr gar nicht einzuplanen. Dann könnt ihr sie am Ende des Jahres noch für Ersatzinvestitionen verwenden oder auch in eure Rücklage packen. Und wenn ihr ein ungeplantes Ereignis im Verein habt, könnt ihr im Notfall auch noch auf diesen Puffer zurückgreifen.

Ticketeinnahmen

Hier heißt das Motto – plant die Erträge ein, aber konservativ. Bei allen Freiluftveranstaltungen im Amateursportbereich hängt die Zuschauerzahl in hohem Maße vom Wetter ab. Dann können in einem Stadion ganz schnell nur noch 100 anstatt der 300 erwarteten Zuschauer sein. Umso mehr Veranstaltungen ihr über das Jahr habt, umso geringer wird dieser Effekt allerdings auch Einfluss haben. Bei Mannschaftssportarten kann die Zuschauerzahl darüber hinaus auch vom sportlichen Erfolg abhängen. Spielt ihr eine schlechte Saison und steigt ab, dann sind die Einnahmen unter den Erwartungen und ihr müsst euch Gedanken machen, welche Beträge ihr im nächsten Jahr erwartet. Hier können wir euch nur empfehlen, schaut euch Zuschauerdurchschnittswerte aus der jeweiligen Liga an und versucht sie mit den Erfahrungen eures Vereins abzugleichen. Dann plant nur mit der Hälfte der Zuschauereinnahmen für das Budget und seht den Rest als Zubrot an. Grundsätzlich ist aber gerade in den unteren Ligen der Effekt, des Abstiegs und dem Rückgang der Zuschauereinnahmen als gering anzusehen, weil die meisten Zuschauer nicht wegen dem sportlichen Niveau ins Stadion kommen, sondern wegen der Atmosphäre und der Gastronomie.
Wenn ihre eine Individualsportart mit Ticketverkäufen habt, kommt es natürlich vor allem darauf an, wer am Wettkampf teilnimmt. Habt ihr einen Star dabei, sind höhere Ticketverkäufe deutlich wahrscheinlicher als bei unbekannten Athleten. Hier hängt die Kalkulation also vom sportlichen Niveau ab.
Umso mehr ihr diesen Einnahmezweig auch als Zubrot anseht, umso geringer ist am Ende das Risiko, dass der Verein in eine Krise gerät, wenn unerwartet, deutlich weniger Tickets verkauft werden, als geplant. Und auch die Planung als Zubrot hat Vorteile, weil ihr am Ende mit den Überschüssen trotzdem noch Investitionen tätigen könnt, welche gut für den Verein sind, aber nicht absolut notwendig.
Zur laufenden Analyse der Ticketeinnahmen inkl. Gastronomieeinnahmen empfehlen wir sich einmal anzuschauen, wie viel machen diese an den Gesamteinnahmen des Vereins aus – also wie hoch sind die maximalen Einnahmen, die wegfallen können? Kann euer Verein das im Extremfall verkraften? Die Coronakrise hat leider aufgezeigt, dass es Szenarien gibt, wo auch solche Fälle auftreten können. Als zweites würden wir uns anschauen, welcher Kostenapparat hängt mit den Zuschauereinnahmen zusammen – Kosten sind z.B. Ordner für Spiele, Kosten für den Einkauf der Lebensmittel für die Zuschauer, Gehälter/Antrittsgelder für Sportler. Wenn die Kosten bereits jetzt höher sind als die Zuschaueeinnahmen, solltet ihr dringend Maßnahmen einleiten, um diesen Missstand zu beheben.
Zum Schluss stelle dir selbst ehrlich die Frage: Sind meine Zuschauereinnahmen Zusatzeinnahmen oder investiere ich mehr Geld um mehr Zuschauer und vor allem mehr sportlichen Erfolg zu haben? Wenn du die zweite Antwort wählst, dann bis du schon dabei semiprofessionelle Strukturen anzustreben und deinen Verein entscheidend zu verändern, auch in seiner Finanzstruktur. In der oben verlinkten Podcastepisode gehen wir noch genauer auf das Thema ein und was du in diesem Fall beachten musst. Grundsätzlich achtet aber darauf, dass ihr mit einer solchen Entscheidung nicht das Gesamtwohl des Vereins gefährdet.

Sponsoringeinnahmen

Grundsätzlich musst du dir natürlich erst einmal die Frage stellen, wie hoch ist der Anteil der Sponsoringeinnahmen an den Gesamtumsätzen. Alles über 10% ist schon als hoch einzuschätzen, aber ab und zu gibt es Ausnahmen, wenn ihr z.B. jemanden habt, der euch aus regionaler Verbundenheit stark unterstützt. Deswegen analysiert als nächstes, wie viele Sponsoren eurer Verein hat und mit welchen Beträgen sie das bei euch tun. Umso mehr Sponsoren, umso weniger schlimm ist es, wenn einer abspringt, allerdings habt ihr mit mehr Sponsoren auch mehr Verwaltungsaufwand. Meist muss man aber sagen, dass gerade im Breitensport es schwierig ist, mehr als eine Hand voll Sponsoren zu finden. Die Überprüfung der Höhe der Sponsoren ist deswegen wichtig, um die Gefahr eines Ausfalls richtig einschätzen zu können. Fallen 90% aus der Gesamtsumme aus, ist das deutlich schlimmer als 5%. Deswegen ist es aus unserer Sicht auch gut, wenn man viele Sponsoren mit einer ähnlichen jährlichen Unterstützung hat.
Um zu ermitteln, wie hoch das Risiko eines Ausfalls ist, sollte man sich zwei Fragen stellen:

  • Warum werde ich gesponsert? Habe ich einen Spitzensportler im Verein, der für den Sponsor ausschließlich interessant ist oder möchte er vom Image z.B. meiner Jugendarbeit oder Integrationsarbeit partizipieren?
  • Wie geht es dem Sponsor wirtschaftlich? Kann er die zugesagten Zahlungen leisten?

Wenn du nur Sponsoren hast, die aufgrund des sportlichen Erfolgs dich unterstützen, ist dein Verein sehr abhängig vom Mannschaftserfolg oder dem Erfolg eines einzelnen Sportlers. Bleibt dieser aus, fehlen euch ganz schnell Einnahmen, weil Sponsoren euch den Rücken kehren. Wenn das Sponsoring Imagegründe abseits vom sportlichen Erfolg hat, ist eine langfristige Kooperation sehr wahrscheinlich. Vermeidet aber, in eine zu starke Abhängigkeit zu kommen, weil dann zusätzlich die Gefahr besteht, dass der Sponsor Einfluss auf das Tagesgeschäft nimmt. An diesen Aussagen sieht man auch schon, dass Sponsoring als Zubrot gesehen werden sollte.

 

Abschließend bleibt zu sagen, dass ihr natürlich nicht sofort in einer Krise seid, wenn ihr ein oder zwei Warnsignale aus diesem Beitrag bei euch im Verein erkannt habt. Wichtig ist aber, sich damit zu beschäftigen und diese Probleme nicht zu ignorieren, denn ungelöste Risiken können sich mit der Zeit mehren und machen dann die Lösung einer möglichen Krise deutlich schwieriger.

Im Podcast sind wir in den letzten 10 Minuten auch noch auf das Thema eingegangen, wie die Finanzentwicklung nach Corona aussehen könnte. Hier werden die im Beitrag genannten Ertragsarten, noch einmal kurz in den aktuellen Kontext gesetzt. Falls dich das interessieren sollte oder du eine noch ausführlichere Beschreibung der Krisenursachen haben möchtest, höre in die Podcastfolge rein. In der Folge analysieren wir die Theorie dieses Beitrages auch an einem Beispielverein.

Wir hoffen, dass du aus diesem Beitrag viel mitnehmen konntest. Falls du Fragen oder Anregungen hast, schreib uns gern eine E-Mail. Wir würden uns freuen, wenn du uns weiterempfehlen würdest, wenn du unseren Inhalt nützlich findest.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

So gelingt Integration im Verein

So gelingt Integration im Verein

Integration

Beispiele, Konfliktlösung und Umsetzung

 

Integration ist eines der meist diskutierten Themen in der Gesellschaft. Die Vereinslandschaft wird dabei als eine der Stützen für eine gelungene Integration gesehen. Das dies aber für viele Ehrenamtler im Verein eine große Herausforderung ist, die auch häufiger scheitert, wird von der Gesellschaft häufig übersehen. Damit du und dein Verein aber zumindest einen ersten Überblick bekommst, was beim Thema Integration alles zu beachten ist, haben wir uns in den Podcast Roy Gündel eingeladen. Er ist Leiter des Fachbereichs Integration und Sport/soziale Arbeit beim LSB Niedersachsen. Der Beitrag ist eine Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte des Interviews.

Grundsätzlich hat das Thema Integration spätestens seit der Flüchtlingskrise 2016 stark an Bedeutung gewonnen. Aber bereits in den letzten 10 bis 20 Jahren hat sich durch mehrere Liberalisierungsschübe gesellschaftlich als auch im Sport extrem viel getan. Unterstützt wird diese Entwicklung durch die zunehmende Globalisierung und der damit weltweit zunehmenden Migration.
Wieso Vereine beim Integration eine so große Rolle spielen liegt in einer ihrer originären Grundfunktionen, nämlich starke gesellschaftliche Bindungskraft zu erzeugen, begründet. Diese soll auch bei zunehmender Migration weiterhin bestehen bleiben. Dafür muss man sich aber den veränderten Bedingungen stellen und sich mit diesen beschäftigen. In vielen Vereinen ist das Thema einer diverseren Gesellschaft bereits angekommen. Die erfolgreiche Integration von Migranten gelingt aber besonders gut, wenn man dieses Thema versucht bewusst zu steuern. Hier beginnt dann auch die Unterstützung durch den jeweiligen LSB.

Integration und Sportvereine – Die Datenlage

Bevor wir jetzt aber im Detail darauf eingehen, schauen wir uns erst einmal die Datenlage zum Thema Integration und Sportvereine an. Denn da stellt man recht schnell fest, es ist gar nicht so einfach. Da die Vereine (bewusst) keine Umfragen vom LSB zum Thema „Migrationshintergrund der Mitglieder, etc.“ gestellt bekommen, gibt es keine Datenbasis, womit nähere Untersuchungen möglich sind. Eine aussagekräftige Studie kommt hingegegen vom Bundesamt für Integration. Dieses hat ermittelt, wie die Bevölkerungsstruktur von Sportvereinen im Vergleicht zur Gesamtbevölkerung ist. Dabei kam unter anderem heraus, dass 70% aller Kinder auch Mitglied im Sportverein sind, bei Kindern mit Migrationshintergrund sind es nur 55%. Weitere Ergebnisse waren z.B. je schwieriger die soziale Situation ist, desto geringer ist der Organisationsgrad im Verein – auch dies trifft auf Personen mit Migrationsgrund häufiger zu. Aber auch die Herkunft ist entscheidend. Während man bei Personen aus den ehemaligen europäischen Ostblockstaaten keine nennenswerten Differenzen zu Menschen aus Deutschland findet, sind z.B. Mädchen mit türkischen Wurzeln in Sportvereinen stark unterrepräsentiert (16%). Ziel muss es aus Sicht des LSBs sein diese Unterschiede zu verringern.

Erschwerend bei solchen Umfragen kommt noch hinzu, dass jede Person auch eine unterschiedliche Meinung hat, was Integration eigentlich ist. Es gibt grundsätzlich mehrere Perspektiven und das „eine“ Konzept gibt es nicht. Der LSB sieht unter dem Begriff einen „fortwährenden Aushandlungsprozess mit dem Ziel der gleichberechtigten Teilhabe aller Menschen über soziale und kulturelle Unterschiede hinweg“. Das grundsätzliche Problem hinter dem Begriff ist, dass Menschen die zusammengebracht werden sollen, über diesen Begriff wieder in Schubladen gesteckt werden. Dabei handelt es sich meist immer um Fremdzuschreibungen – andere Menschen schreiben einer Person einen Migrationshintergrund zu, obwohl diese selber das vielleicht gar nicht so empfindet. Ein weiteres Problem ist die Übertonung der Feststellung des Migrationshintergrunds bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Unterschiede in den verschiedenen Gruppen der Personen mit Migrationshintergrund. Deswegen möchte der LSB vor allem am gemeinsamen „Wir“ der Vereinsmitglieder arbeiten. Allerdings stößt auch der LSB dabei an Grenzen. Auch wenn er versucht Pauschalisierungen zu vermeiden, muss er z.B. bei der Verteilung von Fördermitteln durchaus selber wieder auf die Schuladen zurückgreifen, um Gruppen entsprechend zu bestimmen. Roy Gündel ist es aber wichtig zu betonen, dass die meisten Fragen bzw. Probleme nicht kultureller Natur sondern sozialer Natur sind.

Beispiele für erfolgreiche Integrationsprojekte

Als gute Beispiele für gelungene Integrationsarbeit wurden ein paar im Podcast besprochen. Kurzfristige Projekte wurden sicherlich 15/16 im Zuge der Flüchtlingskrise durch diverse Vereine durchgeführt. Die Turnhallen wurden damals als Notunterkünfte umfunktioniert und die Mitglieder aus den Vereinen, die nicht mehr ihrem Sport nachgehen konnten, haben dann niederschwellige Sportangebote für Flüchtlinge ins Leben gerufen. Das hat das Ankommen sicherlich für viele erleichtert.
Um langfristig erfolgreiche Integrationsarbeit im Sportverein zu leisten, sind allerdings einige Dinge zu beachten. Als Ausgangsbasis ist wichtig, dass die Vereine versuchen müssen, dass Menschen aus anderen Ländern auf Augenhöhe mitdiskutieren, entscheiden und ihre Bedürfnisse artikulieren können. Das bedeutet z.B. auch, dass man immigrierten Menschen die Möglichkeit geben sollte, sich ehrenamtlich zu engagieren.
Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „Soccer-Referee-Coach“. Ursprung des Projektes war das Problem, dass etwa 50 geflüchtete Personen gleichzeitig auf den Fußballplätzen des Vereins spielen wollten. Das gab natürlich erwartungsgemäß Probleme in der Trainingsleitung. Die Idee war dann, auch aufgrund des personellen Bedarfs und der sprachlichen Barriere, dass Personen aus der Gruppe selbst zu Trainern ausgebildet werden sollten. Jetzt gibt es allerdings das Problem, dass die klassische Lizenzausbildung nur zu absolvieren ist, wenn du man bereits gute Sprachkenntnisse hat. Deswegen war die Lösung eine niederschwellige Qualifizierung zu ermöglichen. Diese liegt zwar inhaltlich unter den offiziellen Lizenzen, aber befähigt die jeweilige Person Gruppen entsprechend zu leiten. Am Ende wurde das Ziel, dass Geflüchtete andere Geflüchtete trainieren erreicht.

Doch es gibt beim Thema Integration auch einige Hindernisse, welche du und dein Verein beachten solltest. Dazu gehört es, dass du dir erst einmal die Frage stellst, welche Konflikte gibt es überhaupt bzw. kann es geben? Ein Punkt an dem man als eine Person, die mit dem deutschen Vereinswesen aufgewachsen ist, vielleicht gar nicht denkt, ist das Vereinswesen selber. Es gibt kaum Länder auf der Welt, welche eine vergleichbare Vereinsstruktur in Aufbau und Organisation besitzen, wie wir in Deutschland. Dies muss man aber wissen, wenn man versucht, Personen aus anderen Ländern für seinen Verein zu gewinnen. Hier muss man die Ansprache entsprechend anpassen, man muss also Wege finden diese Menschen zu erreichen. Dies geht am einfachsten, wenn man sich mit Leuten zusammensetzt, welche Profis im Bereich der Integration sind und von ihren Erfahrungen lernt. Das können z.B. Quartiersmanager, Personen aus dem Jugendzentrum oder aus Schulen sein.
Der LSB unterstützt bei der Ansprache durch Seminare, um die interkulturelle Kompetenz zu erhöhen, oder durch hauptamtliche Unterstützung der ehrenamtlichen Vereine. So kann das das Ehrenamt z.B. von den breiten Netzwerken profitieren und mit den entsprechenden Integrationsprofis aus der entsprechenden Stadt zusammengebracht werden. Diese wissen, wie man die jeweilige Zielgruppe anspricht. Im Anschluss müssen sich die Vereine nur noch entsprechend gegenüber der Zielgruppe präsentieren. Hier gibt es dann ggf. auch Bezuschussungen vom LSB.

Konflikte – meistens liegt es nur am Blickwinkel

Das Thema Integration und die Konflikte, welche dabei auftreten können, sind wahrscheinlich vielen bekannt. Doch häufig muss man sich einmal selbst hinterfragen, ob die Beweggründe, die zu dem Konflikt führen, überhaupt berechtigt sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist das „Schwimmen von Frauen in geschützten Räumen“. Vereine, die das umgesetzt haben, berichten immer wieder von Beschwerden. Doch schauen wir uns einmal an, was die Gründe dafür sind, warum Menschen dieses Angebot wahrnehmen:

  • Die Teilnehmerinnen haben ein Schamgefühl, weil sie noch nicht schwimmen können und dieses jetzt lernen wollen.
  • Die Schönheitsideale sind andere, deswegen wollen sie nur unter Frauen schwimmen.
  • Die Teilnehmerinnen haben Angst vor dem Wasser z.B. wenn sie durch eine Flucht über das Mittelmeer traumatisiert sind.
  • Es handelt sich um patriarchische Familienstrukturen mit dem entsprechenden Rollenbild der Frau.

Wenn man ehrlich ist, ist eigentlich nur der letzte Punkt wirklich konfliktreich. Hier könnte man sagen, dass die Vereine Diskriminierung unterstützen. Allerdings muss man auch ehrlich sein – was ist denn die Alternative? Deswegen wäre auch dieser Punkt aus LSB-Sicht keine Desintegration, weil man damit zumindest verhindert, dass Parallelstrukturen geschaffen werden.

Wir hatten zu Beginn des Beitrages bereits geschrieben, dass man alle Menschen die Möglichkeit geben soll, ihre Bedürfnisse und Meinungen auf Augenhöhe zu artikulieren. Nur so kann man Hierarchien abbauen. Wer aber denkt, dass mit diesem Weg keine Konflikte mehr entstehen, der täuscht sich. Denn durch die Möglichkeit der Migranten Bedürfnisse zu artikulieren, werden neue Konflikte entstehen. Das Ziel muss dann sein, solche Konflikte im Verein auch austragen zu können.

Integration umsetzen

Vereine sollten es sich leisten können, Fehler machen zu, frei nach dem Motto: „Praxis ohne Theorie ist immer noch besser als Theorie ohne Praxis.“ Gerade bei der Integrationsarbeit sollte man Dinge einfach ausprobieren. Hierfür kann es durch den LSB auch finanzielle Unterstützung geben, denn grundsätzlich hat der Vereinssport ein hohes Potential für erfolgreiche Integration. Die Migranten, welche in den Verein kommen wollen, vereint mit den bisherigen Mitgliedern ein gemeinsames Interesse zur Sportart. Zum anderen sind bei vielen Sportarten die Regeln universell, Sprachbarrieren können so überwunden werden. Das sind auf jeden Fall gute Voraussetzungen.
Allerdings muss auch den Vereinen die Grenzen bewusst sein – jeder kann seinen Beitrag leisten, aber am Ende sind nicht die Vereine dafür verantwortlich die gesellschaftlichen Missstände zu lösen. Der Fokus muss auf Mitgliederentwicklung, ehrenamtliches Engagement und Positionierung gelegt werden.

Wenn dein Verein plant das Thema Integration mehr bei sich in den Fokus zu nehmen oder damit erstmalig beginnen will, möchten wir Dir diese sechs Tipps mit an die Hand geben:

  1. Einfach anfangen, aber nicht gleich die ganze Welt retten wollen. Der Weg entsteht oft beim Gehen.
  2. Klärt das Selbstverständnis im Verein – Warum wollen wir uns dem Thema widmen? Was ist unsere Motivation? Was sind unsere Ziele? Was ist unser Rahmen?
  3. Hinterfrage die eigenen Strukturen – Gibt es bei uns im Verein unsichtbare Hemmschwellen, Angebote oder Strukturen, die Menschen ausschließen? Es kann also z.B. sein, dass die Angebotspalette einfach nicht ausreichend ist für Migranten (z.B. in Deutschland eher unpopulärere Sportarten wie Ringen oder Cricket sind in anderen Ländern sehr beliebt).
  4. Wir sollten Kompetenzen bündeln und erweitern. Das bedeutet, arbeite mit Profis zusammen, um deine Ansprachewege zu überprüfen und zu verbessern. Es gibt immer Menschen, die sich ehrenamtlich und hauptamtlich mit Integrationsarbeit beschäftigen. So eignet man sich langfristig (neben Fortbildungen) Know-How an.
  5. Versuche immer die Kommunikation auf Augenhöhe zu führen. Ein häufiger Fehler ist, dass man denkt, man weiß was andere Menschen brauchen. Mit diesem Ansatz scheitern aber häufig gut gemeinte Projekte. Deswegen immer mit den Menschen die reale Bedarfslage abklären.
  6. Gelassen bleiben! Das Thema Integration wird häufig emotional geführt, mit eigener Meinung aber auch eigener politischer Haltung. Das gehört zu einer diversen Gesellschaft dazu. Aber auch wenn es Dissens gibt, sollte man einfach gelassen bleiben.

Fördermittel im Bereich Integration

Die Fördermittel unterscheiden sich zwischen den einzelnen Landessportbünden nur geringfügig. Wir zeigen euch hier die Möglichkeiten beim LSB Niedersachsen auf. Grundsätzlich hängt die entsprechende Förderung stark von der Idee des Vereins ab und der LSB reagiert darauf mit einer möglichst breiten Palette. Etwas klassisches ist die Initiierung eines neuen Sportangebotes bzw. einer neuen Sportart Im Verein. Dies kann aber auch als Schul-AG oder in Zusammenarbeit mit einem Jugendclub erfolgen. Hier kannst du einfach einen Antrag für eine pauschale Starthilfe stellen. Diese 1.000 Euro für die ersten 12 Monate gibt es recht unbürokratisch.
Genauso fördert der LSB aber auch Veranstaltungen in diesem Bereich oder wie oben schon beschrieben auch die Kompetenzförderung von Geflüchteten, welche z.B. Übungsleiter werden wollen. Anteilsfinanzierungen kann es darüber hinaus auch bei umfangreicheren Projekten geben. Grundsätzlich empfiehlt der LSB, dass man, bevor man etwas startet, gemeinsam draufschauen sollte, zum einem um die ideale Förderung zu finden, zum anderen um auch die Netzwerke zur Verfügung stellen zu können. Und keine Sorge nicht jeder Verein muss Integration zu seiner neuen Kernkompetenz ernennen. Hier gibt es bisher auch nur eine überschaubare Anzahl in Niedersachsen, welche als Stützpunktvereine im Programm „Integration durch Sport“ aufgehangen sind.

Bei weiteren Fragen zum Thema Integration wendest du dich am besten an den Ansprechpartner beim jeweiligen LSB. Dieser kann dich auch gerne an weitere Experten vermitteln. Wenn du uns gerne von deinen Erfahrungen beim Thema Integration oder von eurem Vereinsprojekt erzählen möchtest, sende uns gerne eine E-Mail an info@vereinsstrategen.de. Es wird zu dem Thema noch zwei weitere Folgen bzw. Beiträge geben. Wir hoffen du konntest aus diesem Beitrag viel mitnehmen und würden uns freuen, wenn du unseren Podcast abonnierst

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

 

Der Engagement-Verein – zahlen deine Mitglieder mit Geld oder Zeit?

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Ehrenamt

Verein anders gedacht

 

In diesem Beitrag geht es um einen fast schon revolutionären, wenn auch einfachen Weg, seine Mitglieder für ein Engagement im Verein zu begeistern. Wieso lassen wir sie nicht mal mit ihrem Engagement ihren Mitgliedsbeitrag bezahlen? Dafür stand den Vereinsstrategen Marco Lutz im Podcast-Interview zur Verfügung und erzählte von der Gründungsidee und der praktischen Umsetzung des Basketballvereins LINDEN DUDES. Marco Lutz ist seit Jahren im Ehrenamt engagiert und arbeitet hauptberuflich als Leiter des Bereiches Bildung beim LSB Niedersachsen. Der Beitrag stellt eine Zusammenfassung des ausführlicheren Podcast-Interviews dar.

Der Beginn und die Rahmenbedingungen

Der Gründung geht darauf zurück, dass mehrere Freunde nach Hannover umgezogen sind und zusammen einfach Lust hatten sich einmal die Woche zum Basketballspielen zu treffen. Doch durch den steigenden Zulauf an neuen Personen verfestigte sich die Idee, sich einem Verein anzuschließen und regelmäßig auch am Spielbetrieb teilzunehmen. Doch bereits nach kurzer Zeit im Verein hatten die Mitglieder der Basketballabteilung eine eigene Ideen (durch ihren Background im Bereich Ehrenamt), wie man Verein auch denken kann. Dies konnten sie damals in ihrer Abteilung aber nicht umsetzten. Deswegen entschieden sie sich einen neuen Verein zu gründen – die Linden Dudes waren geboren. Die Idee war den modernen Lifestyle in einen Verein zu tragen, angefangen beim sicherlich eher ungewöhnlichen Vereinsnamen, aber im Schwerpunkt versehen mit dem Ansatz ein Engagement-Verein zu sein.
Die Idee hinter dem Grundsatz des Vereins ist es, dass die „Arbeitslast“ bzw. „Engagementlast“ auf viele Schultern unter den Vereinsmitgliedern verteilt wird. In vielen Verein tragen meist wenige Schultern eine hohe Last und die einzelnen Mitgliedern wissen nicht, was im Hintergrund passiert. Deswegen sollte bei den Linden Dudes möglichst jedes Mitglied eine Engagementaufgabe übernehmen, unter der Berücksichtigung der jeweiligen Kompetenzen und Stärken. Jedes Mitglied soll so direkt am Vereinserfolg durch seine Arbeit beteiligt sein. Dafür muss man die Mitglieder aber auch direkt ansprechen, um sie von einem Engagement zu überzeugen und um ihnen zu erklären, wie ein Verein funktioniert und das es sich dabei eigentlich um eine Solidargemeinschaft handelt. Dafür gibt es bei den Linden Dudes einen eigenen Engagementbetreuer. Ein weiterer Baustein ist z.B. auch die Mitgliederversammlung, die nicht in ihrer klassischen Art interpretiert, sondern mehr als Workshop gesehen wird, wo man sich über die Vereinsentwicklung aktiv austauscht.

Das Dudes-Engagement-Credit-Point-System

Die Grundidee für dieses System entstand nach einem DOSB-Fachvortrag. Die Grundüberlegung war – Wie kann man Ehrenamtsarbeit noch mehr systematisieren, in ein neues Konzept verpacken und dafür sorgen, dass Leute, die sich bisher nicht engagieren, es am Ende doch tun.
Zu Beginn wurde überlegt, wie viel Engagementarbeit ist denn überhaupt in einem Verein enthalten und welche Aufgaben gibt es eigentlich. Als dies dann analysiert war, kam man zu der Überzeugung, dass es zwei Beitragsformen im Verein gibt:

  • Der klassische monetäre Beitrag
  • Der Beitrag, den ich als Engagement bzw. im Ehrenamt leiste

Schlussendlich kam zu der entscheidenen Erkenntnis, dass jedes Mitglied eigentlich aus beiden Welten einen Beitrag leisten müsste. Der Engagementbeitrag wiederum ist noch einmal aufgeteilt in zwei Bereiche. Den Beitrag, den ich an das Team leisten muss (blaue Punkte), und den, den ich an die Solidargemeinschaft leisten muss (orange Punkte).
Schauen wir uns das Bespielhaft mal beim Trainer an. Der Trainer möchte Talente entwickeln. Was er nicht möchte, ist die Organisation der Fahrten oder sich um die Pressearbeit zu kümmern. Deswegen entschied man sich, diese aber anfallenden Aufgaben auf das Team zu übertragen. Das heißt z.B. ein Spieler kümmert sich um die Pressearbeit und einer um das Waschen der Trikots. Aber natürlich sind nicht alle Aufgaben gleich zu bewerten. Die ehrenamtliche Tätigkeit als Trainer ist höher einzuschätzen, als die für das Trikotwaschen. Das heißt für den Trainerjob gibt es mehr blaue Punkte. Dann gibt es noch die vereinsübergreifenden Aufgaben für die Solidargemeinschaft z.B. Protokoll schreiben oder die Organisation von Jahreshauptversammlungen.
Am Ende des Jahres hat man als Mitglied dann eine bestimmte Anzahl an blauen und orangen Punkten gesammelt. Diese Anzahl kann über oder unter der persönlichen Zielmarke sein. Die Zielmarke, welche vorher festgelegt wurde, hängt dabei vor allem von der persönlichen Lebenssituation (z.B. Student, Familie mit kleinen Kindern, Pflege von Familienangehörigen) ab. Die Punkte werden auf ein Mitgliederkonto gut geschrieben. Wenn man seine Zielmarke übererfüllt hat, kann man diese ins nächste Jahr mitnehmen bzw. ansparen für Zeiten, wo man weniger engagiert sein kann. Wenn man die Zielmarke nicht erfüllt, muss man die nicht erfüllten Engagementpunkte monetär nachzahlen.
Die Wertung einer Aufgabe erfolgt nach dem Umfang und der Wichtigkeit für den Verein. Schiedsrichtertätigkeiten sind z.B. recht hoch gewertet, weil es eine Aufgabe ist, die nicht so viele Menschen machen wollen. Durch diese Steuerungsmaßnahme fällt es den Linden Dudes aber recht leicht, neue Schiedsrichter zu gewinnen.
Grundsätzlich muss jedes Mitglied 35 Punkte pro Jahr machen (unter Brücksichtigung der persönlichen Lebensumstände). Jeder Punkt kostet das Mitglied, wenn er nicht erfüllt wurde am Jahresende, 10 Euro in Form eines Solidarbeitrages. Was es aktuell noch nicht gibt und eine Weiterentwicklung des bestehenden Systems wäre, ist die Kopplung des Punktesystem mit dem Mitgliedsbeitrag. Bei dieser Idee soll der klassische Mitgliedsbeitrag gering sein und gekoppelt an die Engagegementleistung. Auf der anderen Seite würde es dann zusätzlich einen Dienstleistungsbeitrag geben, welcher dich von allen Engagementleistungen entlastet, aber deutlich teurer wäre. Dieses Geld könnte man dann nutzen, um z.B. studentische Übungsleiter zu bezahlen. So hätte jedes Mitglied zu Beginn eines Jahres die Möglichkeit seinen Beitrag selber festzulegen. Aktuell ist es bei den Linden Dudes noch so, dass keiner eine Aufwandsentschädigung bekommt, außer Menschen, die es besonders brauchen (Schüler, Studenten).

Freiwilligenmanagement

Am Ende ist es aber nicht nur wichtig, eine Punktesystem einzuführen, sondern vor allem ein gutes Freiwilligenmanagementsystem anzubieten. Dafür müssen aber die Rahmenbedigungen passen. Die Personen müssen gut eingearbeitet, gefördert und auch unterstützt werden. Die Linden Dudes arbeiten aber auch mit Belohnungen für Engagierte – so gibt es z.B. Events im Verein. An denen kann man nur teilnehmen, wenn man sich vorher entsprechend engagiert hat. Andere Maßnahmen sind zum Beispiel, dass die Trainer mit dem entsprechenden Equipment ausgestattet werden oder es regelmäßig interne Fortbildungen gibt.
Der Mitgliedsantrag bei den Linden Dudes ist sieben Seiten lang. In diesem steht eine Engagementphilosophie, eine Abfrage der Ehrenamtserfahrung im Verein, was du gerne machen möchtest und wo deine Kompetenzen liegen. Dies gibt dem Verein die Möglichkeit ungenutzte Potentiale bei seinen Ehrenamtlichen aufzudecken. Wenn darüber hinaus Potentiale oder Ideen entdeckt werden, welche nicht im Engagementkatalog vorgesehen sind, dann muss (bei Sinnhaftigkeit) der Verein auch so flexibel sein, die Umsetzung zu ermöglichen.

Punkte festlegen

Die ursprüngliche Festlegung der Punkte erfolgte durch eine so genannte Engagementkomission, welche aus Personen aus dem Verein bestand. Darüber hinaus gibt es einen Enagagementbeauftragten. Dieser überwacht das Creditpointsystem und hält den Punktestand der einzelnen Mitglieder fest. Die laufende Weiterentwicklung, Prüfung bzw. Abänderung der Punktvergabe für Aufgaben nimmt der Vorstand meist aller 2 Jahre auf seiner Klausurtagung vor. Als Diskussionsforum wird hierfür die Mitgliederversammlung genutzt. Die Entwicklung so eines Systems ist also ein laufender Prozesses. Was den Linden Dudes natürlich geholfen hat, war ihre Vereinsneugründung, womit alle Strukturen neu aufgesetzt werden konnten. Wenn man dieses Konzept bei bestehenden Vereinen umsetzen möchte, ist dies möglich, aber mit weiteren Herausforderungen versehen. Auf jeden Fall kann die Umsetzung eines solchen Systems nur Schritt für Schritt erfolgen.

Wie gelingt die Umsetzung?

Neben dem „Schritt für Schritt gehen“ sind noch weitere Kriterien für das Gelingen eines solchen Projektes entscheidend:

  • Dialog mit allen Beteiligten im Verein
  • Autokratische Vereinsführung vermeiden
  • Klare Philosophieentwicklung, am besten mit externer Begleitung
  • Priorisierungen vornehmen und regelmäßige Reflektion im Verein
  • Beachtung des Engagementlebenssykluses

 Abschließend sei noch erwähnt, dass die Umsetzung eines Engagementvereins natürlich auch interessante Förderungsmöglichkeiten durch die Sportbünde ermöglicht. Für mehr Details empfehlen wir Dir natürlich das Hören unserer Podcast-Folge. Bei Fragen zur Umsetzung kannst du uns gerne eine E-Mail an info@vereinsstrategen.de senden oder uns in unseren Social-Media-Kanälen kontaktieren.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)