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Positionierung Integration: Mitglieder und Sponsoren gewinnen

Positionierung Integration: Mitglieder und Sponsoren gewinnen

Vereinsentwicklung

Positionierung ohne sportlichen Erfolg

 

Integration kann neben seiner gesellschaftlichen Wichtigkeit auch ein Weg sein, seinen Verein stärker zu positionieren und damit neue Mitglieder zu erreichen. Hierfür haben wir Roy Gündel als unseren Experten für Integration erneut in den Podcast eingeladen. Er ist Leiter des Fachbereichs Integration und Sport/soziale Arbeit beim LSB Niedersachsen. Der Beitrag ist eine Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte des Interviews.

Gleich vorneweg das Fazit: Ja, es macht Sinn, dass sich Vereine in vielen gesellschaftlichen Belangen stark positionieren. Das liegt schon in der Grundstruktur der Vereine selbst verankert. Sie übernehmen soziale Funktionen und können deswegen auch nicht unpolitisch sein. Jeder Verein sollte sich schließlich zu den Grundwerten einer liberalen Demokratie bekennen, auch wenn die meisten parteipolitisch neutral sind. Der Bereich der Integration ist deswegen besonders interessant, weil bei einer starken Positionierung Vorteile für den Verein winken. Er wird bei einem hohen Engagement als relevanter Akteur vor Ort wahrgenommen. Dies erleichtert aber auch die Zusammenarbeit in anderen Bereichen bzw. hilft eigene Belange in anderen Fragestellungen durchzusetzen.

Die Vorteile der Positionierung „Integration“

Deswegen schauen wir als nächstes einmal darauf, was passieren könnte, wenn ein Verein sich für die Positionierung im Bereich der Integration und des gesellschaftlichen Zusammenhaltes entscheidet. Grundsätzlich vertritt man mit dieser Positionierung Werte außerhalb des sportlichen Erfolgs. Diese Werte und die Menschen, die ihr damit erreicht, können für bestimmte Unternehmen vor Ort attraktiv sein. Sie wollen von eurem Image partizipieren und damit erscheint ein Vereinssponsoring möglich.
Ebenso werden aber auch die Kommunen mehr auf euch aufmerksam, da ihr einen gesellschaftlichen Mehrwert vor Ort geniert. Ihr fördert die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, bringt Menschen zusammen, fördert den sozialen Austausch und schafft für Menschen eine neue Heimat. Dies sind meist genügend Gründe für eine Kommune euch zu unterstützen bei Themen wie Hallenzeiten, Bau von neuer Infrastruktur oder auch Zuschüssen. Der sportliche Erfolg dagegen ist der Kommune egal.
Wahrscheinlich ist aber auch, dass ihr eure Mitgliederbindung erhöht. Die Mitglieder kommen nicht nur wegen dem Training zu euch, sondern vor allem wegen der Menschen. Allein für den Sport könnten sie auch woanders hingehen. Die Mitglieder finden das, wofür der Verein steht gut und unterstützenswert. Dann ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass selbst Mitglieder, welche nicht mehr in der Nähe des Vereins wohnen oder nicht mehr aktiv Sport treiben, trotzdem ihre Mitgliedschaft behalten wollen, weil sie das Engagement des Vereins im Bereich Integration unterstützen wollen.
Wenn man sich für die Positionierung „Integration“ entscheidet, muss man dies aber auch immer im Gesamtspektrum des Vereins sehen. So ist die Integrationsarbeit als die eine Positionierung auch nicht zielführend, weil man dann zu einseitig arbeitet. Man darf allerdings auch nicht zu viele Schwerpunkte setzen, weil es dann auch keine Schwerpunkte mehr sind. Hier besteht die Gefahr, dass sich Vereine übernehmen, denn häufig gehen diese Schwerpunkte auf einzelne Personen oder Personengruppen zurück. Hört eine Person im Verein auf, so kann der Schwerpunkt wegbrechen oder sich durch den Personenwechsel stark verändern. Diese Fluktuation muss bedacht werden und es muss vorher festgelegt werden, wie solche personellen Verluste aufgefangen werden. Dafür ist es aber wichtig die richtigen Prioritäten bzgl. des Gesamtvereins zu setzen. Nicht jeder Verein muss jedes Thema zu seiner Priorität erklären, viel wichtiger ist die Frage: „Was ist sinnvoll und was möchte ich?“.

Gefahren bei der Positionierung „Integration“

Die Wichtigkeit mehrere Schwerpunkte zu setzen, anstelle sich nur auf „Integration“ zu fixieren, wurde gerade schon beschrieben, aber nicht, warum die Fixierung eigentlich ein Fehler ist. In erster Linie sind alle Mitglieder in einem Sportverein Sportler. Doch wenn ein Verein sich nur auf die Integration fixiert, besteht die Gefahr, dass dieses Thema alles andere überstrahlt und Menschen auf ihre Herkunft reduziert werden. Aus Sportlern werden dann Migranten in der Wahrnehmung, also genau das Gegenteil von dem, was eigentlich gewollt ist. Hier muss am Ende entschieden werden, inwieweit trage ich diese Positionierung nach außen oder setze sei einfach im Verein um.
Eine weitere Gefahr ist, nicht ausreichend auf die Resonanz der Mitglieder zu hören. Es gibt immer Vorbehalte und Widerstände bei einer solchen Positionierung. Wichtig ist es genügend Raum für den Austausch zu geben, um interkulturelle Konflikte zu klären und zu lösen. Natürlich darf dieser Austausch nur in vorher festgelegten Grenzen erfolgen, sollte immer auf Augenhöhe erfolgen und man sollte nicht übereinander, sondern miteinander sprechen. Beachtet hier auch den entsprechenden Sprachgebrauch eurer Mitglieder. Mit dieser Resonanz kann man dann Schritt für Schritt den Verein und auch die Positionierung weiterentwickeln und festigen.

Mitgliedergewinnung durch die Positionierung „Integration“

Für die Mitgliedergewinnung ist jede Positionierung nur ein Mosaikstein unter mehreren. So sind zur Gewinnung z.B. auch die Ansprechwege, die Angebotspalette im Verein oder auch das Auftreten von Hürden beim Vereinseintritt entscheidend. Grundsätzlichist es schwierig die Wirkung von „Integration“ quantitativ zu messen, da die Datenlage in diesem Bereich eher gering ist, aber es gibt Tendenzen, dass ich mit einer klaren Positionierung durchaus Vorteile bei der Mitgliedergewinnung habe. Wenn Menschen vorher keinen Kontakt zu Vereinen hatten, es also keine Sozialisation in diesem Bereich gab, dann können Leute über ein Integrationsprojekt an den Verein herangeführt werden und über den Austausch mit den Menschen teilweise auch fest an den Verein gebunden werden.
Im Podcast wurden u.a. zwei Beispiele angesprochen, einmal ein Bauchtanzkur und ein Fahrradkurs. Diese Angebote sind sehr niederschwellig und haben in der Praxis sehr integrativ gewirkt. Der Bauchtanzkurs wurde bespielweise später sogar fest ins Vereinsportfolio aufgenommen, weil er sehr gut angenommen wurde. Ein Fahrradkurs kann dabei helfen den Aktionsradius zu erhöhen und Menschen überhaupt erst das regelmäßige Vereinstraining zu ermöglichen. Höre hier gerne noch einmal rein, wenn dich dies näher interessieren sollte.
Die Frage ist jetzt natürlich: „Wie finde ich das richtige Angebot, um Migranten zu gewinnen?“. Und hier kann man ganz klar sagen, dass auch diese Frage aufgrund der schlechten Datenlage nicht eindeutig zu beantworten ist. Fest steht aber, dass folgende Faktoren einen Einfluss haben:

  • Nicht das Angebot bindet die Personen an den Vereinen sondern die Menschen. Integration muss im gesamten Verein gedacht werden, eigene Stereotypen sollte man hinterfragen und der Verein sollte sich regelmäßig reflektieren.
  • Wie viele Migranten überhaupt in meiner Region leben, ist individuell. In Großstädten gibt es meist mehr Menschen mit Migrationshintergrund als in ländlicheren Regionen. Im ländlichen Raum kommt dazu noch das Thema der Erreichbarkeit des Vereinsgeländes. Nicht jede Person hat ein Auto, um regelmäßig zum Training zu kommen. Dies beeinflusst natürlich auch deine mögliche Positionierung im Bereich Integration und deren Umsetzung.
  • Wer sich engagiert in der Integrationsarbeit, bekommt meist mit der Zeit auch einen diverseren Verein.

Angebotsbedarf ermitteln und umsetzen

Grundsätzlich sollte man genau im Verein prüfen, ob es sinnvoll und auch realistisch ist, ein Angebot umzusetzen, was es vor Ort noch nicht gab. Nehmen wir als Beispiel Cricket. Als erstes muss man schauen, ob der Bedarf nach Cricket in der Region artikuliert wird. Da der Sport in Deutschland eher unbekannt ist, wird er vor allem von Migranten mit pakistanischen Wurzeln gespielt. Angenommen der Bedarf wird z.B. in der Flüchtlingshilfe von genügend Personen artikuliert, dann sollte man sich als nächstes mit der Tatsache des schwierigen Spielfeldes auseinandersetzen. Die typischen Maße sind in Deutschland auf Sportplätzen sehr unüblich und deswegen müsste man für diesen Sport meist ein neues Spielfeld errichten. Am besten behilft man sich hier mit provisorischen Feldern und schaut erst einmal, ob die Gruppe dauerhaft zusammenbleibt. Erst dann sollte man weitere Schritte planen und ggf. darüber nachdenken eine Abteilung zu gründen. Wichtig ist es einfach zu Beginn kreativ zu sein und neue Sachen auszuprobieren. Im Fall von Cricket hat der Zuzug von Sporttreibenden dazu geführt, dass sich die deutschen Verbandsstrukturen im Cricket weiterentwickeln konnten und deutlich stärker sind als vor der Flüchtlingskrise.
Ziel eines Vereines bleibt es aber, neue Mitglieder durch Angebote zu gewinnen. Bei allen Sportarten im Wettkampfsport ist es leichter Personen zu überzeugen. Hier ist die Mitgliedschaft eine Grundvoraussetzung zur Teilnahme am Wettkampfbetrieb. Bei den verbleibenden Sportarten sieht es anders aus. Man sollte deshalb zu Beginn bei interessierten Personen mit Migrationshintergrund keine Mitgliedschaft erzwingen. Viel wichtiger ist es, dass das Angebot am Anfang möglichst unverbindlich ist. Gebt den Personen die Möglichkeit sich auszuprobieren und sich mit dem Angebot vertraut zu machen. Für diesen Zeitraum stellt der LSB Niedersachen z.B. Fördermittel zur Verfügung um den finanziellen Aufwand für das kostenlose Angebot auszugleichen. Bei einer positiven Entwicklung des Angebotes sollte man versuchen, die Personen von einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Beim Cricket geht das wegen dem Wettkampfcharakter und der homogenen Gruppe tendenziell einfacher als z.B. beim Bauchtanzkurs.
Hier noch ein Hinweis zum Thema homogene Gruppen. Diese haben Vorteile aber auch Herausforderungen. Wenn ihr z.B. jetzt ein Cricket-Angebot mit einer vorhandenen Gruppe mit Migrationshintergrund bei euch im Verein implementieren wollt, hilft es sehr, wenn ihr einen Kümmerer im Verein habt (Was ein Kümmerer ist, erfährst du hier.). Dieser verbindet die Gruppe mit dem Rest des Vereins. Hierzu sollte er Räume zur Verständigung im Verein etablieren. So haben die verschiedenen Personen eine Möglichkeit sich auszutauschen und sich besser kennenzulernen. Der große Vorteil von homogenen Gruppen zu Beginn ist aber, dass sich Personen aufgrund der gleichen Sprache und Ansichten eher in der Gruppe fallen lassen können und nicht auf sich allein gestellt sind. Hierdurch habt ihr die Möglichkeit nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Gruppen für euren Verein als Mitglieder zu gewinnen. Und je nach Sportart können sich diese Gruppen dann mit der Zeit auch stärker natürlich durchmischen, so dass sie aus Personen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen besteht.

Wie starte ich?

Schaut euch einfach in der Umgebung um und stellt euch folgende Fragen:

  • Mit wem habe ich es vor Ort zu tun?
  • Wen gibt es im Einzugsbereich schon?
  • Welche Angebote gibt es bereits (auch außerhalb des Sports)?

Mit den Trägern, welche Angebote anbieten, sollte man in Kontakt treten und schauen, ob man einen Aktionstag mit eigenen Angeboten gemeinsam durchführen kann. Dieser sollte so konzipiert sein, dass er schnell auf den Weg gebracht werden kann, so dass es nicht schmerzt, falls er am Ende nicht von Erfolg gekrönt ist. Danach beginnt die Nachbereitung. Je nach Bewertung des Tages solltet ihr auf dieser Grundlage entscheiden, was die nächsten Schritte sein sollten.
Potentielle Institutionen, wo man sich für Kooperationsarbeit hinwenden kann, um Migranten für den Sport und den Verein zu begeistern sind Flüchtlingsheime (z.B. Sporttag für Geflüchtete), Jugendtreffs oder Schulen. Außerdem zeigt es sich, dass es von Vorteil ist, Eltern-Kind-Angebote im Programm zu haben und die Kinder somit früh an den Verein zu binden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich die Positionierung „Integration“ durchaus lohnen kann, aber einige Besonderheiten beachtet werden müssen, um erfolgreich zu sein. Wir hoffen, dass dir dieser Beitrag dabei hilft, dein Vorhaben umzusetzen. Im Podcast gehen wir noch einmal stärker auf gewisse Teilaspekte dieses Beitrags ein. Höre also gern rein. Falls du Fragen oder Anmerkungen haben solltest, schreibe uns gern eine E-Mail an info@vereinsstrategen.de. Und wenn du uns einen Gefallen tun möchtest, dann empfehle uns einfach weiter.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Kulturelle Vielfalt im Ehrenamt fördern

Kulturelle Vielfalt im Ehrenamt fördern

Integration und Ehrenamt

Kümmerer, Missgeschicke und Sprachbarrieren

 

Ehrenamtler finden für das Thema Integrationsarbeit und Migranten für das Thema Ehrenamt begeistern – zwei Themenfelder, welche für Vereine zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen werden. Dafür hatten wir uns als Experten Roy Gündel in den Podcast eingeladen. Als Leiter des Fachbereichs Integration und Sport/soziale Arbeit beim LSB Niedersachsen kennt er die wesentlichen Herausforderungen, vor welchen Vereine stehen. Der Beitrag ist eine Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte des Interviews.

Bevor wir jetzt tiefer einsteigen, müssen wir erst einmal ein gemeinsames Verständnis des Integrationsbegriffes haben. Wenn wir in diesem Blogbeitrag über Integration sprechen, meinen wir damit einen „fortwährenden Prozess der Gewährleistung der gleichberechtigte Teilhabe über kulturelle und soziale Unterschiede hinaus“.
Und um diesen Prozess sicherzustellen, braucht es Leute, die sich um Integrationsarbeit in den Vereinen kümmern. Doch was sind die Motive, dass sich Menschen in diesem Bereich engagieren? Hier ist vor allem die hohe Sinnstiftung zu nennen. Durch diese Arbeit können auch Menschen gewonnen werden, welche für den Verein vorher „unerreichbar“ waren. Menschen, welche sich zu Beginn integrativ engagiert haben, haben schnell festgestellt, wie gut Integration durch den Sport möglich ist und sind dann aus diesem Grund zum Sportverein gekommen.

Einstieg in die Vereinsarbeit

Dabei ist der Einstieg relativ unkompliziert. Viele Ämter in Sportvereinen sind auf Dauer angelegt, aber gerade im Bereich Integration bietet sich die Chance, projektbasiert zu arbeiten, also mit einer zeitlichen Begrenzung. Du solltest aber auf eines achten  – wenn du aus einer Initiative heraus ein Integrationsprojekt startest, solltest du den neuen Freiwilligen ein Experimentierfeld anbieten, wo sie neue Gedanken einbringen können und wo es ihnen vor allem erlaubt ist, Fehler zu machen. Zusammengefasst kann man sagen, dass Integration einen recht niederschwelliger Einstieg in euren Verein darstellen kann. Damit sprichst du vor allem junge Leute an, sich gesellschaftlich einzubringen, weil diese agieren eher themengebunden als ämtergebunden.
Wichtig ist einen Schritt nach dem nächsten zu machen – also setze einen kleineren Rahmen bei den Projekten, mache Integration nicht gleich zum Kerngeschäft des Vereins und versuche nicht die ganze Welt zu retten. Ein guter Start wäre beispielsweise erst einmal ein unverbindliches Sportangebot oder Sportkarrusell (wechselnde Sportarten) mit einem Kooperationspartner für Kinder und Jugendliche aufzusetzen. Als Partner sind vor allem Schulprojekte oder Jugendclubs interessant. Bei diesem Sportangebot kann dein Verein austesten, welche Ansprache funktioniert eigentlich am besten? Also was wird gut angenommen, wo ist der Bedarf? Erst im nächsten Schritt solltest du dir die Frage stellen, wie bekomme ich die Eltern an den Verein gebunden und wie bekommen wir diese unverbindlichen Sportangebote, welche offensichtlich nachgefragt werden bei den Migranten, auch in die bestehende Angebotspalette des Vereins integriert. Und wenn der Ansatz nicht funktioniert hat, testest du einfach etwas anderes aus.
Auch wenn wir natürlich sagen, dass du beim Start kein großes Konzept machen sollst, empfehlen wir Dir sich über folgende Punkte einmal Gedanken zu machen:

  • Prüfe dein Umfeld – Was für Menschen leben hier überhaupt? Wer kennt dieses Umfeld sehr gut? Kann ich mich mit dieser Person zusammensetzen und austauschen?
  • Trete in Kontakt – Welche Menschen möchte ich gewinnen? Wie trete ich mit diesen in Kontakt? Wenn ich nicht mit diesen direkt in Kontakt treten kann, gibt es vielleicht einen Mittler?
  • Bedarfsanalyse – Was für einen Bedarf reflektieren mir diese Personen? Wie kann man diesen Bedarf in eine Angebotsform umsetzen?

Der Vorteil an diesem Vorgehen ist die geringere Falltiefe bei einem Misserfolg, als wenn man ein großes Konzept startet. Und unsere Feststellung ist, je mehr man plant und Konzepte ausarbeitet, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit für ein Scheitern. Gerade bei der Integrationsarbeit sind viele Dinge nicht vorhersehbar, die Gefahr dass man sich dann verzettelt bzw. zu viel vornimmt steigt. Das hängt natürlich auch von deinem Erfahrungsgrad in diesem Themenfeld ab, aber wenn du neu bist, gehe kleinere Schritte. Häufig ist es schließlich so, dass die Idee für ein Engagement nicht vom 1. Vorsitzenden oder einem Abteilungsleiter geboren wird, sondern von jemanden, der motiviert ist, sich in diesem Bereich zu engagieren. Da heißt es dann für dich: Rückdeckung beim Vorstand und den anderen Mitgliedern holen, so dass alle bei diesem Prozess mitgenommen werden.
Das schöne bei Integrationsprojekten ist aber vor allem die Möglichkeit, dass fast alle Aufgaben auch von Personen ausgeführt werden können, welche keine 30 Jahre in den Vereinsstrukturen aktiv gewesen sein müssen, sondern quasi Quereinsteiger sind.

Diversität in der Vereinsarbeit

Ein Thema, welches im Podcast ebenfalls zur Sprache kam, beschäftigt sich mit der Darstellung der Diversität der Gesellschaft auch in den Funktionsebenen eines Vereins. Aktuell sind diese aus Sicht des LSB zu wenig divers. Wenn sich hier etwas ändern würde, hätten Vereinen auch einen leichteren Zugang zu Migranten, da es für Funktionsträger leichter wäre, die Perspektive des Gegenübers einzunehmen, sei es aufgrund des Werteverständnisses oder der Sprache. Nur um die Wichtigkeit einmal einzuordnen – in Großstädten haben 60 bis 70% der Jugendlichen einen Migrationshintergrund. Grundsätzlich ist der Sportverein aber gut geeignet um mit dem Thema Integration zu starten. Durch die universellen Regeln des Sports ist die Verständigung trotz Sprachbarrieren einfacher. Natürlich gibt es ggf. Verständigungsprobleme im Funktionsbereich eines Vereines. Aber auch hier muss sich ein Verein erst einmal selber fragen, was ist das eigentliche Problem? Kann ein Ehrenamtler die deutsche Sprache nicht perfekt, gibt es auch immer wieder Fälle, wo ihm dadurch die Kompetenz für Aufgaben abgesprochen wird. Man sollte eher darüber nachdenken, wie man die Person unterstützen kann, diese Sprachbarrieren abzubauen. Hier bieten sich z.B. Sprachpatenschaften an, wo der Verein eine Vermittlungsfunktion zu einer Kommune mit einem entsprechenden Pool an Paten anbieten könnte. Neben der Sprache muss man sich als Migrant auch erst einmal mit dem deutschen Vereinswesen vertraut machen. Wenn sie dies noch nicht kennen, wird dies zu weiteren Unsicherheiten bei Person führen. Am Ende ist es wichtig, dass der ehrenamtliche Migrant das Gefühl hat, dass er eine Basis des Vertrauens spürt und man versucht die Unsicherheiten abzubauen. Dies kann man erreichen, indem man die zwischenmenschlichen Verbindungen innerhalb des Vereins stärkt in Form von gemeinsamen Erlebnissen und Unternehmungen.

Wenn du deinen Verein jetzt so einschätzt, dass eine Integration auch im ehrenamtlichen Bereich gelingen könnte, ist jetzt nur noch die Frage zu klären, wie spricht man interessante bzw. interessierte Personen denn an. Hier nützt es natürlich, wenn ihr bereits eine Person im Verein habt, die das Vertrauen der Menschen genießt. Wenn nicht, solltet ihr einen guten Kontakt zu Schlüsselpersonen pflegen also z.B. zum Leiter des Jugendzentrums oder des Stadteiltreffs. Die Königsklasse ist es, wenn ihr in einer Querschnittsfunktion einen Kümmerer (für Integrationsfragen) im Verein habt. Hier muss man aber ehrlich sagen, dass ein ganz geringer Anteil der Vereine in Deutschland so eine Position hat. Und realistisch gesehen, muss man sagen, dass es keinen Sinn macht, schon bei den ersten Gehversuchen einen Kümmerer in deinen Verein zu installieren. Erst wenn ihr einen dauerhaften Ansprechpartner im Verein haben wollt, der auch immer wieder neue Impulse an verschiedenen Stellen im Verein setzen möchte, macht diese Position Sinn und hilft euch, sich effektiv weiterzuentwickeln. Sicher ist nur, dass ihr ab einer bestimmten Größe, dass Thema irgendwo fest im Verein andocken müsst. Ob das ein Vorstandsposten sein muss, sollte man sich aber gut überlegen, weil dann die Verbindlichkeit und Verantwortung wieder deutlich höher ist. Wenn der Kümmerer auch ohne dieses Vorstandsamt gut an den Vorstand kommunizieren kann, halten wir dies auch für ausreichend.
Solche Experten sei es ein Kümmerer oder eine externe Personen könnt ihr auch dann kontaktieren, wenn etwas im Verein schief läuft. Du musst halt immer daran denken, dass es, sobald ihr mit dem Thema Integration startet, werden immer wieder  unvorhersehbare Situationen auftauchen. Wie schon gesagt, Migranten kennen das System Sportverein mit seinen Regel und bürokratischen Abläufen nicht. So kann es vorkommen, dass Formalien nicht, wie gewohnt, erfüllt werden, Festlegungen in Protokollen ignoriert werden und ein Handschlag mehr zählt als das, was auf einer Sitzung beschlossen wurde.

Niederschwelliger Zugang

Einige Punkte zum Zugang zu ehrenamtlichen Engagement im Bereich Integration sind bereits angeklungen. Dies soll hier aber noch einmal kompakt beschrieben werden. Wenn ihr ein Ehrenamt aufbauen wollt, achtet darauf, dass das Angebot niederschwellig ist. Damit ist gemeint:

  • Erst einmal wenig Verbindlichkeit in das Engagement bringen
  • Verantwortung zu Beginn gering halten
  • Leuten das Gefühl von Rückendeckung geben und einen Ansprechpartner haben, wenn neue Projekte gestartet werden sollen
  • Wer Verantwortung bekommt, muss auch Freiheiten bekommen (z.B. in Bezug auf Ansprache und Organisation)

Diese Punkte gelten natürlich genauso, wenn ihr Migranten von Ehrenamtsarbeit überzeugen wollt. Desweiterem gibt es für sie natürlich noch Vorteile für ihre persönliche Entwicklung, was ihnen auch bei der weiteren Integration in Deutschland hilft. Man beschäftigt sich im Verein mit demokratischen Bereich der Mitbestimmung, lernt viel über Mitgestaltung, Verantwortung, Konfliktmanagement oder dem Umgang mit Misserfolgen. Gerade beim Start der beruflichen Laufbahn können diese Erfahrungen einer echter Benefit sein.

Einen Punkt müssen wir zum Abschluss noch ansprechen. Wenn ihr mit dem Thema Integration startet, setzt frühzeitig Grenzen, was Ehrenamtliche machen sollen und was nicht. Wenn z.B. Geflüchtete dem Ehrenamtler vertrauen, kann es vorkommen, dass sie Details von der Flucht erzählen inkl. Geschichten, wie Menschen vor ihren Augen gestorben sind. Aber auch Anfragen, ob man Personen bei Behördengängen unterstützen kann, sind nicht unnormal. Setzt diese vorher aufgestellten Regeln auf jeden Fall durch, um euren Ehrenamtlichen die Arbeit zu erleichtern. Der LSB Niedersachsen führt dafür sogenannte „Entlastende Gespräche“ durch, wo ein guter Umgang mit solchen Themen gelehrt wird.

Jetzt fragst du dich sicher, gibt es auch noch andere Unterstützungen durch die Landessportbünde? Ja, alle Landessportbünde in Deutschland haben das Angebot „Fit für die Vielfalt“, um interkulturelle Kompetenz zu schulen. Aber sie versuchen darüber hinaus vor allem den Austausch mit anderen Vereinen und Experten zu fördern und haben dafür verschiedene Veranstaltungsformate. Hier könnt ihr Roy Gündel am besten direkt selber ansprechen oder den entsprechenden Ansprechpartner bei euch im LSB. Sonst verweisen wir an dieser Stelle darauf, dass es bald noch einen weiteren Beitrag zum Thema Integration geben wird. Wenn ihr bis dahin Fragen an uns haben solltet, schreibt sie uns an info@vereinsstrategen.de. Damit wollen wir den Beitrag hier mit einem letzten Appell zum Thema Integration im Verein abschließen:

Traut euch, auch wenn man mal ins Fettnäpfchen treten kann, bleibt gelassen und fangt einfach an.

In diesem Sinne
Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Mitgliedschaftsmodelle vom Profisport in der Analyse

Mitgliedschaftsmodelle vom Profisport in der Analyse

Lernen vom Profisport

Lebenlange Mitgliedschaft in deinem Verein?

 

Ein Element, was es sowohl in einem Verein des Profisports als auch des Breitensports gibt, sind die Mitgliedschaften der Vereinsmitglieder. Einige Vereine in der Fußballbundesliga haben allerdings mehr als 100.000 Mitglieder, was für einen normalen Verein des Breitensports unvorstellbar ist. Machen die Profivereine also etwas besser? Genau darum soll es in diesem Betrag gehen.

Jeder Verein ist in seiner Mitgliederstruktur etwas anders aufgestellt. Wir stellen euch die Struktur beispielhaft einmal für den Verein von Pascal vor:

  • Normale Mitgliedschaft zzgl. Abteilungsbeiträge berechtigen zur Sportteilnahme
  • Passive Mitgliedschaft ohne Sportteilnahme
  • Mitgliedschaft Kinder und Jugendliche zzgl. Abteilungsbeiträge berechtigen zur Sportteilnahme
  • Familienmitgliedschaft (2 Erwachsene und min. ein Kind) zzgl. Abteilungsbeiträge
  • Mitgliedschaft im Förderverein

Wahrscheinlich kennst du die meisten Elemente auch aus deinem Verein. Vergleichen wir das doch jetzt einmal mit dem Profisportbereich. Im Schwerpunkt haben sich drei Mitgliedschaftsmodelle herausgebildet. Das ist einmal die Vollmitgliedschaft (dazu gehört auch die Familienmitgliedschaft), die Fördermitgliedschaft und die lebenslange Mitgliedschaft. Eine Probemitgliedschaft gibt es nicht und die Mitgliedschaft wird immer für ein Jahr abgeschlossen.

Die drei Mitgliedschaftsmodelle im Vergleich

Der Anreiz, warum Mitglieder in einen Profisportverein eintreten, unterscheidet sich zum Teil stark vom Breitensport – jeder denkt sofort an das „FAN-SEIN“. Ein Mitglied was von einem Verein Fan ist, möchte meist keinen Sport treiben, aber öffentlich Teil der Vereinsgemeinschaft sein. Für dieses Mitglied bietet sich die Fördermitgliedschaft an. Sie ist zum einem kostengünstiger als die Vollmitgliedschaft, zum anderen bietet sie alle Benefits, welche einen Fan interessieren. Das sind z.B. Vorkaufsrechte für Karten, Rabatte im Fanshop, Einkaufsrabatte beim Sponsor, Erhalt des (digitalen) Mitgliedermagazins oder Willkommensgeschenke. Etwas überspitzt gesagt, ist eine Fördermitgliedschaft vergleichbar mit einer Kundenkarte, um exklusive Inhalte zu bekommen – denn ein Wahlrecht auf der Mitgliederversammlung hat man mit dieser Art Mitgliedschaft nicht.

Die Vollmitgliedschaft ist vergleichbar mit der vorhin erwähnten normalen Mitgliedschaft. Man hat also das Recht in einer bestimmten Abteilung Sport zu treiben. Ein zusätzlicher Abteilungsbeitrag ist eher unüblich. Manche entscheiden sich für einen Profisportverein, weil sie in „ihren Farben“ in der 3. oder 4. Mannschaft spielen und trainieren wollen. Im Jugendbereich haben Kinder und Jugendliche vor allem das Ziel später einmal den Sprung zum Profi zu schaffen und finden dafür sportlich perfekte Bedingungen vor. Doch auch in den anderen Abteilungen in einem Profisportverein bieten sich interessante Möglichkeiten, denn durch die professionellen Strukturen und die gute Finanzausstattung gibt es meist die Möglichkeit, auch in den anderen Sportarten höherklassig zu spielen. Ein ganz klassisches Training ohne hohe sportliche Ambitionen ist natürlich auch möglich. Bei einer Vollmitgliedschaft gibt es grundsätzlich die gleichen Benefits wie bei einer Fördermitgliedschaft, allerdings ist man stimmenberechtigt bei der Mitgliederversammlung.
Allerdings muss man sagen, dass neue moderne Sportarten selten in einen Profisportverein aufgenommen werden und dass die meisten Vereine deswegen keine Innovationsführer in diesem Bereich sind. Selbst das Thema E-Sports, was die Fußballclubs immer mehr für sich entdecken, wird vor allem auf dem Spitzenniveau betrieben. Eine Umsetzung für die normalen Vereinsmitglieder mit Training und Wettkämpfen ist meist nicht vorgesehen. Und auch in der Breite ist der E-Sports meist auf Sportsimulationen begrenzt und grenzt damit den Großteil der Gaming-Szene aus. Man muss sich dabei einfach vergegenwärtigen, dass 100.000 Mitglieder auch 100.000 Kundenkontakte für Sponsoren sind und deswegen auch der Fokus eher darauf liegt. Der Bedarf weitere sporttreibende Vollmitglieder zu gewinnen ist begrenzt, weil auch die infrastrukturellen Kapazitäten des Vereins begrenzt sind.

Eine Form der Mitgliedschaft, welche eher ungewöhnlich ist, ist die lebenslange Mitgliedschaft. Bei dieser handelt es sich um eine Mitgliedschaft, wo man einmalig einen hohen Betrag bezahlt und dann bis zum letzten Tag im Leben Mitglied im Verein ist. Meist liegt dieser einmalige Mitgliedsbeitrag zwischen dem 10 bis 12fachen des Mitgliedsbeitrages einer nicht ermäßigten Vollmitgliedschaft. Als Gegenleistung erhält man alle Privilegien der normalen Vollmitgliedschaft und weitere exklusive Benefits. Das können z.B. exklusive Feiern sein oder das Treffen mit Vereinslegenden. Auch wenn diese Mitgliedschaft zum lebenslangen Sporttreiben im Verein berechtigt, werden die meisten Personen diese vor allem aus dem Fan-Gedanken heraus abschließen.
Neben der reinen Mitgliedschaft sollte dahinter aber auch ein ganzheitliches Konzept im Verein stehen. Wenn das Prinzip lautet von der Geburt bis zum letzten Tag, muss sich auch das entsprechende Angebot im Verein finden. Im Baby- und Kleinkinderzeitraum sind z.B. solche Leistungen denkbar, wie Geburtsvorbereitungskurse, Babyschwimmen oder Kinderturnen. Ggf. gibt es sogar eine bevorzugte Aufnahme in einen Kindergarten, wo der Verein der Träger der Einrichtung ist. Ziel muss es sein, dass sich Kinder und Eltern langfristig mit dem Verein identifizieren können. Anschließend kommt der normale Jugend- und Erwachsenensport. Hier kommt es natürlich vor allem auf die Breite des Sportangebotes und dessen Qualität an, um dem lebenslangen Konzept entsprechend Rechnung tragen zu können. Der letzte Lebensabschnitt ist das Seniorenalter. Hier sollte Wert auf Gesundheitssportarten und ein angepasstes Sportprogramm gelegt werden, aber auch ein Veranstaltungskalender mit Ausflügen sollte nicht fehlen. Gerade viele Senioren haben die Gefahr, dass sie vereinsamen und sind bereit auch für Unternehmungen zusätzlich zu zahlen.

Mitgliedermodelle im Breitensport umsetzen

Nachdem wir uns einmal die Mitgliedschaften im Profisport angeschaut haben, wollen wir schauen, was wir davon in den Breitensport übertragen können. Fördermitgliedschaften z.B. haben bereits einige Vereine. Hier musst du dich immer fragen, wieso sollte diese Mitgliedschaft jemand bei dir im Verein abschließen. Entweder er ist Fan, er findet deine Arbeit gut und will dich unterstützen oder er ist nur noch passiv und nimmt keine Angebote mehr wahr. Versuche ihn aber auch ein paar echte Vorteile zu geben. So kannst du darüber nachdenken eine Kooperation mit lokalen Unternehmen, wie Supermärkten, Handwerkern oder Sportläden einzugehen Das ist eine echte WIN-WIN-Situation, der Sponsor bekommt etwas Werbung und ggf. noch zusätzlichen Umsatz und das Fördermitglied bekommt Rabatte beim Einkaufen. Auch eine Einladung des Fördermitglieds zur Weihnachtsfeier oder anderen Feiern sollte nicht fehlen, so haltet ihr den Kontakt und die Kommunikation aufrecht. Dort könnt ihr auch gut zeigen, was die Gelder der Fördermitglieder alles Gutes bewirken. Oder es gibt einen E-Mailsnewsletter, welchen nur Förderer des Vereins erhalten. Deinen Ideen sind da keine Grenzen gesetzt, versuche nur sinnvollen Mehrwert zu generieren, denn man muss ehrlich sagen, dass eine hohe emotionale Bindung, wie z.B. bei einem Profifußballverein eher selten ist. Wenn du gerne möchtest, dass ein bestimmter Zweck bei euch unterstützt wird wie die Jugendarbeit, dann richtet dafür ebenfalls eine Fördermitgliedschaft ein. Hier finden Fördervereine ihre inhaltliche Berechtigung.

Doch kann man auch das Modell der lebenslangen Mitgliedschaft gut im Breitensport umsetzen? Also sinnvoll erscheint es, wenn ihr ein ganzheitliches lebenslanges Konzept in diesem Bereich habt oder euch vorstellen könnt, dieses umzusetzen. Wir glauben, dass sowohl das Konzept als auch die Mitgliedschaft selber das Mitglied emotional stärker bindet. Grundsätzlich kann auch die hohe einmalige Zahlung von mehreren Mitgliedern zu einem Zeitpunkt sinnvoll sein, nämlich wenn ihr z.B. aufgrund einer Renovierung einen erhöhten Eigenkapitalbedarf habt. Aber diese kurzfristige Liquidität geht natürlich zulasten von zukünftigen Zahlungsströmen. Gleichzeitig habt ihr das Mitglied ein Leben lang als „Kostenfaktor“. Ob sich das lohnt, kommt am Ende auf den Einzelfall an. Wenn junge Leute diese Mitgliedschaft z.B. von ihren Großeltern geschenkt bekommen haben und dann wegziehen, hat der Verein am Ende effektiv mehr eingenommen. Wenn ihr in eurem Verein also eine hohe Fluktuation habt, lohnt es sich. Gleichzeitig könnt ihr aber auch so die Bindung erhöhen, weil die Motivation des Wechsels zu einem anderen Verein deutlich geringer ist. Auch kann man das finanzielle Risiko senken, indem man sagt, dass zwar die Mitgliedschaft nur einmal gezahlt werden muss, aber der Abteilungsbeitrag weiterhin normal erhoben wird, wenn es diesen bei dir gibt.

Weitere Tipps aus dem Profisport

Wenn dein Verein sowieso darüber nachdenkt das Mitgliedermanagement umzugestalten, überprüft auch einmal eure Zahlarten. Viele Vereine setzen auf die SEPA-Lastschrift, doch diese hat den Nachteil, dass es immer wieder Mitglieder gibt, wo sie platzt oder zurückgezogen wird. Das schafft neben zusätzlichen Aufwand auch zusätzliche Kosten. Überlegt deshalb, ob es für euch sinnvoll sein kann, auf sichere Zahlarten, wie Kreditkarten, PayPal oder Klarna umzusteigen. Abhängig von der individuellen Vereinssituation muss man hier vorher prüfen, ob es eine Ersparnis gibt.
Der zweite Tipp betrifft den Vertragsabschluss der Mitgliedschaften. Häufig werden diese noch ausgedruckt, unterschrieben und beim Verein eingereicht. Das ist für den Verein zwar rechtssicher, aber zum einem werden die wenigsten Vereine offene Mitgliedsbeiträge aufgrund der Kosten zum Anwalt geben, zum anderen werden gerade potentielle Fördermitglieder außerhalb eurer Region abspringen, wenn sie feststellen, dass sie den Antrag jetzt auch noch zum Briefkasten bringen müssen. Deswegen lasst eure Mitgliedsbeiträge online ausfüllen und „unterschreiben“, das macht auch im Sinne der zunehmenden Digitalisierung der Vereine Sinn. Falls ein Mitglied dann nicht zahlt, lasst ihr es einfach wieder austreten. Für viele andere potentielle Mitglieder ist der Beitritt aber deutlich niederschwelliger und ihr generiert somit mehr Einnahmen.

Wir hoffen wir konnten dir wieder einige Inspirationen liefern, wie du deinen Verein strategisch ausrichten kannst. Wenn du Fragen z.B. zur lebenslangen Mitgliedschaft hast, dann schreibe uns gern eine E-Mail an info@vereinsstrategen.de. Wir freuen uns von dir zu hören.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Cleveres Fundraising für deinen Verein

Cleveres Fundraising für deinen Verein

Fundraising

Viele Fallstricke lauern

 

In diesem Beitrag geht es um die Vorstellung der entscheidenden Grundlagen, wenn es um das Thema Fundraising geht. Den Begriff „Fundraising“ hast du bestimmt schon einmal gehört, aber wenn jemand einen fragt, worum es dabei geht, fällt die Antwort nicht so leicht. Grundsätzlich handelt es sich immer um die Sammlung von Spenden. Diese Spenden können die Form von Geld-, Sach- und Zeitspenden haben. Ehrenamtliche Arbeit ist z.B. immer eine Zeitspende. Der Grund, wieso gespendet wird, kann in zwei Bereiche eingeteilt werden:

  • Es handelt sich um ein zeitlich begrenztes Projekt. Dies ist die Einsteigerversion des Fundraising.
  • Es handelt sich um eine Gesamtstrategie zur kontinuierlichen Generierung von Spendengeldern.

Ein Beispiel aus dem Fundraising-Alltag

Auch wenn Fundraising zu Beginn einfach wirkt, kann man in diesem Bereich viel falsch machen. Ich will mit einem Beispiel in das Thema starten, welches bestimmt einige schon mal erlebt haben. Man ist schnell auf dem Weg zum Bahnhof, weil man nach der erledigten Arbeit seinen Zug nicht verpassen möchte. Doch direkt vor dem Eingang steht ein Stand einer Hilfs- oder Umweltorganisation und sie sprechen euch an:
„Sie lieben doch die Natur. Sie wollen uns doch sicherlich unterstützen. Wir brauchen ihre Spende, um den malaysischen Tiger zu retten und die Zerstörung des Regenwaldes aufzuhalten“.

Jetzt überlege einmal, hättest du in dieser Situation gespendet? Es war laut und hektisch, ich war gestresst bzw. hatte Zeitdruck und vor allem war ich nicht darauf vorbereitet, dass jetzt ein Verkaufsgespräch mit mir geführt wird. Auch verstehe ich nicht, warum ausgerechnet ich, für den Tiger spenden soll. Ich bin doch gar nicht die Zielgruppe. Schließlich habe ich ganz andere Lieblingstiere. Aber was mich besonders stört, ist die Ansprache. Es wird gesagt „Wir“ – also wir als Organisation brauchen Geld. Dieses „Wir“ ist ein ausgrenzendes „Wir“. „Wir“ – als geschlossene Organisation – wissen am besten, wie man mit deinem Geld umgeht. Dieses „Wir“ beschreibt alleine die Perspektive der Organisation, schließlich sollst du mit deinem Geld ein Problem unserer Organisation lösen. Richtig wäre die Nutzung eines gemeinsamen „Wir“ im Sinne von wir schaffen das zusammen bzw. zusammen sind wir stark.
Was ebenfalls wichtig ist bei der Ansprache, ist die gezielte Konzentration von Informationen. Ziel sollte sein, in 30 Sekunden meinem Gegenüber zu erklären, was ich von ihm möchte und warum ich es möchte, so überzeugend, dass er am Ende spendet. Dies wurde in unserem Beispiel gemacht, wenn auch nicht so charmant, wie ich es erwarten würde.
Ich glaube, du verstehst, wie schwer es sein kann erfolgreich Fundraising durchzuführen, aber wie einfach man Dinge auch verbessern kann. Aber eines ist auch klar. Fundraising ist harte Arbeit und bevor du ein „Ja“ hörst, bekommst du sicherlich 99 Mal ein „Nein“.

Die Fundraising-Grundlagen

Beziehen wir doch im nächsten Schritt Fundraising auf den Breitensport und zu Beginn nur auf ein einzelnes Projekt. Im Verein gibt es eigentlich immer etwas, wofür Spenden benötigt werden, z.B.:

  • Neue Trikots für die Handballmannschaft
  • Erstausrüstung mit Materialien für Kinder aus sozial schwächeren Schichten
  • Renovierung des Vereinsheims
  • Neue Sportgeräte etc.

Wir nehmen uns jetzt einmal das Beispiel Renovierung des Vereinsheimes heraus, weil es ein größeres und vor allem kostenintensiveres Thema ist. Aber auch ein Thema, was für das Fundraising aus unserer Sicht sehr geeignet ist, denn man kann sowohl Sach-, Geld- oder Zeitspenden dem Verein zugutekommen lassen. Die Botschaft bei der Fundraising-Ansprache sollte sein: „Wir schaffen gemeinsam etwas neues, positives. Etwas, was danach für alle sichtbar ist.“
In unserem Fall heißt das, wir verwandeln ein altes Vereinsheim in ein neues, wo wir uns gemeinsam wohlfühlen können und Gäste bzw. Helfer immer willkommen sind. Dies Aussage wird auch durch den regionalen Bezug des Projekts noch verstärkt und wird damit auch als Leuchtturmprojekt Beachtung bei den lokalen Medien finden.

Wenn du ein solches Thema angehen möchtest, musst du dir natürlich zuerst Gedankenüber die Planung machen. Zu Beginn solltest du die Ziele definieren:

  • Was soll im Vereinsheim neu gemacht werden?
  • Welche Anforderungen an die Personen gibt es, die sich ehrenamtlich engagieren wollen?
  • Wie viel Geld benötige ich? Welche Sachspenden benötige ich?
  • Wie sieht der zeitliche Ablauf aus?
  • Wann soll die Spendensumme erreicht sein?
  • Welche Aktionen flankieren den Spendenaufruf? Kann man z.B. einzelne Gegenstände kaufen und dem Inventar spenden oder willst du lieber ausschließlich Geld haben?

Als nächstes musst du dich natürlich fragen, wen spreche ich denn überhaupt für eine Spende an. Statistisch gesehen, sind Frauen über 65 Jahre, welche alleinstehend sind, am spendabelsten. Doch ob dieser Spendertypus zu dir passt, hängt von der Art deines Projektes und deines Vereins ab. Ältere Personen können dich sicherlich finanziell unterstützen, ggf. auch mit ihrem guten Netzwerk. Studenten können eher ihre Arbeitskraft bzw. ihr handwerkliches Geschick einbringen, um dir zu helfen. Die Herausforderung ist, dass du deine Zielgruppe sehr genau kennen solltest. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie mitmachen. Überlege dir bei der jeweiligen Zielgruppe, wie die entsprechende Ansprache erfolgen sollte (persönlich, Brief, etc,). Verlasse dich aufgrund der Komplexität von Zielgruppenanalyse am besten auf eure Erfahrungen bzw. testet verschiedene Sachen einfach an. Je nach Erfolg oder Misserfolg passt ihre eure Zielgruppen entsprechend an.
Bei deinen Vereinsmitgliedern ist das wahrscheinlich noch recht einfach mit der Ansprache. Diese siehst du regelmäßig und kannst sie über das Vorhaben informieren. Der nächste Schritt wäre, die Netzwerke deiner Mitglieder zu nutzen. Lass sie Freunde, andere Sportler oder Arbeitskollegen ansprechen. Diese wirken dann durch das Weitererzählen deines Vorhabens als Mulitplikatoren. Hier hilft es, wenn du bereits einen entsprechenden Ehrenamtsbeauftragten im Verein installiert hast, weil das bei einem solchen Projekt deine Arbeit erleichtert, um die entscheidenden Personen mit den wichtigsten Kontakten anzusprechen. Und denke daran – erstelle die Spendenbescheinigungen für deine Unterstützer proaktiv, sie sollen dein Projekt zu keinem Zeitpunkt mit negativen Empfindungen verbinden.

Fundraisingaktion zur Schaffung von Aufmerksamkeit

Um aber weitere Personen zu werben, welche nicht in direkter Verbindung mit deinem Verein stehen, empfehlen wir eine öffentlichkeitswirksame Aktion zu starten. Hier gilt die einfach Formel: „Je kreativer je besser“. Dadurch kannst du Spendengelder oder die Arbeitskraft von Dritten einwerben. Lasst dich dabei ruhig durch andere Aktionen inspirieren, aber kopiere diese nicht einfach. Es muss zum Verein und eurem eigentlichen Ziel passen. Der Spenden-Schülerlauf in der 1.000 Auflage ist sicherlich nicht wirklich wirkungsvoll. Wichtig ist bei der Aktion, dass ihr eine Geschichte erzählt und den Mitgliedern und Unterstützern den Zweck der Spende darüber näher bringt und ihnen visualisiert, wie es sich anfühlt, wenn ihr das Spendenziel erreicht.
Eine Fundrainsingaktion kann eine Minute, einen Tag, aber auch mehrere Wochen sein, je nachdem, was ihr euch im Verein vorstellen könnt. Wichtiger als die Dauer ist die Leistung, die bei der Aktion erbracht wird. Hier gilt, je außergewöhnlicher die Leistung desto mehr Resonanz werdet ihr bekommen. Das macht es euch auch leichter, diese Aktion entsprechend in der Presse oder im Internet zu platzieren. Spinnt hierfür eine Geschichte um die Aktion, also:

  • Warum gibt es diese Aktion?
  • Welche spannenden Schritte in der Vorbereitung kann man dokumentieren?
  • Gibt es eine Spendenuhr auf eurer Webseite?
  • Gibt es für die Aktion ein eigenes Branding bzw. eine eigene Marke?
  • Gibt es einen Livestream der Aktion? Kann man später noch Videos, Bilder und Beiträge in den Social Mediaprofilen und auf der Webseite abrufen?
  • Präsentiert ihr nach der Aktion den Erfolg der Spenden? Sieht man also regelmäßig die Entwicklung des Vereinsheims?

Wenn du feststellst, dass die Aktion ein voller Erfolg war und du ein eigenes Branding geschaffen hast, lasse diese Marke nicht fallen. Das ist der erste Schritt Fundraising fest in deinen Verein zu implementieren. Dies macht immer dann Sinn, wenn ihr regelmäßig, in abgewandelter Form Spenden eintreibt, allerdings ohne ein konkretes Projekt. Dies ist für einen Sportverein sicherlich nicht der übliche Weg, aber durchaus überlegenswert. Diesem Thema werden wir uns aber sicherlich in einem anderen Beitrag noch einmal näher widmen. Bis dahin wünschen wir dir viel Erfolg bei deinem nächsten Fundraisingprojekt. Wir würden uns freuen, davon zu erfahren.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

 

Capacon – Die Lösung für eine bessere Hallenauslastung

Capacon – Die Lösung für eine bessere Hallenauslastung

Sportstätten

30% Unterauslastung – leider Realität

 

In diesem Beitrag möchten wir dir ein junges Start-Up aus der Nähe von Koblenz vorstellen. Capacon hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Auslastung der Sporthallen in Deutschland zu optimieren. Da sind wir als Vereinsstrategen natürlich hellhörig geworden, da jeder Sportverein in Deutschland wahrscheinlich dieses Problem kennt:

„Deine Abteilung möchte eine neue Gruppe eröffnen, weil das Kindertraining schon aus allen Nähten platzt und der Verein schon Kinder auf der Warteliste hat. Und dann merkst du beim Blick in den Hallenplan, dass gar keine freien Zeiten mehr existieren. Dabei kommt die Gruppe vom TSV am Mittwochnachmittag doch schon seit 2 Jahren nicht mehr regelmäßig und warum brauchen die 4 Tänzer am Montag eigentlich für 3h die ganze Halle?“

Du nickst jetzt wahrscheinlich zustimmend. Deswegen haben wir uns die beiden Gründer Sophia Haski und Prof. Dr. Lutz Thieme in den Podcast zum Interview eingeladen. Die beiden erklären uns, wie die Sportstättensituation in Deutschland aussieht, was die Probleme sind und wie sie denken, dass Capacon diese Probleme lösen kann. Bei dem Beitrag handelt es sich um eine Zusammenfassung der Podcast-Folge.

Sophia Haski arbeitet aktuell neben ihrem Job als Geschäftsführerin der Capacon GmbH noch an der deutschen Sporthochschule in Köln. Dort hat sie zum einem einen Lehrauftrag für Management, Führung und Innovation, zum anderen unterstützt sie junge Start-Ups aus dem Sportbereich als Gründungsberaterin bei der Umsetzung ihrer Idee. Sie ist studierte Sportmanagerin.

Prof. Dr. Lutz Thieme hat als Sportwissenschaftler einen Lehrauftrag an der Hochschule Koblenz. Er hat jahrelange Erfahrungen in als Vorsitzender eines Großsportvereins und war sogar schon Präsident des Landessportbundes Rheinland-Pfalz. Er hatte die Ursprungsidee zu Capacon und ist ebenfalls Geschäftsführer.

Sportstättensituation in Deutschland

Wenn man über die Sportstättensituation sprechen möchte, muss man auch zurück in die Vergangenheit blicken. In den 70er Jahren wurden durch den „Goldenen Plan“ viele Sportstätten gebaut. Doch leider sind diese nicht so pfleglich behandelt wurden, wie man es mit öffentlichen Eigentum eigentlich tun sollte. Die Folge daraus – die Sportstätteninfrastruktur ist in die Jahre gekommen. Einige Kommunen haben inzwischen begonnen, sich dem Sanierungsstau anzunehmen.
Dies macht aber diverse Entscheidungen notwendig:

  • Welche Halle wird dauerhaft geschlossen?
  • Welche Halle wird durch einen Neubau ersetzt?
  • Welche Hallen brauche ich überhaupt?
  • Wie muss eine Sportstätte bzw. Sporthalle beschaffen sein? Was sind die heutigen Anforderungen?
  • Welche Halle wird zuerst saniert?
  • Wenn ich eine Halle saniere, wohin mit den Sportgruppen in der Zwischenzeit?

Ein Hauptproblem stellt dabei das veränderte Nutzungsverhalten dar. Die Hallen waren auf etwa 30 Jahre ausgelegt und in dieser Zeit hat sich der Konsum von Sportarten stark verändert und damit auch die Anforderungen an die Hallen. So wurden vor 20 Jahren vor allem normierte Flächen benötigt, heute müssen Hallen und der Sportstättenbau an sich flexibler in der Nutzung sein. Vor allem Schwimmbäder stehen deswegen vor einer Umbruchphase. Darüber hinaus muss man sich auch die Interessensgruppen für die Nutzung der Hallen anschauen. Das sind:

  • Der Vereinssport
  • Der Schulsport
  • Der freie Sport

 Grundsätzlich war und ist die Entstehung einer Halle stark an den Schulstandort geknüpft. Das heißt, wo eine Schule ist, ist zur Durchführung des Schulsports meistens auch eine Sporthalle. Aber auf die gesellschaftlichen Veränderungen, wie der demographische Wandel oder die Wanderungsbewegungen in Deutschland beeinflussen den Bedarf von Sportstätteninfrastruktur. Wenn früher junge Leute in ein Stadtviertel gezogen sind, war der Bedarf nach schulischer Bildung für den Nachwuchs und damit auch Sporthallen hoch. Aber wenn das Stadtviertel mit seinen Bewohnern über die Zeit altert, ändern sich auch die Anforderungen bzw. der Bedarf an die Sportstätteninfrastruktur. In andere Viertel ziehen dagegen heutzutage vor allem junge Leute zu, hier fehlen dann ggf. noch Schulsporthallen. Man sieht also, dass die Schulentwicklungsplanung und Hallenplanung eng miteinander verknüpft sind. Falls Hallen recht wenig von Schulen genutzt werden, etabliert es sich deswegen immer mehr die Trägerschaft auf etablierte Vereine zu übertragen.

Auslastungsprobleme und Wachstumshemmnisse für Vereine

Für Vereine, welche aufgrund ihrer angebotenen Sportarten auf Hallen angewiesen sind, sind die fehlende Hallenzeiten einer der limitierenden Faktoren in ihrer Entwicklung. Sie können deswegen nicht so wachsen, wie sie wollen, weil entweder die Sportstätteninfrastruktur es nicht ermöglicht oder es die aktuelle Planbelegung nicht hergibt. Die Fragen nach der Auslastung, also warum sind Hallen leer oder zu gering ausgelastet, und der Abweichung zwischen Real- und Planbelegung wurden bisher zu wenig diskutiert.
Meist ist die einzelne Sporthalle in der Hand der jeweiligen Kommune. Aktuell gibt es in Deutschland rund 30.000 Sporthallen. Der Kommune obliegt es, die Auslastung festzustellen. Dies wird meist über Strichlisten abgefragt. Dies ist sicherlich keine wirklich valide Messung.
Erschwerend kommt jetzt noch hinzu, dass Kommunen Hallennutzungsrechte kostenfrei oder zu einer sehr geringen Gebühr überlassen. Hier stoßen wir dann vermehrt auf folgendes Problem. Wenn ein Verein eine Hallenzeit hat, diese aber sehr wenig nutzt, diese Halle bei ihm aber auch keine wesentlichen Kosten verursacht, welche Motivation hat er dann einer Kommune mitzuteilen, dass er die Halle nicht sinnvoll auslastet? Eine Untersuchung der Uni Saarland hat z.B. herausgefunden, dass es bei denen von ihr untersuchten Sporthallen eine Unterauslastung von 30% gab. Man kann aus dieser Untersuchung aber (noch) keine Rückschlüsse ziehen, dass jetzt alle Hallen in Deutschland in dieser Größenordnung unterausgelastet sind, es kann weniger oder sogar mehr sein. Nur um das einmal in einer vereinfachten Rechnung zu verdeutlichen, was das eigentlich bedeutet, haben wir einmal ein Beispiel konstruiert. Sagen wir in einer Stadt mit 100 Sporthallen gibt es pro Halle 10% Unterauslastung. Das bedeutet aber im Umkehrschluss auch, wenn ich die Auslastung optimiere, könnten theoretisch 10 Hallen geschlossen werden oder es könnten 10% mehr Leute Sport machen. 

Die Lösung von Capacon – 3D-Sensorik

Das Problem, dass es keine validen Daten für die Auslastung gibt und bisher keine Möglichkeit der validen Messung, war das Grundproblem, welches Capacon lösen wollte. Sie verfolgen den Ansatz, über 3D-Sensorik die Auslastung datenschutzrechtlich unbedenklich zu erfassen und damit auch das Energiemanagement mit einem Regelsystem für Gebäudetechnik zu optimieren. Über diese 3D-Sensorik wird jeder Sporttreibende in der Halle als Person erkannt, erfasst und ausgewertet. Die Zielgruppen für ein solches System sind entweder die Kommunen oder Großsportvereine mit eigenen Hallen.
Aktuell hat Capacon zwei Pilotprojekte einmal für eine 3-Felder- und eine 1-Felder-Halle laufen, welche allerdings wegen der Coronapandemie und den dadurch entstandenen Hallenschließungen noch nicht abgeschlossen werden konnten. In diesen Projekten werden noch finale Fragen geklärt, getestet und eingestellt:

  • Wie kann man eine Halle unterteilen?
  • Hat die Halle eine Tribüne für Zuschauer?
  • An welcher Stelle kann man das Spielfeld denn betreten?
  • Wie gehen Personen aus der Halle rein und raus?

Die Gründer sagen, dass dies nur noch Kleinigkeiten sind und das System an sich einwandfrei funktioniert und es somit bereits final praxistauglich ist.

Die Leistung von Capacon ist zweiteilig aufgebaut. Zum einem bekommt man beim Einbau eines solchen Systems periodisch eine Info über die Belegung der Halle. Der zweite Punkt ist aber die Beratung. Hinter Capacon steht kein Algorithmus, welcher ausrechnet, wie die optimale Auslastung wäre, weil dies auch realitätsfremd in der praktischen Umsetzung wäre und am Ende zur Auflösung diverser Sportgruppen führen würde. Die Beratung beginnt mit der Aufklärung über die Technik, damit sich keiner überwacht fühlt und um vorher klar aufzuzeigen, was der Sinn hinter der Einrichtung der Sensoren ist. Im zweiten Schritt und nach der Ermittlung der Daten erfolgt die Beratung zur Optimierung. Hier muss Rücksicht genommen werden auf die über die Jahre gewachsenen Strukturen und die Interessen der diversen Parteien. Diese Parteien müssen, um so ein Projekt erfolgreich zu gestalten, auf Grundlage der Ergebnisse entsprechend abgeholt und mitgenommen werden. Als Ergebnis dieses Prozesses sollten dann bessere Hallenbelegungspläne entstehen.

Capacon wurde für seinen innovativen Ansatz schon im Businessplan-Wettbewerb „1,2,3 GO“ entsprechend ausgezeichnet. Wer Interesse hat, kann das Capacon-Team gerne unter www.capa-con.de kontaktieren. Bzgl. der Kosten ist bei der Erstanschaffung der Sensorik mit einem höheren Fixkostenbetrag zu rechnen, welcher sich über die Laufzeit aber amortisiert. Die variablen monatlichen Kosten sind überschaubar.

Wir hoffen, dass wir dir mit diesem Beitrag einen guten Einblick in den aktuellen Stand der Sportstätteninfrastruktur in Deutschland geben konnten. Wenn ihr das Gefühl habt, dass es in den Hallen, die eurer Verein nutzt, eine hohe Unterauslastung gibt, dann sprecht eure Kommune an und stellt ihnen Capacon einmal vor. Vielleicht ist das der 1. Schritt damit du mehr Hallenzeiten bekommst und dein Verein weiter wachsen kann.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)