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So wird dein Verein eine regionale Marke

So wird dein Verein eine regionale Marke

Positionierung

Was ist dein Markenversprechen im Verein?

 

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, ob dein Verein eigentlich eine Marke ist? Wir alle verbinden etwas mit dem Begriff „Marke“, doch den meisten Personen sind die vielfältigen Facetten einer Marke und deren Wirkungsweise nicht klar. Deswegen wollen wir dir in diesem Artikel erklären, worauf du bei einer Marke achten musst, was sie mit deiner Positionierung zu tun hat, was die 4-W-Fragen sind und geben zum Abschluss noch praktische Handlungsempfehlungen.

 

Die Wirkungsweise einer Marke

Grundsätzlich ist es so, dass wir in unserem Alltag Werbung und Marken unterbewusst aufnehmen. Mit jeder Marke verbinden wir meist auch ein Markenversprechen. Wenn du dieses Shampoo kaufst, bekommst du keine Schuppen mehr oder wenn du zu Bayern München ins Stadion gehst, erlebst du erfolgreichen Fußball und mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit auch einen Sieg. Im Prinzip ist das Markenversprechen fast identisch zu eurer Vereinspositionierung. Falls du noch nicht unseren Artikel oder die Podcastfolge zum Thema Positionierung gehört hast, klicke jetzt hier. Eine gute Positionierung ist die Grundlage für die Entwicklung einer Marke, deswegen solltest du dich mit dem Thema dringend beschäftigen.

Aber kommen wir wieder zurück auf den Begriff „Markenversprechen“. Beispiele für einen Verein könnten sein:

  • Ihr bekommt qualitativ hochwertiges Training in unserem Verein
  • Man kann den Mitgliedsbeitrag als ehrenamtliche Arbeit leisten (Bsp aus der Praxis: Linden Dudes)
  • In unserem Verein bleibt ihr fit bis ins hohe Alter (für einen Verein mit Gesundheitssport)

Damit wir dieses Markenversprechen auch mit der Marke assoziieren, besteht sie meist aus unterschiedlichen Bestandteilen. Bei einem Breitensportverein könnte dies folgendermaßen aussehen:

  • Logo/Vereinswappen – Dies hat jeder Verein.
  • Corporate Identity, also wie man in der Außendarstellung auftritt. Dies haben die meisten Vereine unbewusst, weil sie „Vereinsfarben“ haben, welche immer wieder in der Präsentation des Vereins nach außen auftauchen. Der Begriff umfasst aber z.B. auch eine identische Schriftart im Verein oder identische E-Mailsignatur bei den Ehren- und Hauptamtlern. Sicherlich muss man als Verein nicht alles aus der „Industrie“ umsetzen, aber man sollte sich darüber bewusst werden, wie der Auftritt wirkt.
  • Weiterhin sollte es einen Leitspruch/ein Motto/Slogan geben. Dies haben nicht viele Breitensportvereine. Das Motto sollte aber zum Markenversprechen passen . Bei Werder Bremen ist z.B. das Motto „Lebenslang grün-weiß“. Das bedeutet, als Mitglied gibt es für dich vom Anfang bis zum letzten Tag  einen Platz und ein Angebot im Verein. Ein Motto ist aus unserer Sicht immer sinnvoll, um eure Positionierung zu nach außen zu präsentieren.

Aber  nur weil du ein Logo und ein Motto hast, ist es noch keine Marke. Hier kommt der Begriff des „Markenwissens“ ins Spiel. Wenn du einer Person auf der Straße, dein Logo zeigst und sie weiß, was das ist, dann reden wir von der „Erkennung der Marke“. Die Steigerung wäre, du gehst zu einer Person und fragst, wer ist der beste Tischtennisverein in deiner Region . Dann können drei Dinge passieren:

  • Sie weiß es nicht.
  • Sie sagt einen anderen Verein.
  • Sie nennt euch.

Wenn sie euch nennt, dann seid ihr bei dieser Person mit der Positionierung durchgedrungen, Diese Tatsache bei möglichst vielen Leuten bzw. in der Zielgruppe im Kopf zu erzeugen, ist das Ziel von deiner Marke. Du wirst also erkannt und unterscheidest dich mit deinen Eigenschaften subjektiv von den anderen Vereinen in deiner Region.

Dies ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, weil es die Wahrnehmung eurer Pressearbeit steigert und euch die Arbeit mit vielen Personengruppen erleichtert. Durch Empfehlungen bekommt ihr mehr Mitglieder, mit einem sozialen Engagement mehr Spender, Sponsoren lassen sich leichter überzeugen und auch für die Gewinnung von Geldern von der öffentliche Hand ist es von Vorteil, bekannt zu sein und für etwas bestimmtes einzustehen.

Dies funktioniert allerdings nur, wenn dein Verein drei Dinge zur Markenbildung unbedingt beachtet:

  • Die Menschen assoziieren oder sollen etwas mit deinem Verein assoziieren. Sorge dafür, dass es die positiven Eigenschaften sind, die du im Verein haben möchtest. Versuche Handlungen von einzelnen Personen, die diese Eigenschaften gefährden könnten, zu verhindern.
  • Ihr müsst in eurer Marke und Positionierung unterschiedlich zu anderen Vereinen sein und dürft nicht einfach kopieren.
  • Marken funktionieren nur, wenn Menschen sich damit auch identifizieren. Eure Mitglieder werden das wahrscheinlich, sonst hättet ihr auch keine Ehrenamtler. Fans, die zu Spielen oder Wettkämpfen gehen tun das auch. Aber auch die Politik kann sich mit einem Sportverein identifizieren, wenn ihr euch beispielsweise um Integrationsprojekte kümmert. Jede Person, welche sich mit euch identifiziert ist sehr wertvoll, weil er gleichzeitig unbewusst als Markenbotschafter auftritt und somit eurer Markenversprechen vervielfältigt.

 

Die 4-W-Fragen für deine Marke

Du musst dir im Verein überlegen, wo die Berühungspunkte mit deiner Zielgruppe sind, die du für deinen Verein bzw. deine Marke begeistern willst. Dabei kann die Zielgruppe Mitglieder, Fans, potentielle Mitglieder oder auch Sponsoren sein. Jede dieser Gruppen und auch innerhalb dieser Gruppen braucht es ganz unterschiedliche Berührungspunkte z.B. in Abhängigkeit vom Alter und vom Geschlecht. Diese Berühungspunkte kann man mit den W-Fragen ermitteln, welche wir dir jetzt einzeln vorstellen:

Wer

  • Wer ist die Zielgruppe in meinem Verein?

Dies ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn es kommt sehr auf deinen Verein an. Bei einem Einspartenverein ist die Zielgruppe meist deutlich homogener als in einem Mehrspartenverein, welcher unterschiedliche Altersgruppen, Sportarten, etc. anspricht. Als Verein musst du allerdings deine Zielgruppe kennen, weil jede über andere Berührungspunkte angesprochen werden muss. Niemand wird bestreiten, dass man Kinder, Eltern oder Senioren unterschiedlich erreichen kann.

Wo?

  • Wo erreiche ich meine Zielgruppe

Wenn du deine Zielgruppen bestimmt hast, ist der zweite Schritt zu überlegen, wo diese sich aufhalten. Hier hilft es, einmal den wahrscheinlichen Tagesablauf nachzuzeichnen und die Berührungspunkte festzustellen. Kinder könnten z.B. über den Schulunterricht oder Freunde, welche schon im Verein sind, in Kontakt mit deinem Verein kommen. Senioren erreichst du wahrscheinlich besser über einen Flyer im Briefkasten oder eine Einladung zum Vereinsfest.

Grundsätzlich kann man sagen, dass junge Menschen sich viel im digitalen Raum (Soziale Netzwerke, etc.) aufhalten. Die möglichen Berührungspunkte sind dort also sehr hoch und durch Algorithmen können diese inzwischen auch sehr zielgenau ausgesteuert werden (Alter, Region, Geschlecht, etc.). Umso älter die Personen werden, umso besser ist, es analoge Berührungspunkte zu nutzen.

Auch muss man unterscheiden, ob die Personen aktiv oder passiv auf der Suche sind. Wenn man passiv auf der Suche ist, muss man mit der Marke und den Maßnahmen so stark emotionalisieren, dass man sofort Lust bekommt da mitzumachen. Ein gutes Beispiel sind Sportveranstaltungen. Geht einmal z.B. auf die Webseite vom Ironman – da kommt als erstes ein emotionales Video, wo man Lust bekommt selber daran teilzunehmen.

Wann

  • Wann spreche ich meine Zielgruppe an?

Damit ist gemeint, welchen Wissenstand hat die einzelne Person und wie muss sich sie dann individuell ansprechen? Wir machen das jetzt einmal am Beispiel eines potentiellen Mitgliedes.

  1. Kennt die Person die Sportart? Ist die Sportart erklärungsbedürftig? Denken wir z.B. an Sportarten wie Futsal oder Crossgolf. Aber auch bei Sportequipment wie z.B. beim Rennrad sollte viel erklärt werden. Hier bieten sich z.B. YouTube-Videos an, wo solche Sachen erklärt werden können von Personen aus eurem Verein. Das schafft dann auch schon eine erste emotionale Verbindung zum Verein, ohne dass die Person aktiv zu euch fahren müsste. Unterstützt werden kann dies zu einem späteren Zeitpunkt durch das Angebot von Probetrainings.
  2. Kennt sie Vereine oder andere Angebote, wo sie die Sportart ausüben kann? Hier fehlt dann offensichtlich das Markenwissen über euren Verein und nicht über den Sport. Preist eure Positionierung und deren Vorteile an, damit sie sich nicht für den Konkurrenzverein entscheidet.
  3. Die Person kennt euren Verein und findet das Angebot gut. Jetzt muss der Verein ihr den Einstieg so sanft wie möglich gestalten. Das umfasst die Möglichkeit für ein Probetraining, eine unkomplizierte Online-Anmeldung oder auch eine gute Erreichbarkeit bei Rückfragen.
  4. Macht die Person final zum Fan und damit, ohne dass sie es weiß, zum Markenbotschafter. Markenbotschafter erzählen positiv über euren Verein, posten aus Überzeugung bei Social-Media Vereinsthemen und engagieren sich wahrscheinlich auch ehrenamtlich. Solche Botschafter gewinnen dann am Ende neue Personen für den Verein.

Warum

  • Warum möchte die Zielgruppe zum einem Sport machen bzw. ausgerechnet bei euch im Verein sein?

Hier kommen wir wieder zu einem Punkt vom Anfang des Beitrags zurück – dem Markenversprechen. Am Ende muss das Markenversprechen zur Zielgruppe und zur Positionierung passen. Schauen wir uns das einmal für einen Selbstverteidigungskurs für Frauen  an. Die Positionierung muss eine hohe Ausbildungsqualität sein, damit die Frauen sich nach dem Kurs verteidigen können. Das Markenversprechen könnte z.B. lauten: „Du musst nie wieder Angst nachts auf der Straße haben, denn du kennst Techniken, um dich zu verteidigen“. Wenn du feststellst, das das Markenversprechen nicht zu eurer Zielgruppe passt, dann ist eure Positionierung eventuell nicht optimal. 

 

Markenkommunikation in der Vereinspraxis

Am Ende ist die Kommunikation einer Marke natürlich sehr individuell vom Verein abhängig. Trotzdem wollen wir dir mit diesen praktischen Beispielen zu den verschiedenen Punkten, die wir vorgestellt haben, einmal Ideen mitgeben, wie eine praktische Umsetzung im Verein aussehen könnte.

  • Das Markenversprechen kommuniziert ihr zum einem durch die Handlungen im und außerhalb des Vereins nach außen. Seid ihr ein Verein mit dem Schwerpunkt Integration, dann solltet ihr euch auch bei Integrationsthemen engagieren. Die Marke z.B. in Form des Logos, ist nur das visuelle Symbol für eure Handlungen, welches Personen später mit euch assoziieren sollen.
  • Ein Slogan kann die Kommunikation erleichtern, weil neben einer Bildinformation noch eine inhaltlich starke Information hinzukommt. „SV Musterstadt – Der Integrationsverein/Vielfalt ist bunt“
  • Mitglieder, Freiwillige und Fans identifizieren sich stark mit dem Verein. Sie sind quasi freiwillige Markenbotschafter. Gebt ihnen Möglichkeiten das nach außen auch zu zeigen. Das geht bei einem Sticker auf dem Auto los, über Trainingsklamotten bis zur Unterstützung auf Social Media indem sie Beiträge des Vereins verlinken und einen Kommentar schreiben, wie: „Das war heute wieder supercool. Danke“
  • Ihr müsst das Thema glaubhaft leben und euch dafür stark machen. Ansonsten bist du nicht authentisch und das Handeln des Vereins wirkt nicht schlüssig.
  • Versucht für interne und externe Personen eure Marke erlebbar zu machen. Das geht am besten über den persönlichen Kontakt bei Vereinsfesten, Probetrainings, beginnt allerdings auch schon bei dem positiven Erlebnis auf deiner Webseite.
  • Wenn es möglich ist, versucht einen Katalog aufzustellen, wie ihr die Marke kommunizieren wollt, also was sind die Mindeststandards, die ihr vereinheitlichen wollt. Dazu gehört z.B. einheitliches Briefpapier, einheitliche Sportkleidung, E-Mail-Signatur aber auch einheitliche Prozesse, so dass für alle Mitglieder und Zielgruppen das Vereinserlebnis identisch ist.
  • Versucht Mitglieder und Interessierte zielgerichtet anzusprechen. So kann man mit einer guten Mitgliederverwaltungssoftware durchaus zielgenaue E-Mails senden: „Wenn Kurs A interessant war, dann könnte auch Kurs B interessant sein.“. Kein Mensch möchte ein Markenerlebnis haben, wo er mit irrelevanten Informationen versorgt wird und irgendwann genervt, die Mails nicht mehr liest.
  • Versucht Content also Inhalte zu kreieren, die auch für Zielgruppen außerhalb eures Vereins interessant ist. Ihr bietet Babyschwimmen an. Dann wäre es vielleicht sinnvoll auch über Themen wie Schwangerschaft und Sport auf euer Webseite zu berichten.
  • Beachtet bei der Kommunikation die Diversität der Zielgruppen und ihre Berührungspunkte. Das wurde gerade bei den W-Fragen schon aufgezeigt. Aber überlegt euch genau, was bedeutet es für euch, wenn die Zielgruppe 3h am Tag bei Social Media verbringt. Dann ist ein Instgramm-Account und Vereinsinfluencer unverzichtbar. Bei Senioren ist ein klassischer Handzetteleinwurf wahrscheinlich effektiver.

 

Wie starte ich im Verein?

Im Beitrag über die Positionierung haben wir darüber gesprochen gehabt, dass man am besten eine kleine Gruppe die Positionierung einmal ausarbeiten lassen sollte. Da diese sich schon intensiv mit dem Thema beschäftigt hat, macht es Sinn, wenn Teile der Gruppe auf jeden Fall auch auf die Kreierung deiner Marke Einfluss haben.

Deswegen bildet am besten im Verein eine neue kleine Gruppe an Freiwilligen, die sich mit dem Thema Marke beschäftigen wollen. Diese sollten einmal die Inhalte der Podcastfolge/des Beitrags auf ihren Verein und die festgestellte oder gewünschte Positionierung übertragen. Meist wird schnell klar, wer die Zielgruppe ist und welche Markenbotschaft man nach außen tragen möchte. Hier könnt ihr gerne die kreativen Köpfe bei euch im Verein einbinden.

Als nächstes sollte man sich mit den Berührungspunkten beschäftigen. Hier würde wir einfach im Verein in der entsprechenden Zielgruppe einmal nach ihrem normalen Tagesablauf fragen. Meist ergeben sich dann neue Ansatzpunkte für mögliche Berührungspunkte. Und jetzt heißt es austesten! Kann dein Verein die Kommunikation so ausrichten, dass er genau dort so wahrgenommen wird, wie es geplant war?

Hinter so einer Marke und deren Kommunikation sollte natürlich der ganze Verein stehen. Deswegen stellt die Ausarbeitung den Mitgliedern vor. Macht klar, wie wichtig dieses Thema für den Verein ist und das jeder ein Teil dieses Projektes durch sein persönliche Handeln ist. Allerdings wird es Menschen geben, die nicht verstehen, wieso man jetzt einen Slogan und andere Veränderungen im Verein braucht. Versucht diese zu überzeugen, damit sie das „Markenversprechen“ nicht gefährden. Du wirst feststellen, dass es etwas dauern kann bis sich erste Erfolge einstellen. Schließlich muss sich Markenbekanntheit erst einmal entwickeln und von Menschen weitergetragen werden.

Wir hoffen, dass dir der Beitrag dabei hilft deine Marke im Verein zu entwickeln. In der Podcastfolge gehen wir auf einzelene Aspekte des Beitrags noch tiefer ein und stellen weitere Beispiele vor. Höre also gerne rein! Falls du Fragen oder Anmerkungen hast, würden wir uns über eine E-Mail an info@vereinsstrategen.de freuen. Wenn dir unsere Inhalte gefallen, würden wir uns über eine Weiterempfehlung in deinem Bekanntenkreis freuen.

 

Deine Vereinsstrategen

(Martin Schüttler)

 

Nie mehr Sponsoring und Spenden im Verein verwechseln!

Nie mehr Sponsoring und Spenden im Verein verwechseln!

Sponsoring

Graubereiche zwischen Spenden und Sponsoring

 

Spenden und Sponsoring sind zwei unterschiedliche Dinge. Du wirst mir aber nicht glauben, wie oft diese Begrifflichkeiten von Mitgliedern und Vorständen doch noch durcheinandergeworfen werden. Vor allem steuerlich kann dies größere Auswirkungen für deinen Verein und deine Mitglieder haben. Im Extremfall kann der Verein sogar seine Gemeinnützigkeit gefährden. Doch fangen wir von vorne an. An dieser Stelle müssen wir aber noch darauf hinweisen, dass wir keine ausgebildeten Steuerberater sind und wir somit keine steuerliche Beratung übernehmen können. Es handelt sich somit um Ideen, welche vor einer Umsetzung mit einem Steuerberater besprochen werden sollten.

Grundsätzlich kann man sich schon mal merken, dass Zuwendungen durch Sponsoren bzw. Unterstützer in allen vier Einnahmebereichen eines Vereins auftreten können.

Die vier Bereiche sind:

  • Einnahmen ideeller Bereich
  • Einnahmen Vermögensverwaltung
  • Einnahmen Zweckbetrieb
  • Einnahmen wirtschaftlicher Bereich

Auf die grundsätzlichen Unterschiede wollen wir jetzt nicht weiter eingehen, sondern schauen, wie die Bereiche von Sponsoring und Spenden berührt werden. Die Gefahr besteht im Grundsatz darin, dass die Begriffe Sponsoring und Spende von manchen Vereinsvertretern synonym verwendet werden:

„Wir haben die Trikots von der Bäckerei Müller gespendet bekommen.“

Ob es sich hierbei um eine Spende oder ein Sponsoring handelt, muss erst einmal geklärt werden. Wenn der Vereinsvertreter aber vorab der Bäckerei erklärt hat, dass sie dafür eine Spendenbescheinigung bekommt und er dann später zurückrudern muss und vielmehr erklärt, dass dieses Geld versteuert werden muss, ist das für die Beziehung mit dem Unterstützer nicht förderlich. Deswegen ist es ganz wichtig, dass die Vorstände, die Personengruppen Übungsleiter und Abteilungsleiter, aber auch potentielle Sponsoren und Spender über die Abgrenzungen informiert werden, bevor jemand einen Deal eingefädelt hat. Hier empfehlen wir viel interne Kommunikation, Info-Mails oder die Weiterleitung des Blogartikels bzw. der Podcast-Episode.

Spende – Ist doch klar, oder?

Grundsätzlich gibt es drei Arten von Spenden, die Geld-, Sach- oder Aufwandsspende und diese gehören alle in den ideellen Bereich. Eine Spende zeichnet sich dadurch aus, dass es keine Gegenleistung vom Verein gibt. Deswegen zählt der Verzicht eines Ehrenamtlers auf den Ersatz von Aufwendungen (Fahrtkosten, Aufwandpauschale), die ihm ggf. laut Satzung zustehen auch dazu. Dieser Verzicht muss er aber unbedingt freiwillig erfolgen. Dokumentiert die Grundlage des Verzichts am besten schriftlich, damit ihr eurer Buchhaltung einen Beleg für die Spende geben könnt.
Während die drei Spendenarten steuerlich berücksichtig werden können, ist es bei der Zeitspende nicht so. Hier darf also keine Spendenbescheinigung ausgestellt werden. Für ggf. verwendetes eigenes Material während eures Einsatzes gilt das natürlich nicht. Die bisherigen Punkte waren dirbestimmt bekannt, aber schauen wir uns jetzt einmal die Fallstricke im Bereich Spenden an mit drei Beispielen:

1. Beispiel
Familie Kleist möchte die Kosten für den neuen Trikotsatz der F-Jugend übernehmen. Wenn es eine Spende sein soll, darf die Familie keine Gegenleistung verlangen. Denkbar sind dabei Geldspende und der Verein schafft die Trikots an oder es erfolgt eine Sachspende.

Hier kann eine Spendenbescheinigung (abhängig von der Höhe) ausgestellt werden. Der Satzungszweck eures Vereins ist die Jugendarbeit, somit ist eine Spende unproblematisch. Bevorzugt aber lieber eine Geldspende und kauft die Trikots selber, das macht es bei der Erstellung der Spendenbescheinigung am Ende einfacher. Und wenn Familie Kleist ganz sicher gehen möchte, dass das Geld für die Trikots ausgegeben wird, dann macht sie eine zweckgebundene Spenden. Wenn das Geld nicht für diesen Zweck eingesetzt wird, muss sie das Geld vom Verein zurückerhalten.

2. Beispiel
Die Mitglieder spenden dem eigenem Handballverein in Köln Geld, damit dieser gesammelt in den Jugendtreff der Region, welcher sich vergrößern möchte und wo viele Kinder aus dem Verein hingehen, spendet. Der Jugendtreff ist als gemeinnütziger Verein organisiert.

Grundsätzlich dürfen Mittel des Vereins nur für die Erreichung der Vereinsziele und die Umsetzung der Vereinszwecke eingesetzt werden. Der Vorstand ist verantwortlich für den Erhalt der Gemeinnützigkeit und diese ist eben abhängig von eurem Satzungszweck. Wir haben gesagt der Satzungszweck ist die Jugendarbeit. Hier würde das Finanzamt wahrscheinlich sagen, dass die Spende nicht der Vereinszweck ist, weil es zwar mit Jugendarbeit zu tun hat, aber nicht in deinem Verein erfolgt. Du bist schließlich nicht der Förderverein mit dem Zweck diesen Treff zu unterstützen. In diesem speziellem Fall würde euch aber eine Ausnahmeregelung helfen. Als Verein dürft ihr anderen gemeinnützigen Vereinen etwas spenden. Dadurch könnt ihr euren Mitgliedern, wie gewohnt Spendenbescheinigungen ausstellen und gefährdet eure Gemeinnützigkeit nicht.
Als Tipp aus der Praxis würden wir euch trotzdem empfehlen, dass ihr eine Aktion startet, wo ihr die Mitglieder ermuntert, direkt an den anderen Verein zu spenden. Ihr unterstützt sie trotzdem dabei die Spendenbescheinigungen auch zu erhalten und macht Werbung für den guten Zweck. In Summe spart euch das nämlich administrative Arbeit und sichert euch für den Fall ab, dass es doch Probleme mit dem Finanzamt gibt (z.B. wenn dem anderen Verein die Gemeinnützigkeit entzogen wird).

3. Beispiel
Ihre Mitglieder sammeln Spenden über den Handballverein, weil jemand aus dem Verein eine schwere Krankheit hat und finanzielle Unterstützung für eine Therapie braucht. Dieses Geld wird auf das Vereinskonto eingezahlt und dann an das erkrankte Mitglied überwiesen.

Auf den ersten Blick klingt das nach einer tollen Aktion und eine gewisse Fürsorgepflicht für die Mitglieder hat sicherlich jeder Verein. Allerdings ist der Satzungszweck die Förderung der Sportart Handball und dies schließt eine Spende aus Fürsorge aus. Dies schließt zum einem eine Spendenbescheinigung an die Mitglieder aus, zum anderen darf es keine Zuwendungen aus dem Vereinsvermögen an Mitglieder geben. Hiermit würdet ihr die Gemeinnützigkeit eures Vereins gefährden und der Vorstand wäre seiner Überwachungsfunktion nicht nachgekommen. Wenn diese Aktion so durchgeführt werden würde, müsste der Verein diese Einnahmen versteuern, da der Geldfluss weder im ideellen Bereich noch im Zweckbetrieb anzusiedeln ist. Hier kann es nur eine Empfehlung geben: Macht es auf keinen Fall!
Praktisch würde man es wie im 2. Beispiel lösen. Ihr lasst die Mitglieder direkt an das erkrankte Mitglied spenden z.B. über eine Sammel-PayPalkonto oder eine Spendendose. Übernehmt als Verein aber den Aufruf zum Spenden und teilt die Aktion entsprechend in der Region. Für eine Spende gibt es in diesem Fall für die Mitglieder keine Spendenbescheinigung, weil Privatpersonen dies nicht dürfen. Wichtig ist aber, dass dieses Geld niemals in den Geldkreislauf des Vereins eintreten darf (z.B. in Form einer Kassenbuchung). Ab diesem Zeitpunkt müsstet ihr das Geld dann versteuern.

Sponsoring – Wo liegt die Abgrenzung zur Spende?

Die Abgrenzung von Spende und Sponsoring ist im Wesentlichen die Tatsache, ob eine Gegenleistung vom Verein für eine Person oder ein Unternehmen für sein Geld/seine Sachzuwendung erbracht wird. Doch wo fängt eine Gegenleistung eigentlich an?
Grundsätzlich erst einmal dort, wo der gemeinnützige Verein aktiv an den Werbemaßnahmen mitwirkt. Dies wird dann echtes Sponsoring genannt. Schauen wir uns auch das an einigen Beispielen an:

  • Das Logo des regionalen Handwerksmeisters ist auf eurer Webseite und mit einem Klick auf sein Logo kommt man auf die Seite des Unternehmens.
  • Ihr schaltet in eurem Mitgliedermagazin eine Anzeige für das Unternehmen.
  • Ihr gebt auf eurem Vereinsfest dem Sponsor die Möglichkeit einen Stand aufzubauen und für sein Unternehmen und seine Produkte zu werben.

Der Unterschied zur Spende ist also die werbliche Absicht. Und da spielt es auch gar keine Rolle oder es einen tatsächlichen Werbeerfolg oder eine Verkaufssteigerung gibt oder nicht. Wenn wir uns noch mal das 1. Beispiel anschauen mit den Trikots für die F-Jugend, erkennt man auch die Gefahr der Abgrenzung zwischen Spende und Sponsoring. Wir ändern das Beispiel um ein Detail ab. Jetzt betreibt Familie Kleist einen kleinen Kiosk und das Logo des Kiosks wird auf die Brust der Trikots gedruckt. Schon ist es keine Spende mehr, sondern ein Sponsoring – somit gibt es hierfür keine Spendenbescheinigung mehr. Die Trikots werden zwar recht wenig zur Verkaufssteigerung dieses Kiosk beitragen, dennoch besteht eine Werbeabsicht und das ganze wird im wirtschaftlichen Geschäftsbereich zugeordnet. Somit muss die Sponsoringleistung entsprechend mit 19% Umsatzsteuer versteuert werden. Umsatzsteuer ist für die meisten Unternehmen allerdings nicht schlimm, da sie die gezahlte Steuer als die Vorsteuer in Abzug bringen können (Ausnahme: Kleinunternehmerregelung mit Umsatzsteuerbefreiung beim Sponsor).
Beim Thema Sponsoring empfehlen wir eine Sponsoringvereinbarung zu treffen, wenn es sich um eine dauerhafte oder größere Aktion handelt. Da beide Seiten Leistungen erbringen, ist es gut, diese im Vorfeld schriftlich festzuhalten. Damit ersparst du dir im Nachhinein einige Diskussionen.

Unechtes Sponsoring – der Graubereich

Beim Thema Sponsoring gibt es jedoch auch Grauzonen bzw. Übergangsbereiche zwischen Spende und Sponsoring. Und da kann es dann knifflig werden. Schauen wir uns einmal Beispiele für den unschädlichen Bereich an, welcher unechtes Sponsoring genannt wird an. Diese sind adaptiert von den Beispielen für echtes Sponsoring, um die Unterscheide sichtbar zu machen.

  •  Das Unternehmen kann auf seiner eigenen Webseite das Logo von eurem Verein verwenden und über sein Engagement dort berichten.
  • Ihr könnt das Unternehmen auf eure Webseite oder in eurem Mitgliedermagazin aufnehmen und lediglich auf die Unterstützung hinweisen. Z.B. macht ihr ein kleineres Symbol auf die Webseite und schreibt darüber „Unser Verein wird unterstützt von“. Dezente Präsentation ist hier das Gebot der Stunde. Auf keinen Fall eine Verlinkung zur Sponsoren-Webseite machen! Im Mitgliedermagazin oder der Vereinsseite kann man z.B. einen Artikel darüber verfassen, was mit dem Geld aus dem „unechten“ Sponsoring passiert und so dem Unternehmen mehr Aufmerksamkeit verschaffen.
  • Ladet zum Vereinsfest die Mitarbeiter und den Chef des Unternehmens ein. Die Werbewirkung durch den persönlichen Austausch mit anderen Personen wird wahrscheinlich so sogar höher sein, als wenn er einen Stand hat.

Aber was ist jetzt der Unterschied zwischen echten und unechten Sponsoring allgemein? Grundsätzlich kann man auch bei unechtem Sponsoring einen Sponsoringvertrag abschließen, wo sich ein Unternehmen zur Unterstützung verpflichtet. Der entscheidende Unterschied ist aber, dass der Verein hier keine Gegenleistung gewähren sondern maximal eine Duldung zusagen darf (z.B. die Verwendung des Vereinslogos auf der Webseite des Unterstützers). Bei dieser Art von Deals besteht aber ein hohes Gefahrenpotential, weil das Finanzamt sehr genau prüfen wird, ob es sich um echtes oder unechtes Sponsoring handelt. Wir können Vereinen an dieser Stelle nur dringend empfehlen, hier einmal vorab mit einem Anwalt oder einem Steuerberater zu sprechen und Vertragsmuster von diesen für unechtes Sponsoring zu verwenden.

Unechtes und echtes Sponsoring aus der Steuerbrille

Der Grund wieso diese Abgrenzung notwendig ist, ist steuerlicher Natur. Unechtes Sponsoring wird nämlich behandelt wie eine Spende. Es zählt also zum ideellen Bereich und ist somit von Ertragssteuern und Umsatzsteuer befreit. Somit kann für das unechte Sponsoring auch eine Spendenbescheinigung ausgestellt werden. Wenn ihr hier allerdings eine falsche Einschätzung vornehmt, kann es teuer werden.

Echtes Sponsoring wiederum ist mit wenigen Ausnahmen dem wirtschaftlichen Bereich zu zuordnen. Diese Sponsoringerträge und alle anderen Erträge aus dem wirtschaftlichen Bereich unterliegen der Körperschaftsteuer und der Gewerbesteuer, außer der gemeinnützige Verein ist unter der Freigrenze von 45.000 EUR brutto, dann ist keine Versteuerung notwendig. Wenn ihr allerdings über die Grenze von 45.000 EUR kommt, dann müsst ihr die Einnahmen ab dem ersten Euro versteuern. Hier könnt ihr dann noch vom Gewerbesteuerfreibetrag von 5.000 Euro profitieren, wenn euer Jahresüberschuss gering ist. Außerdem fällt beim echten Sponsoring immer Umsatzsteuer an, im Normalfall 19%. Näher wollen wir hier an dieser Stelle nicht darauf eingehen. Nimm am besten mit, welche Gefahren bei dem Thema lauern. Unechtes Sponsoring hat den Vorteil, dass es steuerfrei ist, aber die Gefahr, dass es durch das Finanzamt nicht anerkannt wird und man seine Gemeinnützigkeit im Extremfall gefährdet. Echtes Sponsoring hat den Nachteil, dass man es versteuern muss, allerdings kann man gerade als kleinerer oder mittlerer Verein davon ausgehen, nicht die 45.000 Euro zu übertreffen. Wenn doch, kann man immer noch versuchen seinen Jahresüberschuss gering zu halten, um Steuern zu sparen. Welchen Weg man wählt, muss am Ende jeder Verein für sich selber entscheiden.

Barter-Deal – eine WIN-WIN-Situation mit Gefahrenpotential

Einen Barter-Deal ist ein Tauschhandel. Der Sponsor gibt dir eine Leistung (z.B. Renovierung des Vereinsheims) oder einen Gegenstand (z.B. einen Laptop für die Geschäftsstelle). Im Gegenzug gibt es vom Verein ebenfalls eine Gegenleistung (z.B. Spielfeldbande). Diese Art von Geschäften werden in letzter Zeit immer beliebter, weil man über diese Angebote Sponsoren leichter für ein Engagement begeistern kann. Jetzt wissen wir bereits, dass Leistung und Gegenleistungsgeschäfte zum Bereich „Echtes Sponsoring“ zählen. Bei der Abrechnung eines solchen Deals muss man allerdings einiges beachten, wie das folgende Beispiel zeigt:

Beispiel:
Dein Verein hat fruchtbare Gespräche mit einem Handwerksbetrieb geführt. Sie wollen auf euer Vereinstrikot, ihr habt Bedarf an Instandhaltungsmaßnahmen im Verein. Der letzte Sponsor hat für euer Vereinstrikot 8.000 Euro in der vorherigen Saison bezahlt. Weil ihr beide weniger Steuern bezahlen wollt, entscheidet ihr euch für folgende Absprache. Es werden vom Handwerkerbetrieb 2.000 Euro für das Trikot bezahlt. Unter der Hand vereinbart ihr, dass Renovierungen am Vereinsheim für 10.000 Euro vorgenommen werden. Im Anschluss schreibt ihr eine Rechnung über 2.000 Euro Sponsoring netto, die Renovierungen tauchen nirgendswo in den Büchern auf. Euer Verein bleibt mit den anderen Einnahmen damit unter der Grenze von 45.000 Euro.

Dringender Hinweis: Lasst euch nicht auf solche Deals ein ohne eine Rechnung. Diese Beispiel wäre eine eindeutige Steuerhinterziehung. Auch Sachleistungen sind als Einnahmen zu deklarieren und als Rechnungen auszustellen. Richtig wäre es hier gewesen, 12.000 Euro zzgl. Umsatzsteuer über das Sponsoring und im Gegenzug eine Rechnung über 10.000 Euro vom Handwerksbetrieb zzgl. Umsatzsteuer stellen.

Wir hoffen, dass wir dir einen guten Überblick geben konnten, damit dein Verein bei den nächsten Verhandlungen mit potentiellen Spendern und Sponsoren genau weiß, was zu tun ist. Falls du noch Fragen oder Anregungen hast, kannst du uns sehr gerne eine E-Mail unter info@vereinsstrategen.de zukommen lassen. Und wenn du das Gefühl hast, dass dieser Beitrag dir geholfen hat, dann empfehle den Blog und den Podcast gerne auch an andere Personen weiter. Wir danken im Voraus.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Warum Online-Sport so schnell nicht verschwinden wird

Warum Online-Sport so schnell nicht verschwinden wird

Digitalisierung

Herausforderungen und ungeahnte Chancen

 

Die Corona-Epidemie hat den Breitensport gezwungen sich mehr mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Eine wesentliche Neuerung, die dadurch in Vereine Einzug erhalten hat, war und sind die Online-Sportangebote. Doch, was sind die bisherigen Erkenntnisse mit dem Thema und wie geht es eigentlich damit weiter? Genau damit soll sich dieser Beitrag beschäftigen. Er stellt eine Zusammenfassung der Podcastfolge dar, wo das Thema aber noch einmal ausführlicher behandelt werden. Höre dort also gerne noch einmal rein.

Die alte Welt und das Virus

Wenn wir auf das Jahr 2019 blicken, dann kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass der Breitensport in Vereinen vor allem klassisch analog war. Mitglieder kamen zu einer festen Uhrzeit zum Sportplatz oder zur Halle. Weiter in der Entwicklung waren einige Fitnessstudios, welche bereits eine Kombination von digitalen und analogen Angeboten genutzt haben. Auch gab es diverse YouTube-Kanäle, welche sich bereits mit dem Thema Fitness oder Abnehmen beschäftigt haben. Alle diese digitalen Angebote waren für Individualsport angelegt und nicht für den Mannschaftssport.
Mit dem Beginn der Coronakrise und dem Verbot des gemeinschaftlichen analogen Trainings ergab sich für die Vereine ein hoher Druck ihren Mitgliedern ein Angebot zur Verfügung zu stellen. So wollte man den Austritt von Mitgliedern reduzieren. Zuerst begannen größere Vereine, welche über mehr Know-How und Kapital verfügen, die Transformation des Angebotes von analog zu digital, danach folgten auch kleinere Vereine. Der Erfolg war je Verein aber unterschiedlich, einige waren damit erfolgreich, andere lösten nach einigen Durchläufen ihr Format wieder auf. Grundsätzlich ist aber das Feedback von den meisten Vereinen gewesen, dass die Mitglieder froh waren, dass es die Möglichkeit gab, dass sie überhaupt etwas machen konnten, auch wenn der Online-Sport besonders zu Beginn auch einige Probleme hatte:

  • Technische Schwierigkeiten auf der Teilnehmerseite während des Angebotes
  • Umstellung für Übungsleiter in Bezug auf das Design einer Trainingsstunde
  • Bildausfälle

Die zentralen Ziele, nämlich dass Menschen Sport machen konnten und das im bekannten Teilnehmerkreis, wurden trotz aller Widrigkeiten erfüllt. Ebenfalls war eine positive Entwicklung, dass mehr und mehr Menschen digitale Sportangebote unabhängig vom Verein ausprobiert haben. So gab und gibt es beispielsweise eine sehr hohe Nachfrage nach digitalen Rollentrainern für das Indoor-Radfahren. Durch Trainingsanbieter wie Zwift konnte man so auch von zu Hause Rennen fahren in einer großen digitalen Welt.

Herausforderungen und Chancen

Grundsätzlich kann man sagen, das Online-Sport für bestimmte Sportarten funktioniert. Nach den Anfangsschwierigkeiten, sie sicherlich jeder Verein hatte, haben sich die Trainer wie auch die Teilnehmer an dieses Format gewöhnt. Natürlich ist es kein 100% Ersatz für ein Training vor Ort sein, doch hat Online-Sport auch Vorteile, die in Präsenz so nicht gegeben sind:

  • Mitglieder, welche nicht in der Lage sind in die Turnhalle zu kommen, haben bei so einer Angebotsform einen Mehrwert. Gründe können beispielsweise Umzug, Gesundheit oder auch Überschneidungen von Arbeits-, Anreise- und Trainingszeit sein.
  • Vereine können überregionale Angebote durchführen. Dies bietet sich immer dann an, wenn ihr exotische Kurse anbieten wollt, wo ihr in eurer Region vielleicht nicht genügend Interessierte habt. Beispiel: Aroha
  • Im Bereich der Vereinsdigitalisierung war es ein Schritt in die richtige Richtung. Man sollte versuchen den Fortschritt und die technische Entwicklung mitzunehmen, schließlich haben sich die Mitglieder daran gewöhnt, digital angesprochen zu werden und wollen dies zum Großteil auch zukünftig. 

Aber natürlich gibt es auch diverse Herausforderungen und Risiken, wenn ihr Online-Sport anbietet:

  • Versucht im Kurs soziale Nähe herzustellen. Dies ist gar nicht so einfach, denn durch das Onlineformat fällt die Interaktion zwischen den Teilnehmer zum Großenteil weg. Hier ist es dann notwendig, dass der Übungsleiter entsprechend geschult ist, um mit dieser speziellen Situation umgehen zu können. Auch muss man sich überlegen, wie der Aufbau eines solchen Kurses aussehen soll. Hier kann man sich Gedanken machen, ob man Gamifiacation-Elemente also spezielle Challenges oder auch ein Punktesystem mit in den Kurs einbauen möchte.
  • Um so ein Online-Angebot durchführen zu können, muss erst einmal die technische Infrastruktur in den Sportstätten geschaffen werden und zwar durch die Vereine, da die Kommunen es meist nicht als wichtig erachten. Ihr könnt natürlich versuchen auf die Kommune immer wieder einzuwirken, dass eure Sportstätte digitalisert wird. Aber das ist mühsam und nicht unbedingt erfolgsversprechend. Auf der anderen Seite muss man natürlich sagen, dass die Kosten einer (weiteren) Digitalisierung für viele Vereine zu hoch sind. Wenn ihr allerdings mit anderen Vereinen Sportstätten nutzt, denkt doch über Kooperationen mit ihnen nach. So könnt ihr die gleiche hochwertige digitale Infrastruktur nutzen, euch aber die Kosten teilen.
  • Online-Sport im Verein hat sicherlich den Dienstleistungsgedanken bei den Mitgliedern verstärkt. Ich mache den PC an, wähle mich in meinen Kurs ein, mache den PC wieder aus. Das ist dann das Vereinsleben. So wird die Mitgliederbindung natürlich viel loser und für den Verein damit schwierig. Das Vereinsangebot trifft schließlich nun auch auf andere Sportangebote. Beispiele hierfür sind kostenfreie Fitnessvideos bei YouTube oder sehr professionelle Online-Sportanbieter wie Peleton. Doch wahrscheinlich ist das größere Problem der innere Schweinehund der Teilnehmer. Man hat bei so einer Angebotsform nicht mehr die Notwendigkeit unbedingt teilzunehmen, weil der Gruppenzwang aber auch die Geselligkeit geringer ist. So kann man schnell die Lust verlieren, bleibt dem Angebot häufiger fern und kündigt schlussendlich seine Mitgliedschaft.
  • Übungsleiter stehen vor der Herausforderung der Transformation des Offline-Angebots in ein Online-Format. Schließlich geht durch fehlende Präsenz auch viel verloren. Der Überungsleiter muss sich überlegen, wie er Fehler im Übungsablauf der Teilnehmer beispielsweise gut erkennen und korrigiern kann oder wie er den Ablauf einer solchen Stunde gestalten möchte, um sie spannend zu machen. Hier muss er auch daran denken, ob die Teilnehmer für den Kurs zusätzlich Materialien brauchen. Diese kosten die Teilnehmer dann zusätzliches Geld und beschränkt die Menge an möglichen Trainingsgeräten in einem Online-Kurs.
  • Erschwerend kommt außerdem das Thema Datenschutz hinzu. Diese stellt für euch im Verein nämlich zusätzliche Hürden dar. So darf der Übungsleiter keine Aufzeichnungen ohne vorherige ausdrückliche schriftliche Zustimmung der Teilnehmer vom Training machen. Eine Nachanalyse des Trainings wird somit praktisch unmöglich. Außerdem können Teilnehmer, wenn sie das möchten, den Bildschirm deaktivieren. Korrekturen für den Trainer bei der Ausführung der Übungen sind somit nicht mehr möglich. Wenn ihr also Fragen habt, wie ihr am besten mit diesem Thema umgehen sollt, fragt euren Datenschutzanwalt und bezieht ihn bei der Prozesserstellung mit ein. Das betrifft z.B. auch die Entscheidung mit welchem Anbieter (z.B. Zoom, Google Meets, MS Team, jitzi, etc.) ich mein Angebot durchführe? Welches erfüllt meine persönlichen Bedürfnisse bzgl. der Funktionalität als Trainer und welches erfüllt den Vereinsanspruch an den Datenschutz?

Doch trotzt der Herausforderungen, die mit dem Thema verbunden sind, muss man klar festhalten, dass viele Herausforderungen mit steigender Erfahrung in diesem Bereich auch verschwinden werden. Wir gehen auch nicht davon aus, dass es eine Verlagerung von der Sporthalle zum Bildschirm geben wird, sondern dass dein Verein mit einer cleveren Strategie neue Leute gewinnen kann, die du zuvor nicht in die Halle bekommen hättest. Damit wird dann auch das Problem der Mitgliederbindung ein wenig abgeschwächt. Denn natürlich wollen wir Mitglieder möglichst lange im Verein halten, allerdings nehmen die Bindungsdauern seit Jahren ab und mit Online-Sport hast du die Möglichkeit neue Mitglieder zu gewinnen. Nutzt also die Möglichkeit von zeitlich befristeten Mitgliedschaftsmodellen, um mehr Menschen zu erreichen und auch zusätzliche Einnahmen zu generieren.

Pascals Plan in seinem Verein

Grundsätzlich wird Pascal versuchen Online-Sport zusätzlich zum normalen Sport anzubieten, allerdings auch mit der Absicht es wieder einzustellen, falls es sich nicht etablieren sollte. Dafür sollen alle Veranstaltungen live durchgeführt werden. Das Angebot bliebt somit zeitgebunden und ist nicht jederzeit abrufbar.
Dabei wird der Verein kein „Filmstudio“ aufbauen, sondern sich auf die wichtigsten Elemente beschränken. Das sind:

  • ein WLAN-Router für die Sporthalle mit Handyvertrag
  • ein Laptop für Streamingsoftware
  • eine stationäre hochauflösende Kamera, die im Raum steht oder hängend platziert wird und den Übungsleiter in das Wohnzimmer des Mitglieds bringt

Die Kosten dafür werden aktuell auf etwa 1.500 Euro für die Erstanschaffung geschätzt. Dabei soll auch auf Fördermittel für die Digitalisierung von Vereinen zurückgegriffen werden (beispielsweise eine mögliche Förderung in Niedersachsen).
Die Vorteile für den Verein sind hoffentlich vielfältig. Neben dem offensichtlichen Argumenten, dass weniger flexiblere Menschen trotzdem am Sport teilnehmen können, anstatt auszutreten, und dass man Leute so besser binden kann, die aus der Region wegziehen, hat man vor allem die Möglichkeit die Hallenkapazität auf diese Art und Weise virtuell zu erweitern. Das hilft dem Verein am Ende auch beim Wachstum – zum einem wegen den Mehrkapazitäten zum anderen aber vor allem, weil der Verein als innovativ wahrgenommen wird und seine Positionierung damit schärft.
Am Ende hängt der Erfolg natürlich vom erfolgreichen Meistern der Herausforderungen ab. Bei Mischgruppen – so wie Pascals Verein es plant – ist vor allem die Interaktion mit den Teilnehmern erschwert. Hier hat der Übungsleiter eine schwere Aufgabe, denn schließlich soll er es allen recht machen. Es ist aber logisch, dass eine Korrektur einer Übung in Präsenz deutlich leichter fällt, als wenn der Trainer versucht, dies auf dem Bildschirm für viele Teilnehmer zu überwachen. Außerdem hat der Trainer noch viele zusätzliche adminstraitve Aufgaben. Was passiert wenn ein Teilnehmer zu spät kommt – lässt man ihn online noch zu oder versucht man ihn zu „erziehen“? Wie sieht mein Traingsablauf dann aus? Wer wählt sich überhaupt über den Link ein – nur Mitglieder oder auch Dritte? Sind die Leute anonym im Kurs unterwegs (z.B. Rehbaby85) oder bestehe ich auf die richtigen Namen?

Zusammenfassend müssen wir aber sagen, dass man Online-Sport auf jeden Fall ausprobieren sollte, wenn man das Gefühl hat, dass sowohl die Mitglieder so ein Angebot wollen, als auch dass die Übungsleiter sich eine solche Durchführung vorstellen können. Lasst sie hier aber nicht alleine, sondern helft ihnen zu Beginn bei der Technik und besprecht vorher die sinnvolle Durchführung einer Trainingsstunde bzw. des Kurses.

Wir hoffen, dass wir dir mit dem Beitrag weiterhelfen konnten. Falls du Fragen haben solltest, kannst du uns gern unter info@vereinsstrategen.de anschreiben. Wir würden uns freuen, wenn du diesen oder auch andere Beiträge und Podcastfolgen weiterempfehlen würdest. Vielen Dank dafür schon im Voraus.

Deine Vereinsstrategen

(Martin Schüttler)

Vereinsziele: Bessere Kommunikation! Mehr Mitglieder!

Vereinsziele: Bessere Kommunikation! Mehr Mitglieder!

Vereinsentwicklung

Mitgliedergewinnung und Kommunikation im Verein

 

Mitgliedergewinnung und interne Kommunikation sind zwei der wichtigsten Themen, womit sich Vereine auseinandersetzen müssen. Deswegen haben wir die Möglichkeit genutzt und uns mit den österreichischen Vereinsberaterkollegen Angelika Guttmann und Manuel Lanzerstorfer von Flowcity ausgetauscht. Der Beitrag stellt eine Zusammenfassung der Podcast-Episode dar und ist entsprechend in die zwei Themenbereiche aufgeteilt.

Thema: Mitgliedergewinnung

Laut Flowcity ist das allerwichtigste zur Mitgliedergewinnung eine häufige und vor allem persönliche Ansprache von (interessierten) Personen. Dabei ist es wichtig die Vereinsbotschaft nach außen zu tragen – frei nach dem Motto: „Wenn man von etwas überzeugt ist, darf man das auch ansprechen.“. Das bedeutet also, dass man den Mehrwert, den Mitglieder und Vereinsvertreter bei ihrem Verein sehen, nach außen darstellen soll. Mitglieder machen das aber nur freiwillig, wenn sie im Verein motiviert sind und sich wohlfühlen. Dann entsteht automatisch Mundpropaganda. Ziel muss es im Verein also sein, genau diesen Zustand zu erreichen und Mitglieder zu Multiplikatoren werden zu lassen. Aus der Erfahrung heraus lässt sich dies am besten erreichen, wenn die Mitglieder in die Vereinsarbeit integriert sind, denn dann fühlen sie sich ernst genommen und wertgeschätzt. Natürlich kann man nicht alle Mitglieder sinnvoll in die Vereinsarbeit integrieren. Deshalb ist es die Kunst im ersten Schritt, die Mitglieder auszuwählen, welche aufgrund ihrer Fähigkeiten zum einem die Arbeit gut erledigen können und zum anderen auch viele Menschen erreichen können. Dies kann man dann nach und nach auch auf andere Mitglieder erweitern. Beachte dabei aber immer, dass ein Mitglied in erster Linie nicht für den Verein arbeitet, sondern für sich selbst und die Gemeinschaft. Deswegen ist auch der Mehrwert für das Mitglied im Verein neben der reinen Dienstleistung, alles was darüber hinaus geht – z.B. die Gemeinschaft oder auch ein Heimatgefühl.
Grundsätzlich ist es wichtig, um Mitglieder zu gewinnen, regelmäßig Aufmerksamkeit für den Verein zu schaffen. Neben der Mundpropaganda kommt hier Social Media eine größere Rolle zu, auch wenn es in seiner Wirkung unspezifischer ist. Nutze dieses Medium z.B. in der aktuellen Situation als Informationsinstrument. Wenn die Sportvereine nach dem Lockdown wieder regelmäßigen Sportbetrieb anbieten, wird es schwierig, alle Mitglieder wieder zurück in den Vereinsalltag zurückzuholen. Social Media kann dabei ein Instrument sein, wenn z.B. Bilder und Videos vom Traininsgbetrieb gezeigt werden.
Dazu passt auch die Antwort von Flowcity in Bezug auf die Frage, was schwieriger ist – Mitglieder gewinnen oder Mitglieder halten? Aus ihrer Sicht ist es das Halten. Denn gerade, wenn sie zu Beginn in einem Verein eingestiegen sind, ist das Risiko, dass sie wieder zeitnah aussteigen recht hoch. Deswegen ist es bei einem Neueintritt extrem wichtig, dass das Mitglied emotional gebunden wird und das Gefühl erhält, dass es Teil der Gemeinschaft ist. Dabei kann ein Kümmerer bzw. Buddy hilfreich sein, welchen man bei Fragen oder Problemen ansprechen kann. So werden bei Personen Unsicherheiten reduziert und die Wahrscheinlichkeit deutlich verringert, dass sie abspringen.
Doch was sollst du tun außer Social Media zur Reaktivierung nach Corona zu verwenden. Das wichtigste ist, zu beginnen und nicht abzuwarten. Plant im Verein Veranstaltungen und führt sie auch durch. Doch beachte dabei, dass der Lockdown auch Spuren bei den Ehrenamtlern und Mitgliedern hinterlassen hat. Die Menschen hatten wenig persönlichen Kontakt, es wird also mehr Vorbereitungszeit benötigen, bis alles wieder wie gewohnt läuft. Wenn der Verein gleich wieder von 0 auf 100 startet, könnte es passieren, dass sich die Vereinsmitglieder etwas überrumpelt fühlen. Außerdem bedenke, dass es auch Personen geben kann, dass sich erst wieder an größere Menschengruppen gewöhnen müssen. Wenn du so einen Fall bei dir im Verein hast, habe Geduld und zeige Verständnis.
Um ausgetretene Mitglieder wieder zurück in den Verein zu holen, reicht Social Media meist natürlich nicht aus. Denn es gibt wahrscheinlich Gründe, wieso sie den Verein verlassen haben. Hier solltest du auf jeden Fall das persönliche Gespräch suchen. Entweder du kannst die Person erfolgreich zurückgewinnen oder du erfährst zumindest, was die Gründe für den Austritt waren. Führe diese Gespräche aber erst, wenn du auch wieder Veranstaltungen durchführen kannst, um dem Mitglied auch etwas anbieten zu können.
Wovon du allerdings absehen solltest, sind die Durchführung von Rabattaktionen bei Mitgliedschaften. Aktionen wie „Mitglied wirbt Mitglied“ oder „Das erste Jahr kostet die Mitgliedschaft 50% weniger“ schaden mehr, als das sie nützen. Ja, der Verein wird kurzfristig wahrscheinlich mehr Mitglieder gewinnen, aber langfristig wird es eher schädlich sein. Zum einem muss man sich fragen, warum tritt jemand in einen Verein ein? Denn wenn durch so eine Aktion die intrinsische Motivation der Person zerstört wird, wird sie auch zukünftig immer wieder Rabatte haben wollen. Das wird sich mit der Zeit auch auf andere Bestandsmitglieder übertragen. Am Ende gefährdet der Verein damit dann seine finanzielle Basis.

Thema: Kommunikation

Gute Kommunikation im Verein machen drei Punkte aus. Kommunikation sollte wertschätzend sein, auf Augenhöhe stattfinden und die Mitglieder sollten das gleiche Ziel haben bzw. das gleiche Bedürfnis befriedigen wollen. Um dies zu erreichen, muss sich ein Verein darüber im Klaren sein, welches Zielbild er verfolgen möchte. Schließlich hat jedes Mitglied ggf. andere Ansichten über seine persönlichen Ziele innerhalb des Vereins, aber auch für den Verein selber. Hier gilt es, dass diese verschiedenen Ziele sinnvoll zusammengeführt werden. Häufig ist es aber so, dass Vereine ihre Ziele nicht klar oder auch gar nicht kommunizieren. Das führt zu Unzufriedenheit und eine Weiterentwicklung des Vereins kann nicht stattfinden.
Eine Möglichkeit für die Entwicklung und Festlegung der Vereinsziele sieht FlowCity in Klausurtagungen, wo sich alle Personen ungestört von äußeren Einflüssen teilweise einen ganzen Tag zusammensetzen und die strategische Ausrichtung des Vereins besprechen. In Deutschland wird dies meist in Form eines Workshops gemacht. Grundsätzlich werden für so eine Klausurtagung vorher die Ziele und der Tagesablauf festgelegt. Moderiert wird die Veranstaltung meist von einer neutralen externen Person, die Erfahrungen in er Durchführung von solchen Tagungen hat. Dieser Moderator achtet außerdem darauf, dass die Kommunikationsregeln eingehalten werden. Ziel muss es sein, dass alle Personen zur Sprache kommen können und nicht nur die dominanten Charaktere, welche auch sonst im Verein den Ton angeben. Wie dein Verein auch immer plant, so eine Austauschrunde zur Zielfestlegung durchzuführen, wichtig ist, dass darauf geachtet wird, dass sich alle Mitglieder mit dem gewählten Format wohlfühlen und sich jeder trauen kann, seine Meinung zu sagen.
Zu guter Kommunikation gehört auch, dass die Mitglieder, die Sitzungen oder Veranstaltungen kommen, nicht dafür fertig gemacht werden, dass so wenige Personen gekommen sind. Denn damit erreicht man genau das Gegenteil, von dem was man will. Dieses anwesende Mitglied wird es sich zwei Mal überlegen, ob es zur nächsten Sitzung kommt oder nicht. Viel besser ist es, dass die Mitglieder, welche an der Sitzung teilnehmen, das Gefühl bekommen, dass es schön ist, dass sie da sind, und dass ihnen der Rücken gestärkt wird.
Wenn Probleme in der Kommunikation festgestellt werden, hat das meist auch mit der Stimmung im Verein oder genauer mit der Stimmung innerhalb des Vorstands zu tun. Wenn die Beziehungsebene zwischen den einzelnen wichtigen Personen nicht passt, gehen Informationen verloren oder werden absichtlich nicht weitergegeben. Hier gibt es nur die Lösung, dass man die Differenzen in der Beziehungsebene löst und somit auch die Kommunikation verbessert.
Auch haben wir im Podcast über gute digitale Kommunikationsmittel gesprochen. „Whats App“ sehen Manuel und Angelika kritisch. Meist fühlt sich durch die Größen der Gruppen keiner direkt angesprochen, die Chats sind häufig überladen, die Rückmeldungen sind überschaubar und wenn einer etwas als negativ oder positiv einschätzt (Daumen hoch oder runter), folgen die anderen meist mit der gleichen Einschätzung, so dass sich keine förderliche Diskussion ergibt. Was die Beiden allerdings empfehlen, ist ein altmodisches Informationsmedium – die Sammel-SMS. Diese Möglichkeit hat sich aus ihrer Erfahrung heraus bewährt vor alle für sehr wichtige Informationen. Desweiterem sehen sie auch die immer stärker werdenden Vorteile von Vereins-Apps. Sie können grundsätzlich extreme Vereinfachungen in der Organisation mit sich bringen, sei es in Bereichen wie Mitgliederverwaltung, Datenverwaltung, Online-Speicher (Cloud) oder auch Terminkalenderfunktionen.

Wir hoffen, dass dieser Artikel dir einige neue Erkenntnisse gebracht hat und du Ideen auch in deinem Verein umsetzen kannst. Der Podcast ist in gewissen Punkten noch ausführlicher und gerade über das Thema Mitgliedergewinnung haben wir in anderen Folgen schon häufiger gesprochen. Höre also gern auch in die anderen Folgen von uns rein oder lies die zugehörigen Artikel.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Positionierung Integration: Mitglieder und Sponsoren gewinnen

Positionierung Integration: Mitglieder und Sponsoren gewinnen

Vereinsentwicklung

Positionierung ohne sportlichen Erfolg

 

Integration kann neben seiner gesellschaftlichen Wichtigkeit auch ein Weg sein, seinen Verein stärker zu positionieren und damit neue Mitglieder zu erreichen. Hierfür haben wir Roy Gündel als unseren Experten für Integration erneut in den Podcast eingeladen. Er ist Leiter des Fachbereichs Integration und Sport/soziale Arbeit beim LSB Niedersachsen. Der Beitrag ist eine Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte des Interviews.

Gleich vorneweg das Fazit: Ja, es macht Sinn, dass sich Vereine in vielen gesellschaftlichen Belangen stark positionieren. Das liegt schon in der Grundstruktur der Vereine selbst verankert. Sie übernehmen soziale Funktionen und können deswegen auch nicht unpolitisch sein. Jeder Verein sollte sich schließlich zu den Grundwerten einer liberalen Demokratie bekennen, auch wenn die meisten parteipolitisch neutral sind. Der Bereich der Integration ist deswegen besonders interessant, weil bei einer starken Positionierung Vorteile für den Verein winken. Er wird bei einem hohen Engagement als relevanter Akteur vor Ort wahrgenommen. Dies erleichtert aber auch die Zusammenarbeit in anderen Bereichen bzw. hilft eigene Belange in anderen Fragestellungen durchzusetzen.

Die Vorteile der Positionierung „Integration“

Deswegen schauen wir als nächstes einmal darauf, was passieren könnte, wenn ein Verein sich für die Positionierung im Bereich der Integration und des gesellschaftlichen Zusammenhaltes entscheidet. Grundsätzlich vertritt man mit dieser Positionierung Werte außerhalb des sportlichen Erfolgs. Diese Werte und die Menschen, die ihr damit erreicht, können für bestimmte Unternehmen vor Ort attraktiv sein. Sie wollen von eurem Image partizipieren und damit erscheint ein Vereinssponsoring möglich.
Ebenso werden aber auch die Kommunen mehr auf euch aufmerksam, da ihr einen gesellschaftlichen Mehrwert vor Ort geniert. Ihr fördert die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, bringt Menschen zusammen, fördert den sozialen Austausch und schafft für Menschen eine neue Heimat. Dies sind meist genügend Gründe für eine Kommune euch zu unterstützen bei Themen wie Hallenzeiten, Bau von neuer Infrastruktur oder auch Zuschüssen. Der sportliche Erfolg dagegen ist der Kommune egal.
Wahrscheinlich ist aber auch, dass ihr eure Mitgliederbindung erhöht. Die Mitglieder kommen nicht nur wegen dem Training zu euch, sondern vor allem wegen der Menschen. Allein für den Sport könnten sie auch woanders hingehen. Die Mitglieder finden das, wofür der Verein steht gut und unterstützenswert. Dann ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass selbst Mitglieder, welche nicht mehr in der Nähe des Vereins wohnen oder nicht mehr aktiv Sport treiben, trotzdem ihre Mitgliedschaft behalten wollen, weil sie das Engagement des Vereins im Bereich Integration unterstützen wollen.
Wenn man sich für die Positionierung „Integration“ entscheidet, muss man dies aber auch immer im Gesamtspektrum des Vereins sehen. So ist die Integrationsarbeit als die eine Positionierung auch nicht zielführend, weil man dann zu einseitig arbeitet. Man darf allerdings auch nicht zu viele Schwerpunkte setzen, weil es dann auch keine Schwerpunkte mehr sind. Hier besteht die Gefahr, dass sich Vereine übernehmen, denn häufig gehen diese Schwerpunkte auf einzelne Personen oder Personengruppen zurück. Hört eine Person im Verein auf, so kann der Schwerpunkt wegbrechen oder sich durch den Personenwechsel stark verändern. Diese Fluktuation muss bedacht werden und es muss vorher festgelegt werden, wie solche personellen Verluste aufgefangen werden. Dafür ist es aber wichtig die richtigen Prioritäten bzgl. des Gesamtvereins zu setzen. Nicht jeder Verein muss jedes Thema zu seiner Priorität erklären, viel wichtiger ist die Frage: „Was ist sinnvoll und was möchte ich?“.

Gefahren bei der Positionierung „Integration“

Die Wichtigkeit mehrere Schwerpunkte zu setzen, anstelle sich nur auf „Integration“ zu fixieren, wurde gerade schon beschrieben, aber nicht, warum die Fixierung eigentlich ein Fehler ist. In erster Linie sind alle Mitglieder in einem Sportverein Sportler. Doch wenn ein Verein sich nur auf die Integration fixiert, besteht die Gefahr, dass dieses Thema alles andere überstrahlt und Menschen auf ihre Herkunft reduziert werden. Aus Sportlern werden dann Migranten in der Wahrnehmung, also genau das Gegenteil von dem, was eigentlich gewollt ist. Hier muss am Ende entschieden werden, inwieweit trage ich diese Positionierung nach außen oder setze sei einfach im Verein um.
Eine weitere Gefahr ist, nicht ausreichend auf die Resonanz der Mitglieder zu hören. Es gibt immer Vorbehalte und Widerstände bei einer solchen Positionierung. Wichtig ist es genügend Raum für den Austausch zu geben, um interkulturelle Konflikte zu klären und zu lösen. Natürlich darf dieser Austausch nur in vorher festgelegten Grenzen erfolgen, sollte immer auf Augenhöhe erfolgen und man sollte nicht übereinander, sondern miteinander sprechen. Beachtet hier auch den entsprechenden Sprachgebrauch eurer Mitglieder. Mit dieser Resonanz kann man dann Schritt für Schritt den Verein und auch die Positionierung weiterentwickeln und festigen.

Mitgliedergewinnung durch die Positionierung „Integration“

Für die Mitgliedergewinnung ist jede Positionierung nur ein Mosaikstein unter mehreren. So sind zur Gewinnung z.B. auch die Ansprechwege, die Angebotspalette im Verein oder auch das Auftreten von Hürden beim Vereinseintritt entscheidend. Grundsätzlichist es schwierig die Wirkung von „Integration“ quantitativ zu messen, da die Datenlage in diesem Bereich eher gering ist, aber es gibt Tendenzen, dass ich mit einer klaren Positionierung durchaus Vorteile bei der Mitgliedergewinnung habe. Wenn Menschen vorher keinen Kontakt zu Vereinen hatten, es also keine Sozialisation in diesem Bereich gab, dann können Leute über ein Integrationsprojekt an den Verein herangeführt werden und über den Austausch mit den Menschen teilweise auch fest an den Verein gebunden werden.
Im Podcast wurden u.a. zwei Beispiele angesprochen, einmal ein Bauchtanzkur und ein Fahrradkurs. Diese Angebote sind sehr niederschwellig und haben in der Praxis sehr integrativ gewirkt. Der Bauchtanzkurs wurde bespielweise später sogar fest ins Vereinsportfolio aufgenommen, weil er sehr gut angenommen wurde. Ein Fahrradkurs kann dabei helfen den Aktionsradius zu erhöhen und Menschen überhaupt erst das regelmäßige Vereinstraining zu ermöglichen. Höre hier gerne noch einmal rein, wenn dich dies näher interessieren sollte.
Die Frage ist jetzt natürlich: „Wie finde ich das richtige Angebot, um Migranten zu gewinnen?“. Und hier kann man ganz klar sagen, dass auch diese Frage aufgrund der schlechten Datenlage nicht eindeutig zu beantworten ist. Fest steht aber, dass folgende Faktoren einen Einfluss haben:

  • Nicht das Angebot bindet die Personen an den Vereinen sondern die Menschen. Integration muss im gesamten Verein gedacht werden, eigene Stereotypen sollte man hinterfragen und der Verein sollte sich regelmäßig reflektieren.
  • Wie viele Migranten überhaupt in meiner Region leben, ist individuell. In Großstädten gibt es meist mehr Menschen mit Migrationshintergrund als in ländlicheren Regionen. Im ländlichen Raum kommt dazu noch das Thema der Erreichbarkeit des Vereinsgeländes. Nicht jede Person hat ein Auto, um regelmäßig zum Training zu kommen. Dies beeinflusst natürlich auch deine mögliche Positionierung im Bereich Integration und deren Umsetzung.
  • Wer sich engagiert in der Integrationsarbeit, bekommt meist mit der Zeit auch einen diverseren Verein.

Angebotsbedarf ermitteln und umsetzen

Grundsätzlich sollte man genau im Verein prüfen, ob es sinnvoll und auch realistisch ist, ein Angebot umzusetzen, was es vor Ort noch nicht gab. Nehmen wir als Beispiel Cricket. Als erstes muss man schauen, ob der Bedarf nach Cricket in der Region artikuliert wird. Da der Sport in Deutschland eher unbekannt ist, wird er vor allem von Migranten mit pakistanischen Wurzeln gespielt. Angenommen der Bedarf wird z.B. in der Flüchtlingshilfe von genügend Personen artikuliert, dann sollte man sich als nächstes mit der Tatsache des schwierigen Spielfeldes auseinandersetzen. Die typischen Maße sind in Deutschland auf Sportplätzen sehr unüblich und deswegen müsste man für diesen Sport meist ein neues Spielfeld errichten. Am besten behilft man sich hier mit provisorischen Feldern und schaut erst einmal, ob die Gruppe dauerhaft zusammenbleibt. Erst dann sollte man weitere Schritte planen und ggf. darüber nachdenken eine Abteilung zu gründen. Wichtig ist es einfach zu Beginn kreativ zu sein und neue Sachen auszuprobieren. Im Fall von Cricket hat der Zuzug von Sporttreibenden dazu geführt, dass sich die deutschen Verbandsstrukturen im Cricket weiterentwickeln konnten und deutlich stärker sind als vor der Flüchtlingskrise.
Ziel eines Vereines bleibt es aber, neue Mitglieder durch Angebote zu gewinnen. Bei allen Sportarten im Wettkampfsport ist es leichter Personen zu überzeugen. Hier ist die Mitgliedschaft eine Grundvoraussetzung zur Teilnahme am Wettkampfbetrieb. Bei den verbleibenden Sportarten sieht es anders aus. Man sollte deshalb zu Beginn bei interessierten Personen mit Migrationshintergrund keine Mitgliedschaft erzwingen. Viel wichtiger ist es, dass das Angebot am Anfang möglichst unverbindlich ist. Gebt den Personen die Möglichkeit sich auszuprobieren und sich mit dem Angebot vertraut zu machen. Für diesen Zeitraum stellt der LSB Niedersachen z.B. Fördermittel zur Verfügung um den finanziellen Aufwand für das kostenlose Angebot auszugleichen. Bei einer positiven Entwicklung des Angebotes sollte man versuchen, die Personen von einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Beim Cricket geht das wegen dem Wettkampfcharakter und der homogenen Gruppe tendenziell einfacher als z.B. beim Bauchtanzkurs.
Hier noch ein Hinweis zum Thema homogene Gruppen. Diese haben Vorteile aber auch Herausforderungen. Wenn ihr z.B. jetzt ein Cricket-Angebot mit einer vorhandenen Gruppe mit Migrationshintergrund bei euch im Verein implementieren wollt, hilft es sehr, wenn ihr einen Kümmerer im Verein habt (Was ein Kümmerer ist, erfährst du hier.). Dieser verbindet die Gruppe mit dem Rest des Vereins. Hierzu sollte er Räume zur Verständigung im Verein etablieren. So haben die verschiedenen Personen eine Möglichkeit sich auszutauschen und sich besser kennenzulernen. Der große Vorteil von homogenen Gruppen zu Beginn ist aber, dass sich Personen aufgrund der gleichen Sprache und Ansichten eher in der Gruppe fallen lassen können und nicht auf sich allein gestellt sind. Hierdurch habt ihr die Möglichkeit nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Gruppen für euren Verein als Mitglieder zu gewinnen. Und je nach Sportart können sich diese Gruppen dann mit der Zeit auch stärker natürlich durchmischen, so dass sie aus Personen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen besteht.

Wie starte ich?

Schaut euch einfach in der Umgebung um und stellt euch folgende Fragen:

  • Mit wem habe ich es vor Ort zu tun?
  • Wen gibt es im Einzugsbereich schon?
  • Welche Angebote gibt es bereits (auch außerhalb des Sports)?

Mit den Trägern, welche Angebote anbieten, sollte man in Kontakt treten und schauen, ob man einen Aktionstag mit eigenen Angeboten gemeinsam durchführen kann. Dieser sollte so konzipiert sein, dass er schnell auf den Weg gebracht werden kann, so dass es nicht schmerzt, falls er am Ende nicht von Erfolg gekrönt ist. Danach beginnt die Nachbereitung. Je nach Bewertung des Tages solltet ihr auf dieser Grundlage entscheiden, was die nächsten Schritte sein sollten.
Potentielle Institutionen, wo man sich für Kooperationsarbeit hinwenden kann, um Migranten für den Sport und den Verein zu begeistern sind Flüchtlingsheime (z.B. Sporttag für Geflüchtete), Jugendtreffs oder Schulen. Außerdem zeigt es sich, dass es von Vorteil ist, Eltern-Kind-Angebote im Programm zu haben und die Kinder somit früh an den Verein zu binden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich die Positionierung „Integration“ durchaus lohnen kann, aber einige Besonderheiten beachtet werden müssen, um erfolgreich zu sein. Wir hoffen, dass dir dieser Beitrag dabei hilft, dein Vorhaben umzusetzen. Im Podcast gehen wir noch einmal stärker auf gewisse Teilaspekte dieses Beitrags ein. Höre also gern rein. Falls du Fragen oder Anmerkungen haben solltest, schreibe uns gern eine E-Mail an info@vereinsstrategen.de. Und wenn du uns einen Gefallen tun möchtest, dann empfehle uns einfach weiter.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)