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Positionierung Integration: Mitglieder und Sponsoren gewinnen

Positionierung Integration: Mitglieder und Sponsoren gewinnen

Vereinsentwicklung

Positionierung ohne sportlichen Erfolg

 

Integration kann neben seiner gesellschaftlichen Wichtigkeit auch ein Weg sein, seinen Verein stärker zu positionieren und damit neue Mitglieder zu erreichen. Hierfür haben wir Roy Gündel als unseren Experten für Integration erneut in den Podcast eingeladen. Er ist Leiter des Fachbereichs Integration und Sport/soziale Arbeit beim LSB Niedersachsen. Der Beitrag ist eine Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte des Interviews.

Gleich vorneweg das Fazit: Ja, es macht Sinn, dass sich Vereine in vielen gesellschaftlichen Belangen stark positionieren. Das liegt schon in der Grundstruktur der Vereine selbst verankert. Sie übernehmen soziale Funktionen und können deswegen auch nicht unpolitisch sein. Jeder Verein sollte sich schließlich zu den Grundwerten einer liberalen Demokratie bekennen, auch wenn die meisten parteipolitisch neutral sind. Der Bereich der Integration ist deswegen besonders interessant, weil bei einer starken Positionierung Vorteile für den Verein winken. Er wird bei einem hohen Engagement als relevanter Akteur vor Ort wahrgenommen. Dies erleichtert aber auch die Zusammenarbeit in anderen Bereichen bzw. hilft eigene Belange in anderen Fragestellungen durchzusetzen.

Die Vorteile der Positionierung „Integration“

Deswegen schauen wir als nächstes einmal darauf, was passieren könnte, wenn ein Verein sich für die Positionierung im Bereich der Integration und des gesellschaftlichen Zusammenhaltes entscheidet. Grundsätzlich vertritt man mit dieser Positionierung Werte außerhalb des sportlichen Erfolgs. Diese Werte und die Menschen, die ihr damit erreicht, können für bestimmte Unternehmen vor Ort attraktiv sein. Sie wollen von eurem Image partizipieren und damit erscheint ein Vereinssponsoring möglich.
Ebenso werden aber auch die Kommunen mehr auf euch aufmerksam, da ihr einen gesellschaftlichen Mehrwert vor Ort geniert. Ihr fördert die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, bringt Menschen zusammen, fördert den sozialen Austausch und schafft für Menschen eine neue Heimat. Dies sind meist genügend Gründe für eine Kommune euch zu unterstützen bei Themen wie Hallenzeiten, Bau von neuer Infrastruktur oder auch Zuschüssen. Der sportliche Erfolg dagegen ist der Kommune egal.
Wahrscheinlich ist aber auch, dass ihr eure Mitgliederbindung erhöht. Die Mitglieder kommen nicht nur wegen dem Training zu euch, sondern vor allem wegen der Menschen. Allein für den Sport könnten sie auch woanders hingehen. Die Mitglieder finden das, wofür der Verein steht gut und unterstützenswert. Dann ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass selbst Mitglieder, welche nicht mehr in der Nähe des Vereins wohnen oder nicht mehr aktiv Sport treiben, trotzdem ihre Mitgliedschaft behalten wollen, weil sie das Engagement des Vereins im Bereich Integration unterstützen wollen.
Wenn man sich für die Positionierung „Integration“ entscheidet, muss man dies aber auch immer im Gesamtspektrum des Vereins sehen. So ist die Integrationsarbeit als die eine Positionierung auch nicht zielführend, weil man dann zu einseitig arbeitet. Man darf allerdings auch nicht zu viele Schwerpunkte setzen, weil es dann auch keine Schwerpunkte mehr sind. Hier besteht die Gefahr, dass sich Vereine übernehmen, denn häufig gehen diese Schwerpunkte auf einzelne Personen oder Personengruppen zurück. Hört eine Person im Verein auf, so kann der Schwerpunkt wegbrechen oder sich durch den Personenwechsel stark verändern. Diese Fluktuation muss bedacht werden und es muss vorher festgelegt werden, wie solche personellen Verluste aufgefangen werden. Dafür ist es aber wichtig die richtigen Prioritäten bzgl. des Gesamtvereins zu setzen. Nicht jeder Verein muss jedes Thema zu seiner Priorität erklären, viel wichtiger ist die Frage: „Was ist sinnvoll und was möchte ich?“.

Gefahren bei der Positionierung „Integration“

Die Wichtigkeit mehrere Schwerpunkte zu setzen, anstelle sich nur auf „Integration“ zu fixieren, wurde gerade schon beschrieben, aber nicht, warum die Fixierung eigentlich ein Fehler ist. In erster Linie sind alle Mitglieder in einem Sportverein Sportler. Doch wenn ein Verein sich nur auf die Integration fixiert, besteht die Gefahr, dass dieses Thema alles andere überstrahlt und Menschen auf ihre Herkunft reduziert werden. Aus Sportlern werden dann Migranten in der Wahrnehmung, also genau das Gegenteil von dem, was eigentlich gewollt ist. Hier muss am Ende entschieden werden, inwieweit trage ich diese Positionierung nach außen oder setze sei einfach im Verein um.
Eine weitere Gefahr ist, nicht ausreichend auf die Resonanz der Mitglieder zu hören. Es gibt immer Vorbehalte und Widerstände bei einer solchen Positionierung. Wichtig ist es genügend Raum für den Austausch zu geben, um interkulturelle Konflikte zu klären und zu lösen. Natürlich darf dieser Austausch nur in vorher festgelegten Grenzen erfolgen, sollte immer auf Augenhöhe erfolgen und man sollte nicht übereinander, sondern miteinander sprechen. Beachtet hier auch den entsprechenden Sprachgebrauch eurer Mitglieder. Mit dieser Resonanz kann man dann Schritt für Schritt den Verein und auch die Positionierung weiterentwickeln und festigen.

Mitgliedergewinnung durch die Positionierung „Integration“

Für die Mitgliedergewinnung ist jede Positionierung nur ein Mosaikstein unter mehreren. So sind zur Gewinnung z.B. auch die Ansprechwege, die Angebotspalette im Verein oder auch das Auftreten von Hürden beim Vereinseintritt entscheidend. Grundsätzlichist es schwierig die Wirkung von „Integration“ quantitativ zu messen, da die Datenlage in diesem Bereich eher gering ist, aber es gibt Tendenzen, dass ich mit einer klaren Positionierung durchaus Vorteile bei der Mitgliedergewinnung habe. Wenn Menschen vorher keinen Kontakt zu Vereinen hatten, es also keine Sozialisation in diesem Bereich gab, dann können Leute über ein Integrationsprojekt an den Verein herangeführt werden und über den Austausch mit den Menschen teilweise auch fest an den Verein gebunden werden.
Im Podcast wurden u.a. zwei Beispiele angesprochen, einmal ein Bauchtanzkur und ein Fahrradkurs. Diese Angebote sind sehr niederschwellig und haben in der Praxis sehr integrativ gewirkt. Der Bauchtanzkurs wurde bespielweise später sogar fest ins Vereinsportfolio aufgenommen, weil er sehr gut angenommen wurde. Ein Fahrradkurs kann dabei helfen den Aktionsradius zu erhöhen und Menschen überhaupt erst das regelmäßige Vereinstraining zu ermöglichen. Höre hier gerne noch einmal rein, wenn dich dies näher interessieren sollte.
Die Frage ist jetzt natürlich: „Wie finde ich das richtige Angebot, um Migranten zu gewinnen?“. Und hier kann man ganz klar sagen, dass auch diese Frage aufgrund der schlechten Datenlage nicht eindeutig zu beantworten ist. Fest steht aber, dass folgende Faktoren einen Einfluss haben:

  • Nicht das Angebot bindet die Personen an den Vereinen sondern die Menschen. Integration muss im gesamten Verein gedacht werden, eigene Stereotypen sollte man hinterfragen und der Verein sollte sich regelmäßig reflektieren.
  • Wie viele Migranten überhaupt in meiner Region leben, ist individuell. In Großstädten gibt es meist mehr Menschen mit Migrationshintergrund als in ländlicheren Regionen. Im ländlichen Raum kommt dazu noch das Thema der Erreichbarkeit des Vereinsgeländes. Nicht jede Person hat ein Auto, um regelmäßig zum Training zu kommen. Dies beeinflusst natürlich auch deine mögliche Positionierung im Bereich Integration und deren Umsetzung.
  • Wer sich engagiert in der Integrationsarbeit, bekommt meist mit der Zeit auch einen diverseren Verein.

Angebotsbedarf ermitteln und umsetzen

Grundsätzlich sollte man genau im Verein prüfen, ob es sinnvoll und auch realistisch ist, ein Angebot umzusetzen, was es vor Ort noch nicht gab. Nehmen wir als Beispiel Cricket. Als erstes muss man schauen, ob der Bedarf nach Cricket in der Region artikuliert wird. Da der Sport in Deutschland eher unbekannt ist, wird er vor allem von Migranten mit pakistanischen Wurzeln gespielt. Angenommen der Bedarf wird z.B. in der Flüchtlingshilfe von genügend Personen artikuliert, dann sollte man sich als nächstes mit der Tatsache des schwierigen Spielfeldes auseinandersetzen. Die typischen Maße sind in Deutschland auf Sportplätzen sehr unüblich und deswegen müsste man für diesen Sport meist ein neues Spielfeld errichten. Am besten behilft man sich hier mit provisorischen Feldern und schaut erst einmal, ob die Gruppe dauerhaft zusammenbleibt. Erst dann sollte man weitere Schritte planen und ggf. darüber nachdenken eine Abteilung zu gründen. Wichtig ist es einfach zu Beginn kreativ zu sein und neue Sachen auszuprobieren. Im Fall von Cricket hat der Zuzug von Sporttreibenden dazu geführt, dass sich die deutschen Verbandsstrukturen im Cricket weiterentwickeln konnten und deutlich stärker sind als vor der Flüchtlingskrise.
Ziel eines Vereines bleibt es aber, neue Mitglieder durch Angebote zu gewinnen. Bei allen Sportarten im Wettkampfsport ist es leichter Personen zu überzeugen. Hier ist die Mitgliedschaft eine Grundvoraussetzung zur Teilnahme am Wettkampfbetrieb. Bei den verbleibenden Sportarten sieht es anders aus. Man sollte deshalb zu Beginn bei interessierten Personen mit Migrationshintergrund keine Mitgliedschaft erzwingen. Viel wichtiger ist es, dass das Angebot am Anfang möglichst unverbindlich ist. Gebt den Personen die Möglichkeit sich auszuprobieren und sich mit dem Angebot vertraut zu machen. Für diesen Zeitraum stellt der LSB Niedersachen z.B. Fördermittel zur Verfügung um den finanziellen Aufwand für das kostenlose Angebot auszugleichen. Bei einer positiven Entwicklung des Angebotes sollte man versuchen, die Personen von einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Beim Cricket geht das wegen dem Wettkampfcharakter und der homogenen Gruppe tendenziell einfacher als z.B. beim Bauchtanzkurs.
Hier noch ein Hinweis zum Thema homogene Gruppen. Diese haben Vorteile aber auch Herausforderungen. Wenn ihr z.B. jetzt ein Cricket-Angebot mit einer vorhandenen Gruppe mit Migrationshintergrund bei euch im Verein implementieren wollt, hilft es sehr, wenn ihr einen Kümmerer im Verein habt (Was ein Kümmerer ist, erfährst du hier.). Dieser verbindet die Gruppe mit dem Rest des Vereins. Hierzu sollte er Räume zur Verständigung im Verein etablieren. So haben die verschiedenen Personen eine Möglichkeit sich auszutauschen und sich besser kennenzulernen. Der große Vorteil von homogenen Gruppen zu Beginn ist aber, dass sich Personen aufgrund der gleichen Sprache und Ansichten eher in der Gruppe fallen lassen können und nicht auf sich allein gestellt sind. Hierdurch habt ihr die Möglichkeit nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Gruppen für euren Verein als Mitglieder zu gewinnen. Und je nach Sportart können sich diese Gruppen dann mit der Zeit auch stärker natürlich durchmischen, so dass sie aus Personen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen besteht.

Wie starte ich?

Schaut euch einfach in der Umgebung um und stellt euch folgende Fragen:

  • Mit wem habe ich es vor Ort zu tun?
  • Wen gibt es im Einzugsbereich schon?
  • Welche Angebote gibt es bereits (auch außerhalb des Sports)?

Mit den Trägern, welche Angebote anbieten, sollte man in Kontakt treten und schauen, ob man einen Aktionstag mit eigenen Angeboten gemeinsam durchführen kann. Dieser sollte so konzipiert sein, dass er schnell auf den Weg gebracht werden kann, so dass es nicht schmerzt, falls er am Ende nicht von Erfolg gekrönt ist. Danach beginnt die Nachbereitung. Je nach Bewertung des Tages solltet ihr auf dieser Grundlage entscheiden, was die nächsten Schritte sein sollten.
Potentielle Institutionen, wo man sich für Kooperationsarbeit hinwenden kann, um Migranten für den Sport und den Verein zu begeistern sind Flüchtlingsheime (z.B. Sporttag für Geflüchtete), Jugendtreffs oder Schulen. Außerdem zeigt es sich, dass es von Vorteil ist, Eltern-Kind-Angebote im Programm zu haben und die Kinder somit früh an den Verein zu binden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich die Positionierung „Integration“ durchaus lohnen kann, aber einige Besonderheiten beachtet werden müssen, um erfolgreich zu sein. Wir hoffen, dass dir dieser Beitrag dabei hilft, dein Vorhaben umzusetzen. Im Podcast gehen wir noch einmal stärker auf gewisse Teilaspekte dieses Beitrags ein. Höre also gern rein. Falls du Fragen oder Anmerkungen haben solltest, schreibe uns gern eine E-Mail an info@vereinsstrategen.de. Und wenn du uns einen Gefallen tun möchtest, dann empfehle uns einfach weiter.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Mitgliedschaftsmodelle vom Profisport in der Analyse

Mitgliedschaftsmodelle vom Profisport in der Analyse

Lernen vom Profisport

Lebenlange Mitgliedschaft in deinem Verein?

 

Ein Element, was es sowohl in einem Verein des Profisports als auch des Breitensports gibt, sind die Mitgliedschaften der Vereinsmitglieder. Einige Vereine in der Fußballbundesliga haben allerdings mehr als 100.000 Mitglieder, was für einen normalen Verein des Breitensports unvorstellbar ist. Machen die Profivereine also etwas besser? Genau darum soll es in diesem Betrag gehen.

Jeder Verein ist in seiner Mitgliederstruktur etwas anders aufgestellt. Wir stellen euch die Struktur beispielhaft einmal für den Verein von Pascal vor:

  • Normale Mitgliedschaft zzgl. Abteilungsbeiträge berechtigen zur Sportteilnahme
  • Passive Mitgliedschaft ohne Sportteilnahme
  • Mitgliedschaft Kinder und Jugendliche zzgl. Abteilungsbeiträge berechtigen zur Sportteilnahme
  • Familienmitgliedschaft (2 Erwachsene und min. ein Kind) zzgl. Abteilungsbeiträge
  • Mitgliedschaft im Förderverein

Wahrscheinlich kennst du die meisten Elemente auch aus deinem Verein. Vergleichen wir das doch jetzt einmal mit dem Profisportbereich. Im Schwerpunkt haben sich drei Mitgliedschaftsmodelle herausgebildet. Das ist einmal die Vollmitgliedschaft (dazu gehört auch die Familienmitgliedschaft), die Fördermitgliedschaft und die lebenslange Mitgliedschaft. Eine Probemitgliedschaft gibt es nicht und die Mitgliedschaft wird immer für ein Jahr abgeschlossen.

Die drei Mitgliedschaftsmodelle im Vergleich

Der Anreiz, warum Mitglieder in einen Profisportverein eintreten, unterscheidet sich zum Teil stark vom Breitensport – jeder denkt sofort an das „FAN-SEIN“. Ein Mitglied was von einem Verein Fan ist, möchte meist keinen Sport treiben, aber öffentlich Teil der Vereinsgemeinschaft sein. Für dieses Mitglied bietet sich die Fördermitgliedschaft an. Sie ist zum einem kostengünstiger als die Vollmitgliedschaft, zum anderen bietet sie alle Benefits, welche einen Fan interessieren. Das sind z.B. Vorkaufsrechte für Karten, Rabatte im Fanshop, Einkaufsrabatte beim Sponsor, Erhalt des (digitalen) Mitgliedermagazins oder Willkommensgeschenke. Etwas überspitzt gesagt, ist eine Fördermitgliedschaft vergleichbar mit einer Kundenkarte, um exklusive Inhalte zu bekommen – denn ein Wahlrecht auf der Mitgliederversammlung hat man mit dieser Art Mitgliedschaft nicht.

Die Vollmitgliedschaft ist vergleichbar mit der vorhin erwähnten normalen Mitgliedschaft. Man hat also das Recht in einer bestimmten Abteilung Sport zu treiben. Ein zusätzlicher Abteilungsbeitrag ist eher unüblich. Manche entscheiden sich für einen Profisportverein, weil sie in „ihren Farben“ in der 3. oder 4. Mannschaft spielen und trainieren wollen. Im Jugendbereich haben Kinder und Jugendliche vor allem das Ziel später einmal den Sprung zum Profi zu schaffen und finden dafür sportlich perfekte Bedingungen vor. Doch auch in den anderen Abteilungen in einem Profisportverein bieten sich interessante Möglichkeiten, denn durch die professionellen Strukturen und die gute Finanzausstattung gibt es meist die Möglichkeit, auch in den anderen Sportarten höherklassig zu spielen. Ein ganz klassisches Training ohne hohe sportliche Ambitionen ist natürlich auch möglich. Bei einer Vollmitgliedschaft gibt es grundsätzlich die gleichen Benefits wie bei einer Fördermitgliedschaft, allerdings ist man stimmenberechtigt bei der Mitgliederversammlung.
Allerdings muss man sagen, dass neue moderne Sportarten selten in einen Profisportverein aufgenommen werden und dass die meisten Vereine deswegen keine Innovationsführer in diesem Bereich sind. Selbst das Thema E-Sports, was die Fußballclubs immer mehr für sich entdecken, wird vor allem auf dem Spitzenniveau betrieben. Eine Umsetzung für die normalen Vereinsmitglieder mit Training und Wettkämpfen ist meist nicht vorgesehen. Und auch in der Breite ist der E-Sports meist auf Sportsimulationen begrenzt und grenzt damit den Großteil der Gaming-Szene aus. Man muss sich dabei einfach vergegenwärtigen, dass 100.000 Mitglieder auch 100.000 Kundenkontakte für Sponsoren sind und deswegen auch der Fokus eher darauf liegt. Der Bedarf weitere sporttreibende Vollmitglieder zu gewinnen ist begrenzt, weil auch die infrastrukturellen Kapazitäten des Vereins begrenzt sind.

Eine Form der Mitgliedschaft, welche eher ungewöhnlich ist, ist die lebenslange Mitgliedschaft. Bei dieser handelt es sich um eine Mitgliedschaft, wo man einmalig einen hohen Betrag bezahlt und dann bis zum letzten Tag im Leben Mitglied im Verein ist. Meist liegt dieser einmalige Mitgliedsbeitrag zwischen dem 10 bis 12fachen des Mitgliedsbeitrages einer nicht ermäßigten Vollmitgliedschaft. Als Gegenleistung erhält man alle Privilegien der normalen Vollmitgliedschaft und weitere exklusive Benefits. Das können z.B. exklusive Feiern sein oder das Treffen mit Vereinslegenden. Auch wenn diese Mitgliedschaft zum lebenslangen Sporttreiben im Verein berechtigt, werden die meisten Personen diese vor allem aus dem Fan-Gedanken heraus abschließen.
Neben der reinen Mitgliedschaft sollte dahinter aber auch ein ganzheitliches Konzept im Verein stehen. Wenn das Prinzip lautet von der Geburt bis zum letzten Tag, muss sich auch das entsprechende Angebot im Verein finden. Im Baby- und Kleinkinderzeitraum sind z.B. solche Leistungen denkbar, wie Geburtsvorbereitungskurse, Babyschwimmen oder Kinderturnen. Ggf. gibt es sogar eine bevorzugte Aufnahme in einen Kindergarten, wo der Verein der Träger der Einrichtung ist. Ziel muss es sein, dass sich Kinder und Eltern langfristig mit dem Verein identifizieren können. Anschließend kommt der normale Jugend- und Erwachsenensport. Hier kommt es natürlich vor allem auf die Breite des Sportangebotes und dessen Qualität an, um dem lebenslangen Konzept entsprechend Rechnung tragen zu können. Der letzte Lebensabschnitt ist das Seniorenalter. Hier sollte Wert auf Gesundheitssportarten und ein angepasstes Sportprogramm gelegt werden, aber auch ein Veranstaltungskalender mit Ausflügen sollte nicht fehlen. Gerade viele Senioren haben die Gefahr, dass sie vereinsamen und sind bereit auch für Unternehmungen zusätzlich zu zahlen.

Mitgliedermodelle im Breitensport umsetzen

Nachdem wir uns einmal die Mitgliedschaften im Profisport angeschaut haben, wollen wir schauen, was wir davon in den Breitensport übertragen können. Fördermitgliedschaften z.B. haben bereits einige Vereine. Hier musst du dich immer fragen, wieso sollte diese Mitgliedschaft jemand bei dir im Verein abschließen. Entweder er ist Fan, er findet deine Arbeit gut und will dich unterstützen oder er ist nur noch passiv und nimmt keine Angebote mehr wahr. Versuche ihn aber auch ein paar echte Vorteile zu geben. So kannst du darüber nachdenken eine Kooperation mit lokalen Unternehmen, wie Supermärkten, Handwerkern oder Sportläden einzugehen Das ist eine echte WIN-WIN-Situation, der Sponsor bekommt etwas Werbung und ggf. noch zusätzlichen Umsatz und das Fördermitglied bekommt Rabatte beim Einkaufen. Auch eine Einladung des Fördermitglieds zur Weihnachtsfeier oder anderen Feiern sollte nicht fehlen, so haltet ihr den Kontakt und die Kommunikation aufrecht. Dort könnt ihr auch gut zeigen, was die Gelder der Fördermitglieder alles Gutes bewirken. Oder es gibt einen E-Mailsnewsletter, welchen nur Förderer des Vereins erhalten. Deinen Ideen sind da keine Grenzen gesetzt, versuche nur sinnvollen Mehrwert zu generieren, denn man muss ehrlich sagen, dass eine hohe emotionale Bindung, wie z.B. bei einem Profifußballverein eher selten ist. Wenn du gerne möchtest, dass ein bestimmter Zweck bei euch unterstützt wird wie die Jugendarbeit, dann richtet dafür ebenfalls eine Fördermitgliedschaft ein. Hier finden Fördervereine ihre inhaltliche Berechtigung.

Doch kann man auch das Modell der lebenslangen Mitgliedschaft gut im Breitensport umsetzen? Also sinnvoll erscheint es, wenn ihr ein ganzheitliches lebenslanges Konzept in diesem Bereich habt oder euch vorstellen könnt, dieses umzusetzen. Wir glauben, dass sowohl das Konzept als auch die Mitgliedschaft selber das Mitglied emotional stärker bindet. Grundsätzlich kann auch die hohe einmalige Zahlung von mehreren Mitgliedern zu einem Zeitpunkt sinnvoll sein, nämlich wenn ihr z.B. aufgrund einer Renovierung einen erhöhten Eigenkapitalbedarf habt. Aber diese kurzfristige Liquidität geht natürlich zulasten von zukünftigen Zahlungsströmen. Gleichzeitig habt ihr das Mitglied ein Leben lang als „Kostenfaktor“. Ob sich das lohnt, kommt am Ende auf den Einzelfall an. Wenn junge Leute diese Mitgliedschaft z.B. von ihren Großeltern geschenkt bekommen haben und dann wegziehen, hat der Verein am Ende effektiv mehr eingenommen. Wenn ihr in eurem Verein also eine hohe Fluktuation habt, lohnt es sich. Gleichzeitig könnt ihr aber auch so die Bindung erhöhen, weil die Motivation des Wechsels zu einem anderen Verein deutlich geringer ist. Auch kann man das finanzielle Risiko senken, indem man sagt, dass zwar die Mitgliedschaft nur einmal gezahlt werden muss, aber der Abteilungsbeitrag weiterhin normal erhoben wird, wenn es diesen bei dir gibt.

Weitere Tipps aus dem Profisport

Wenn dein Verein sowieso darüber nachdenkt das Mitgliedermanagement umzugestalten, überprüft auch einmal eure Zahlarten. Viele Vereine setzen auf die SEPA-Lastschrift, doch diese hat den Nachteil, dass es immer wieder Mitglieder gibt, wo sie platzt oder zurückgezogen wird. Das schafft neben zusätzlichen Aufwand auch zusätzliche Kosten. Überlegt deshalb, ob es für euch sinnvoll sein kann, auf sichere Zahlarten, wie Kreditkarten, PayPal oder Klarna umzusteigen. Abhängig von der individuellen Vereinssituation muss man hier vorher prüfen, ob es eine Ersparnis gibt.
Der zweite Tipp betrifft den Vertragsabschluss der Mitgliedschaften. Häufig werden diese noch ausgedruckt, unterschrieben und beim Verein eingereicht. Das ist für den Verein zwar rechtssicher, aber zum einem werden die wenigsten Vereine offene Mitgliedsbeiträge aufgrund der Kosten zum Anwalt geben, zum anderen werden gerade potentielle Fördermitglieder außerhalb eurer Region abspringen, wenn sie feststellen, dass sie den Antrag jetzt auch noch zum Briefkasten bringen müssen. Deswegen lasst eure Mitgliedsbeiträge online ausfüllen und „unterschreiben“, das macht auch im Sinne der zunehmenden Digitalisierung der Vereine Sinn. Falls ein Mitglied dann nicht zahlt, lasst ihr es einfach wieder austreten. Für viele andere potentielle Mitglieder ist der Beitritt aber deutlich niederschwelliger und ihr generiert somit mehr Einnahmen.

Wir hoffen wir konnten dir wieder einige Inspirationen liefern, wie du deinen Verein strategisch ausrichten kannst. Wenn du Fragen z.B. zur lebenslangen Mitgliedschaft hast, dann schreibe uns gern eine E-Mail an info@vereinsstrategen.de. Wir freuen uns von dir zu hören.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Deine Checkliste für mehr Ehrenamtler

Deine Checkliste für mehr Ehrenamtler

Ehrenamtsgewinnung

Vier elementare Maßnahmen

 

Im heutigen Beitrag wollen wir Dir vier Punkte präsentieren, welche du beachten solltest, wenn du Ehrenamtliche für deinen Verein gewinnen willst. Einige wenige Inhalte haben, wir bereits in anderen Beiträgen erwähnt, wollen sie hier aber noch einmal kompakt zusammenfassen und in ihrer Ganzheitlichkeit wirken lassen.
Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr verändert. Die gefühlte Zeitknappheit und die gesteigerte Mobilität (z.B. Studium, Jobwechsel) der Menschen sind dabei für Vereine besonders entscheidend. Dazu kommt, dass unsere Gesellschaft immer mehr Dinge anbietet, welche die Menschen in ihrer knappen Zeit auch intensiv konsumieren möchten. So wird ein Verein zunehmend wie ein Fitnessstudio gesehen – als reiner Dienstleister. Man zahlt seinen Betrag und kann dann Sport konsumieren. Aber unser Ziel als Vereinsstrategen muss sein, dass wir aus dieser Sicht ausbrechen und neue Personen für ein Ehrenamt gewinnen wollen.

Grundsätzlich gibt es dafür zwei Strategien, die wir hier vorstellen wollen für deinen Verein:

  • Du suchst dir Leute, die schon in deinem Verein Mitglied sind, sich aber bisher nicht engagieren. Das ist besonders gut, wenn das gesuchte Aufgabenprofil eine gewisse Vereinskenntnis verlangt. Bsp.: Sportwart für Volleyball
  • Du kannst dir aber auch Leute suchen, die nicht in deinem Verein sind und nichts mit der bisherigen Vereinsarbeit zu tun haben. Das bietet sich an, wenn neue Kenntnisse und Fähigkeiten gebraucht werden, die bei dir im Verein so nicht vorhanden sind. Bsp.: Programmierer für eine Vereins-App oder neue Übungsleiter, weil du eine Abteilung eröffnen möchtest

Wichtig ist nur, wenn du externe Person ansprichst, solltest du ihnen wirklich gute Argumente liefern, warum sie sich auch ehrenamtlich engagieren sollten. Deswegen macht es aus unserer Sicht auch Sinn, erst einmal zu schauen, was ist vereinsintern möglich und erst im zweiten Schritt den Blick auf Externe zu lenken.
Neben diesen beiden Herangehensweisen gibt es aus unserer Sicht vier elementare Dinge, die du beachten solltest und welche in den der modernen Arbeits- und Lebenswelt unerlässlich sind, um Ehrenamtler zu gewinnen.

1. Gute Rahmenbedingungen schaffen

Die Rahmenbedingungen in deinem Verein müssen für die Freiwilligen stimmen und den individuellen Anforderungen des Einzelnen entsprechen. Das klingt vielleicht im ersten Moment etwas kompliziert, weil du kannst es ja nicht jedem Recht machen. Aber ob du es glaubst oder nicht, die Bedürfnisse sind zum Großteil deckungsgleich bei den Personen. Du musst natürlich ein paar Sachen beachten, damit deine Ehrenamtlichen am Ende auch glücklich sind. Aber was bedeutet das konkret?

– Das Thema „Wertschätzung zeigen“ für die geleistete Arbeit des Ehrenamtlers ist essentiell. Das solltest du sowohl im Verein selber leben (Innenverhältnis), als auch in deiner Öffentlichkeitsarbeit nach außen darstellen. Bedenke, dass Wertschätzung das Gut ist, was mit Geld nicht aufzuwiegen ist, und was vielen Ehrenamtlichen bei ihrer beruflichen Arbeit fehlt.
– Dazu gehört auch, dass die Leute kein eigenes Geld für den Verein mitbringen sollten. Sie spenden immerhin schon ihre Zeit für dich und können vielleicht auch eine Entschädigung von dir erwarten. Überlege dir einfach mal, wie teuer wäre es denn, wenn du die Leistung extern einkaufen müsstest?
– Weiterhin wichtig ist die Transparenz im Verein, was man auch als offenen Kommunikationskultur bezeichnen könnte. Es ist immer klar, wer macht im Verein gerade welche Aufgabe und alle Personen reden offen miteinander über Probleme. Nur so kannst du den Spaß für die Helfer erhalten.
Im Beitrag „Was du Ehrenamtlern bieten solltest“ haben wir dieses Thema noch einmal deutlich ausführlicher behandelt.

2. Persönliche Ansprache prüfen

Der zweite Punkt ist die konkrete und direkte persönliche Ansprache. Das ist deutlich besser, als wenn du jedes Mal E-Mails an einen Verteiler schickst oder in einer What´s-App-Gruppe fragst, wer einem helfen kann. Seien wir mal ehrlich, wann hast du das letzte Mal auf so etwas geantwortet? Die Freiwilligen wollen ein Stück weit das Gefühl bekommen, dass sie und zwar genau sie gebraucht werden. Deswegen ist die persönliche Ansprache zu bevorzugen. Überlege dir daher, welchen Kommunikationskanal du wählst und wie du die Mitglieder darüber ansprichst. Ganz altmodisch könntest du natürlich einen Brief schreiben. Oder du nutzt einen moderne Messenger-Dienst oder eine App. Je nachdem, was zu deinen Mitgliedern am besten passt, musst du vielleicht auch unterschiedliche Kanäle benutzen. Es gibt also nicht die Lösung und den Kanal, den wir hier empfehlen können. Dazu ist dein Verein zu individuell und deine Umgebung zu speziell.
Allerdings kann man sagen, Helfermanagement ist zeitaufwendig und daher braucht es in deinem Verein auch einen Zuständigen, der sich am besten nur um dieses Beziehungsmanagement mit deinen Ehrenamtlichen kümmert. Dieser sollte dann auch eine kleine Helferdatenbank pflegen, wo die aktivsten Mitglieder mit ihren Fähigkeiten erfasst sind. Diese können dich unterstützen, um dein Vereinsziel zu erreichen. Am Ende sind diese aktiven Mitglieder doch eigentlich die wertvollsten, weil sie den Verein am Laufen halten. Nimm dir daher auch die Zeit, die neuen Engagierten kennenzulernen, um ihre individuellen Bedürfnisse herauszufinden und passgenaue Engagementangebote für sie zu schaffen.

3. Flexible Engagementangebote schaffen

Die flexiblen Engagementangebote sind der dritte Punkt. Wir haben schon über Projekte wie das J-Team für Jugendliche berichtet (Junge Ehrenamtler und das J-Team). Aber wie wäre es denn zusätzlich mit einem S-Team, also ein Team, welches aus Senioren besteht. Die Idee hinter dieser Arbeitsform ist, dass diese Teams eigenverantwortlich agil in Gruppen arbeiten und nur durch einen Mentor entsprechend unterstützt werden. Zum Beispiel könnten Senioren eine Projektgruppe machen zum Thema Gesundheitssport, um selber das Angebot aufzubauen, was sie sich wünschen. Oder es gibt eine eigene Technikgruppe, wo Senioren sich austauschen können und man prüft, wie man möglichst niederschwellige digitale Angebote für Senioren schafft.
Die Idee der Projekte ist es, Themenschwerpunkte zu bearbeiten. Die Mitarbeit ist für alle Interessierten offen, auch für Personen außerhalb des Vereins. Die Projekte haben dabei, wie wir es aus dem agilen Projektmanagement kennen (SRUM-Methode im Verein) einen klar definierten Anfangs- und Endpunkt. Eine Idee für ein solches Projekt wäre beispielsweise, dass man eine Kooperation mit einer Ganztagsschule eingeht. Dort könnte man eine AG gründen, um Vereinsthemen vorantreiben. So könnte eine E-Sports-Abteilung im Verein aufgebaut werden oder eine MTB-Strecke auf eurem Vereinsgelände entstehen. Interessierte Jugendliche hätten da garantiert Lust drauf, weil das Themen sind, die ihren Präferenzen entsprechen und sie später ggf. auch selber nutzen wollen.
Eine weitere Frage, die du dir stellen musst, ist: Kann man sich bei dir einmalig im Verein engagieren oder geht man gleich einen Bund fürs Leben ein, weil man sich einmal bei dir im Verein ehrenamtlich engagiert hat?

Die Lebenssituation bei den Mitgliedern ändert sich ständig. Einige Leute machen ihren Schulabschluss und gehen studieren in eine andere Stadt. Am Wochenende fahren sie dann in die Heimat, wollen sich im Verein, wo sie schon länger aktiv sind, weiter einbringen. Wie sollte man damit umgehen, schließlich ist dies keine leichte Situation für den Verein, wie auch für den Ehrenamtler? Viel besser wäre es doch für beide Seiten, wenn der Ehrenamtler gar nicht vor Ort sein muss, um deinen Verein zu unterstützen. Das Stichwort lautet digitale Medien. Wir würden empfehlen schaltet Leute für Sitzungen zum Beispiel virtuell hinzu, so sind alle daran beteiligt, um den Verein weiterzuentwickeln.
Dann gibt es natürlich auch noch Lebensphasen, wie Hausbau oder Familienplanung, wo sich auch die Bedürfnisse der Ehrenamtler verändern. Du solltest auch hier vorbereitet sein, um sie nicht zu verlieren. Eltern werden in den ersten Jahren definitiv weniger Zeit haben, um sich einzubringen. Hatten sie vorher eine ehrenamtliche Aufgabe, wirst du froh sein, wenn du zum Beispiel auf eine Stellvertreterregelung oder auch auf Teamlösungen zurückgreifen kannst, also quasi die Möglichkeit des Jobsharings nutzt. Der grundsätzliche Vorteil dieser Modelle ist, dass Aufgaben flexibel erledigt werden können und die Ehrenamtlichen können sich bei Bedarf ein bisschen zurückziehen, wenn sie einmal weniger Zeit haben. Und noch ganz wichtig bei dem Thema Familienplanung, den du immer bedenken solltet. Durch die Tatsache eine Familie zu sein, ziehen sich die Eltern durch Kinder auch mehr zurück in ihren eigenen privaten Bereich. Man geht nicht mehr weg, trifft weniger Freunde etc. Hier kann dein Verein ein guter sozialer Kontaktpunkt sein zu anderen Familien. Selbst wenn diese Eltern vielleicht 5 oder 6 Jahre oder länger sich nicht engagieren können, sind sie trotzdem sehr wertvoll für den Verein, weil sie zum einem Vereinmitglieder bleiben und zum anderen auch ihre Kinder an euren Verein heranführen, wenn sie zufrieden sind. Angebote direkt an Eltern gerichtet wie Babyschwimmen, Krabbelgruppe und Babyturnen, können dies unterstützen.
Und dann gibt es natürlich noch die letzte Phase, nämlich die des Renteneintritts. Das heißt, wir haben jemanden, dem seine sinnstiftende Arbeitsaufgabe von einem auf den anderen Tag entzogen wird. Aber gibt es da vielleicht Möglichkeiten in deinem Verein, dass er Aufgaben übernehmen kann? Man muss ja nicht jeden Rentner direkt zum Vorstandsmitglied machen. Die meisten wollen das nämlich gar nicht. Aber man kann sicherlich flexiblere Möglichkeiten schaffen, um Interessen und Fähigkeiten der Neurentner gewinnbringend für dich und für die verschiedenen Projektgruppen einzusetzen.
Egal in welchem Lebensabschnitt dein potentieller neuer Ehrenamtler ist, gestalte die Engagementangebote möglichst niederschwellig. Das heißt, du musst nicht gleich jemanden zum Trainer ernennen, es kann auch ausreichend sein jemanden zum Co-Trainer zu ernennen. Oder es gibt ein Mentoringprogramm für die neuen Übungsleiter und Trainer, damit diese erst einmal in die wichtigsten Grundlagen und Strukturen eingeführt werden. Darüber hinaus empfehlen wir auch immer eine Schnupper-Phase für neue Ehrenamtler. Du kannst es dir, wie eine Art Probezeit vorstellen, wo die Neulinge entscheiden können, ob die Aufgabe zu ihnen passt und ob sie ihnen Spaß machen. Damit nimmst du ihnen nämlich auch die Angst, dass sie sich sofort gebunden und von neuen Sachen überfordert fühlen könnten.

4. Modernes gemeinschaftliches Arbeiten ermöglichen

Der vierte Punkt betrifft die Förderung des gemeinschaftlichen und kollaborativen Arbeitens. Die Digitalisierung kann dir auch die Vereinsarbeit ein bisschen vereinfachen. Das geht ein Stück weit in die bereits beschriebene Richtung der Flexibilisierung, aber aus unserer Sicht sogar noch ein Stück weiter. Durch dieses gemeinschaftliche Arbeiten in Form von Videokonferenzen, über Cloud-Services oder über die Möglichkeit, dass Leute Social Media nutzen, gibt es neue Möglichkeiten der gemeinsamen Arbeit. Viele Arbeiten können dezentral erledigt werden und du schaffst somit Hürden für potentielle Ehrenamtliche ab. So können über einen Datenaustausch per Cloud alle Vereinsmietglieder auf dem neusten Stand bleiben und haben immer die aktuellsten Dokumente zur Verfügung.
Der zweite Aspekt sind die digitalen Teams und Projektgruppen, welche durch die Videokonferenzen ermöglicht werden. Wenn jemand zum Beispiel nicht vor Ort sein kann, aber trotzdem sein Know-How einbringen möchte, wäre diese Variante sicherlich sinnvoll. Projektmanagement-Tools wie zum Beispiel Slack oder Microsoft Teams machen die gesamte gezielte digitale Kommunikation einfacher und übersichtlicher. Es gibt auf dem Markt auch unzählige andere Tools.
Schlussendlich kommt man auch in Vereinen immer mehr zur Überzeugung, dass die Digitalisierung nicht mehr zu stoppen ist. Die erste Stufe der Digitalisierung haben die meisten Vereine schließlich schon hinter sich und viele erkennen dadurch auch die enormen Vorteile. Heute führt hoffentlich kein Kassenwart sein Kassenbuch noch mit Stift wie in den 80er Jahren, sondern vieles davon läuft online oder digital. Vereine stehen allerdings schon vor dem nächsten Schritt der Digitalisierung, auch wenn das Ganze ggf. noch nicht so für einen selber greifbar ist. Die jüngeren Engagierten wachsen mit der neuen Technik auf und sind daher zum Teil deutlich affiner dafür. Nutze das also und probiere einfach ein paar Sachen aus. Bedenke, was für Berufseinsteiger heute noch neu ist, ist in 5 Jahren bereits der Standard. Du solltest also diese Entwicklung nicht verschlafen.

Wir hoffen, dass wir Dir mit diesen vier Punkten Anregungen geben konnten, wie du die Gewinnung von Ehrenamtlichen in deinem Verein voranbringen kannst. Schreib uns gerne, wenn du Fragen hast oder uns von deiner persönlichen Erfolgsgeschichte erzählen möchtest. In zukünftigen Beiträgen werden wir dann auf einzelne Tools eingehen, welche du in deinem Verein zur Umsetzung der Ehrenamtsgewinnung einsetzen kannst.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)