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Zukunftsaufgabe: Nachhaltigkeit im Verein

Zukunftsaufgabe: Nachhaltigkeit im Verein

Vereinsentwicklung

Aktionismus ist ein Fehler

 

Nachhaltigkeit ist ein Thema, welches in den letzten Jahren noch einmal verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Medien bringen beinahe täglich Nachrichten über CO2-Werte, Umweltverschmutzung oder Klimaerwärmung. Doch der Umweltaspekt ist nur ein Bereich von Nachhaltigkeit. Um uns das einmal im Gesamtkontext des Sportes anzuschauen, haben wir uns Vanessa Nord in den Podcast eingeladen. Als studierte Sportmanagerin hat sie sich als Beraterin für Nachhaltigkeitsthemen selbstständig gemacht. Der Beitrag stellt eine Zusammenfassung des Interviews dar.

Nachhaltigkeit – Was ist das?

Man kann den Begriff „Nachhaltigkeit“ grundsätzlich in drei Bereiche unterteilen:

  • Soziale Gerechtigkeit
  • Ökonomischer Bereich
  • Ökologischer Bereich/Umweltverträglichkeit

Traditionell sind Vereine im Bereich der sozialen Gerechtigkeit als stark anzusehen. Schon in den Satzungen ist dies festgelegt. Sie kümmern sich um Themen, wie Gleichberechtigung, Fairness, ein geselliges Miteinander oder auch Integration.
Der ökonomische Bereich umfasst beim Verein schwerpunktmäßig das Ziel, dass die Finanzen so aufgestellt sind, dass langfristig gewirtschaftet werden kann und auch aus rechtlich-steuerlicher Sicht keine unnötigen finanziellen Risiken eingegangen werden. Häufig gibt es in diesem Bereich bei Vereinen schon Schwierigkeiten, weil das Finanzpolster nicht so üppig ist. Meistens begründet dieses Problem auch die Zurückhaltung in der Vereinsführung für den Umweltaspekt.
Die Beschäftigung mit dem ökologischen Bereich für Vereine und Verbände sollte allerdings trotzdem mehr in den Fokus rücken. Durch die „Fridays for Future“-Bewegung sollte den meisten Personen bewusst geworden sein, welche hohe Bedeutung das Thema für junge Menschen hat. Für sie ist Umweltschutz selbstverständlich. Vielleicht hast du selber bei dir im Verein Jugendmannschaften, wo das Thema immer wieder angesprochen wurde.
Wenn man sich als Verein mit dem Thema auseinandersetzt, kann man meist auch deutlich leichter junge Menschen von einer Mitgliedschaft oder einer ehrenamtlichen Arbeit überzeugen. Das Verständnis des Vereins deckt sich dann mehr mit der Überzeugung der (neuen) Mitglieder. Dafür ist es aber notwendig, dass Vereine jetzt ins Handeln kommen und nicht nur darüber diskutieren.
Der Profisport vor allem der Profifußball muss laut der Ansicht von Vanessa Nord beim Thema Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle übernehmen, da er eine hohe Strahlkraft hat und somit auch motivieren kann. Es gibt aber bisher noch keinen Profiverein, der komplett nachhaltig ist. Zwar gibt es schon einzelne Maßnahmen und erst Schritte, doch es gibt noch einige ungelöste Punkte, wie beispielsweise die Mannschaftsanreise per Flugzeug. Doch wie die großen Vereine sollten sich auch Breitensportvereine erst einmal ein Konzept überlegen mit ihren Zielen, die sie erreichen wollen, anstatt mit einzelnen Maßnahmen zu starten.

Start in den Nachhaltigkeit

Vielen Vereinsvertreter denken, man muss alles von Anfang nachhaltig gestalten, wenn man sich für dieses Thema z.B. im Rahmen einer Positionierung entscheidet. Doch das ist ein Trugschluss. Nachdem man sich eine Vision sich überlegt hat, also gesagt hat „Was möchte ich erreichen?“, sollte man am besten überlegen, was sind Dinge, welche ich erst einmal kurzfristig umsetzen kann. Dafür sollte man die Auswirkungen seines Handelns überdenken. Bekannte Beispiele sind die Müllreduktion und -trennung oder die Bildung von Fahrgemeinschaften zu Auswärtsspielen. Den größten Hebel haben Vereine aber sicherlich bei Investitionsprojekten. Das umfasst Themen wie den Kauf von nachhaltigen Sportklamotten, Sportgeräten, die Sportinfrastruktur (z.B. Kunstrasenplätze wegen dem Thema des Mikroplastiks) oder Photovoltaikanlage auf dem Dach des Vereinsheims. Dazu gehört aber im Bereich der sozialen Gerechtigkeit z.B. auch die deutliche Reduzierung der Mitgliedsbeiträge oder Eintrittspreise für benachteiligte Kinder. Eines sollte man sicher aber bewusst werden – Nachhaltigkeit ist ein langfristiges also im Aufbau mehrjähriges Projekt. Die Überlegung, was kann ich zur nächsten Veranstaltung noch schnell zu dem Thema einbauen, zeugt eher von kurzfristigen Aktionismus als von einer langfristigen Strategie. Seid im Verein ehrlich zu euch, ob ihr das Thema im Verein nur verwaltet oder weiterentwickelt.
Für eine Positionierung kann man auch darüber nachdenken, ob man sich als Verein zertifizieren möchte. Schließlich kann man diese besser in der Öffentlichkeit präsentieren – als die Aussage, dass man jetzt nachhaltig ist. Aber hier sollte man sich genau die Frage stellen, ob man die finanziellen Ressourcen für die Zertifizierung opfern sollte, anstelle sie in eine weitere Nachhaltigkeitsmaßnahme zu stecken. Was man allerdings als Richtlinie für seinen Verein verwenden kann, ist die Orientierung an den Kriterien einer Zertifizierung. Dadurch kann man abgleichen, was man vielleicht selber im Verein schon umgesetzt hat, was noch nicht und was man vielleicht schon über eine Zertifizierung hinaus unternimmt. Grundlage für eine Umsetzung einer Positionierung „Nachhaltigkeit“ ist natürlich, dass die Mitglieder im Verein sich dies auch wünschen. Nutzt hierfür das Potential, was im Verein in Form der Mitgliedererfahrungen schlummern. Einige Personen mussten sich im Zuge ihres Berufes oder in der Freizeit sicherlich schon einmal mit dem Thema auseinandersetzen. Hebe dieses Wissen bei dir im Verein!

Greenwashing

Die Gefahr von Greenwashing ist im Sport genauso wie in anderen Wirtschaftszweigen hoch und kommt auch häufig vor. Das liegt daran, dass das Thema häufig mit viel Aktionismus behandelt wird, aber vorher kein konkreter Plan ausgearbeitet wird (siehe oben Vision). Bäume pflanzen in Afrika ist so ein Beispiel. Besser ist es sich zu überlegen, wie man das Thema langfristig angehen möchte. Wenn man seine Arbeit z.B. sichtbar machen und das Bewusstsein seiner Mitglieder erhöhen möchte, macht es mehr Sinn eine Blumenwiese in der Nähe des Vereinsheim anzupflanzen, um dem Insektensterben entgegenzuwirken.
Außerdem sollte man sich immer der Gefahr bewusst sein, dass eine „Lüge“ in Bezug auf Nachhaltigkeit immer wieder auch aufgedeckt werden kann. Die Menschen sind deutlich informierter als früher und das Internet bietet diverse Möglichkeiten Sachverhalte zu überprüfen. Der Imageverlust gegenüber Mitglieder oder auch Sponsoren beim Aufdecken einer solchen Lüge sollte man nicht unterschätzen.

Perspektive für einen Skiverband

Jede Sportart hat einen unterschiedlichen Einfluss auf das Thema Nachhaltigkeit. Der Skisport zählt sicherlich nicht zu den Musterschülern. Der Umweltaspekt mit der Nutzung von Schneekanonen und der Zerstörung der Landschaft ist den meisten bewusst. Aber wenn es man es durch die Brille der sozialen Gerechtigkeit betrachtet, ergeben sich ebenfalls Probleme. Skisport wird ein immer teurer und ein damit elitärer Sport, den sich eine Durchschnittsfamilie nur noch schwer leisten kann. Das erzeugt für die Skiverbände das Problem, wie sie für die Sportart überhaupt noch junge Athleten gewinnen soll. Aus diesem Grund hat Vanessa Nord mit dem hessischen Skiverband und dessen Jugend ein Projekt gestartet. Der 1. Schritt war die Erstellung der Vision. Diese hat nur zwei Sätze und zwei Hauptziele. Zum einem sollen die Mitglieder und anderen Interessensgruppen über das Thema Nachhaltigkeit informiert und gebildet werden, zum anderen geht es auch darum als Verband und Sportart nachhaltiger zu werden und deswegen konkrete Projekte umzusetzen. Die Informationspolitik wird aktuell vor allem über Instagram umgesetzt, weil man auch eine junge Zielgruppe ansprechen möchte. Der Skiverband erhofft sich über diesen Weg auch neue Engagierte für die diversen Projekte in dem Themenfeld zu gewinnen. Wie meistens leidet der Verband nämlich darunter, dass er bisher nur die Menschen für das Thema ansprechen konnte, welche sich bereits regelmäßig engagieren. Außerdem sollen über diesen Kanal auch die Nachhaltigkeitsfortschritte präsentiert und gezeigt werden, um neue Leute für das Thema zu motivieren und ihnen zu zeigen, dass etwas vorangeht und sich ändert. Dabei achtet der Verband auf flache Hierarchien und zeitlich begrenzte Arbeitspakete (lies hier noch mal, wie man Ehrenamtsarbeit organisieren sollte).

Wenn man sich noch einmal mehr mit dem Thema beschäftigen möchte, empfiehlt Vanessa Nord die Internetseite zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN. Hier kann man bereits gut reflektieren, was die Umsetzung von gewissen Zielen für deinen Verein bedeuteten würde. Schaut euch bevor ihr mit der genauen Umsetzung anfangt, auch die Förderungsmöglichkeiten durch die verschiedenen Verbände an. Hier gibt es aktuell ein breites Angebot.

Wir hoffen, dass du aus diesem Beitrag viel mitnehmen konntest. Falls du mehr Informationen zu Vanessa haben oder sie kontaktieren möchtest, dann empfehlen wir ihre Website. Falls du sonstige Fragen oder Anregungen hast, schreib uns gern eine E-Mail an info@vereinsstrategen.de. Wenn Dir unser Podcast gefällt, würden uns freuen, wenn du uns weiterempfehlen würdest.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Positionierung Integration: Mitglieder und Sponsoren gewinnen

Positionierung Integration: Mitglieder und Sponsoren gewinnen

Vereinsentwicklung

Positionierung ohne sportlichen Erfolg

 

Integration kann neben seiner gesellschaftlichen Wichtigkeit auch ein Weg sein, seinen Verein stärker zu positionieren und damit neue Mitglieder zu erreichen. Hierfür haben wir Roy Gündel als unseren Experten für Integration erneut in den Podcast eingeladen. Er ist Leiter des Fachbereichs Integration und Sport/soziale Arbeit beim LSB Niedersachsen. Der Beitrag ist eine Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte des Interviews.

Gleich vorneweg das Fazit: Ja, es macht Sinn, dass sich Vereine in vielen gesellschaftlichen Belangen stark positionieren. Das liegt schon in der Grundstruktur der Vereine selbst verankert. Sie übernehmen soziale Funktionen und können deswegen auch nicht unpolitisch sein. Jeder Verein sollte sich schließlich zu den Grundwerten einer liberalen Demokratie bekennen, auch wenn die meisten parteipolitisch neutral sind. Der Bereich der Integration ist deswegen besonders interessant, weil bei einer starken Positionierung Vorteile für den Verein winken. Er wird bei einem hohen Engagement als relevanter Akteur vor Ort wahrgenommen. Dies erleichtert aber auch die Zusammenarbeit in anderen Bereichen bzw. hilft eigene Belange in anderen Fragestellungen durchzusetzen.

Die Vorteile der Positionierung „Integration“

Deswegen schauen wir als nächstes einmal darauf, was passieren könnte, wenn ein Verein sich für die Positionierung im Bereich der Integration und des gesellschaftlichen Zusammenhaltes entscheidet. Grundsätzlich vertritt man mit dieser Positionierung Werte außerhalb des sportlichen Erfolgs. Diese Werte und die Menschen, die ihr damit erreicht, können für bestimmte Unternehmen vor Ort attraktiv sein. Sie wollen von eurem Image partizipieren und damit erscheint ein Vereinssponsoring möglich.
Ebenso werden aber auch die Kommunen mehr auf euch aufmerksam, da ihr einen gesellschaftlichen Mehrwert vor Ort geniert. Ihr fördert die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, bringt Menschen zusammen, fördert den sozialen Austausch und schafft für Menschen eine neue Heimat. Dies sind meist genügend Gründe für eine Kommune euch zu unterstützen bei Themen wie Hallenzeiten, Bau von neuer Infrastruktur oder auch Zuschüssen. Der sportliche Erfolg dagegen ist der Kommune egal.
Wahrscheinlich ist aber auch, dass ihr eure Mitgliederbindung erhöht. Die Mitglieder kommen nicht nur wegen dem Training zu euch, sondern vor allem wegen der Menschen. Allein für den Sport könnten sie auch woanders hingehen. Die Mitglieder finden das, wofür der Verein steht gut und unterstützenswert. Dann ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass selbst Mitglieder, welche nicht mehr in der Nähe des Vereins wohnen oder nicht mehr aktiv Sport treiben, trotzdem ihre Mitgliedschaft behalten wollen, weil sie das Engagement des Vereins im Bereich Integration unterstützen wollen.
Wenn man sich für die Positionierung „Integration“ entscheidet, muss man dies aber auch immer im Gesamtspektrum des Vereins sehen. So ist die Integrationsarbeit als die eine Positionierung auch nicht zielführend, weil man dann zu einseitig arbeitet. Man darf allerdings auch nicht zu viele Schwerpunkte setzen, weil es dann auch keine Schwerpunkte mehr sind. Hier besteht die Gefahr, dass sich Vereine übernehmen, denn häufig gehen diese Schwerpunkte auf einzelne Personen oder Personengruppen zurück. Hört eine Person im Verein auf, so kann der Schwerpunkt wegbrechen oder sich durch den Personenwechsel stark verändern. Diese Fluktuation muss bedacht werden und es muss vorher festgelegt werden, wie solche personellen Verluste aufgefangen werden. Dafür ist es aber wichtig die richtigen Prioritäten bzgl. des Gesamtvereins zu setzen. Nicht jeder Verein muss jedes Thema zu seiner Priorität erklären, viel wichtiger ist die Frage: „Was ist sinnvoll und was möchte ich?“.

Gefahren bei der Positionierung „Integration“

Die Wichtigkeit mehrere Schwerpunkte zu setzen, anstelle sich nur auf „Integration“ zu fixieren, wurde gerade schon beschrieben, aber nicht, warum die Fixierung eigentlich ein Fehler ist. In erster Linie sind alle Mitglieder in einem Sportverein Sportler. Doch wenn ein Verein sich nur auf die Integration fixiert, besteht die Gefahr, dass dieses Thema alles andere überstrahlt und Menschen auf ihre Herkunft reduziert werden. Aus Sportlern werden dann Migranten in der Wahrnehmung, also genau das Gegenteil von dem, was eigentlich gewollt ist. Hier muss am Ende entschieden werden, inwieweit trage ich diese Positionierung nach außen oder setze sei einfach im Verein um.
Eine weitere Gefahr ist, nicht ausreichend auf die Resonanz der Mitglieder zu hören. Es gibt immer Vorbehalte und Widerstände bei einer solchen Positionierung. Wichtig ist es genügend Raum für den Austausch zu geben, um interkulturelle Konflikte zu klären und zu lösen. Natürlich darf dieser Austausch nur in vorher festgelegten Grenzen erfolgen, sollte immer auf Augenhöhe erfolgen und man sollte nicht übereinander, sondern miteinander sprechen. Beachtet hier auch den entsprechenden Sprachgebrauch eurer Mitglieder. Mit dieser Resonanz kann man dann Schritt für Schritt den Verein und auch die Positionierung weiterentwickeln und festigen.

Mitgliedergewinnung durch die Positionierung „Integration“

Für die Mitgliedergewinnung ist jede Positionierung nur ein Mosaikstein unter mehreren. So sind zur Gewinnung z.B. auch die Ansprechwege, die Angebotspalette im Verein oder auch das Auftreten von Hürden beim Vereinseintritt entscheidend. Grundsätzlichist es schwierig die Wirkung von „Integration“ quantitativ zu messen, da die Datenlage in diesem Bereich eher gering ist, aber es gibt Tendenzen, dass ich mit einer klaren Positionierung durchaus Vorteile bei der Mitgliedergewinnung habe. Wenn Menschen vorher keinen Kontakt zu Vereinen hatten, es also keine Sozialisation in diesem Bereich gab, dann können Leute über ein Integrationsprojekt an den Verein herangeführt werden und über den Austausch mit den Menschen teilweise auch fest an den Verein gebunden werden.
Im Podcast wurden u.a. zwei Beispiele angesprochen, einmal ein Bauchtanzkur und ein Fahrradkurs. Diese Angebote sind sehr niederschwellig und haben in der Praxis sehr integrativ gewirkt. Der Bauchtanzkurs wurde bespielweise später sogar fest ins Vereinsportfolio aufgenommen, weil er sehr gut angenommen wurde. Ein Fahrradkurs kann dabei helfen den Aktionsradius zu erhöhen und Menschen überhaupt erst das regelmäßige Vereinstraining zu ermöglichen. Höre hier gerne noch einmal rein, wenn dich dies näher interessieren sollte.
Die Frage ist jetzt natürlich: „Wie finde ich das richtige Angebot, um Migranten zu gewinnen?“. Und hier kann man ganz klar sagen, dass auch diese Frage aufgrund der schlechten Datenlage nicht eindeutig zu beantworten ist. Fest steht aber, dass folgende Faktoren einen Einfluss haben:

  • Nicht das Angebot bindet die Personen an den Vereinen sondern die Menschen. Integration muss im gesamten Verein gedacht werden, eigene Stereotypen sollte man hinterfragen und der Verein sollte sich regelmäßig reflektieren.
  • Wie viele Migranten überhaupt in meiner Region leben, ist individuell. In Großstädten gibt es meist mehr Menschen mit Migrationshintergrund als in ländlicheren Regionen. Im ländlichen Raum kommt dazu noch das Thema der Erreichbarkeit des Vereinsgeländes. Nicht jede Person hat ein Auto, um regelmäßig zum Training zu kommen. Dies beeinflusst natürlich auch deine mögliche Positionierung im Bereich Integration und deren Umsetzung.
  • Wer sich engagiert in der Integrationsarbeit, bekommt meist mit der Zeit auch einen diverseren Verein.

Angebotsbedarf ermitteln und umsetzen

Grundsätzlich sollte man genau im Verein prüfen, ob es sinnvoll und auch realistisch ist, ein Angebot umzusetzen, was es vor Ort noch nicht gab. Nehmen wir als Beispiel Cricket. Als erstes muss man schauen, ob der Bedarf nach Cricket in der Region artikuliert wird. Da der Sport in Deutschland eher unbekannt ist, wird er vor allem von Migranten mit pakistanischen Wurzeln gespielt. Angenommen der Bedarf wird z.B. in der Flüchtlingshilfe von genügend Personen artikuliert, dann sollte man sich als nächstes mit der Tatsache des schwierigen Spielfeldes auseinandersetzen. Die typischen Maße sind in Deutschland auf Sportplätzen sehr unüblich und deswegen müsste man für diesen Sport meist ein neues Spielfeld errichten. Am besten behilft man sich hier mit provisorischen Feldern und schaut erst einmal, ob die Gruppe dauerhaft zusammenbleibt. Erst dann sollte man weitere Schritte planen und ggf. darüber nachdenken eine Abteilung zu gründen. Wichtig ist es einfach zu Beginn kreativ zu sein und neue Sachen auszuprobieren. Im Fall von Cricket hat der Zuzug von Sporttreibenden dazu geführt, dass sich die deutschen Verbandsstrukturen im Cricket weiterentwickeln konnten und deutlich stärker sind als vor der Flüchtlingskrise.
Ziel eines Vereines bleibt es aber, neue Mitglieder durch Angebote zu gewinnen. Bei allen Sportarten im Wettkampfsport ist es leichter Personen zu überzeugen. Hier ist die Mitgliedschaft eine Grundvoraussetzung zur Teilnahme am Wettkampfbetrieb. Bei den verbleibenden Sportarten sieht es anders aus. Man sollte deshalb zu Beginn bei interessierten Personen mit Migrationshintergrund keine Mitgliedschaft erzwingen. Viel wichtiger ist es, dass das Angebot am Anfang möglichst unverbindlich ist. Gebt den Personen die Möglichkeit sich auszuprobieren und sich mit dem Angebot vertraut zu machen. Für diesen Zeitraum stellt der LSB Niedersachen z.B. Fördermittel zur Verfügung um den finanziellen Aufwand für das kostenlose Angebot auszugleichen. Bei einer positiven Entwicklung des Angebotes sollte man versuchen, die Personen von einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Beim Cricket geht das wegen dem Wettkampfcharakter und der homogenen Gruppe tendenziell einfacher als z.B. beim Bauchtanzkurs.
Hier noch ein Hinweis zum Thema homogene Gruppen. Diese haben Vorteile aber auch Herausforderungen. Wenn ihr z.B. jetzt ein Cricket-Angebot mit einer vorhandenen Gruppe mit Migrationshintergrund bei euch im Verein implementieren wollt, hilft es sehr, wenn ihr einen Kümmerer im Verein habt (Was ein Kümmerer ist, erfährst du hier.). Dieser verbindet die Gruppe mit dem Rest des Vereins. Hierzu sollte er Räume zur Verständigung im Verein etablieren. So haben die verschiedenen Personen eine Möglichkeit sich auszutauschen und sich besser kennenzulernen. Der große Vorteil von homogenen Gruppen zu Beginn ist aber, dass sich Personen aufgrund der gleichen Sprache und Ansichten eher in der Gruppe fallen lassen können und nicht auf sich allein gestellt sind. Hierdurch habt ihr die Möglichkeit nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Gruppen für euren Verein als Mitglieder zu gewinnen. Und je nach Sportart können sich diese Gruppen dann mit der Zeit auch stärker natürlich durchmischen, so dass sie aus Personen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen besteht.

Wie starte ich?

Schaut euch einfach in der Umgebung um und stellt euch folgende Fragen:

  • Mit wem habe ich es vor Ort zu tun?
  • Wen gibt es im Einzugsbereich schon?
  • Welche Angebote gibt es bereits (auch außerhalb des Sports)?

Mit den Trägern, welche Angebote anbieten, sollte man in Kontakt treten und schauen, ob man einen Aktionstag mit eigenen Angeboten gemeinsam durchführen kann. Dieser sollte so konzipiert sein, dass er schnell auf den Weg gebracht werden kann, so dass es nicht schmerzt, falls er am Ende nicht von Erfolg gekrönt ist. Danach beginnt die Nachbereitung. Je nach Bewertung des Tages solltet ihr auf dieser Grundlage entscheiden, was die nächsten Schritte sein sollten.
Potentielle Institutionen, wo man sich für Kooperationsarbeit hinwenden kann, um Migranten für den Sport und den Verein zu begeistern sind Flüchtlingsheime (z.B. Sporttag für Geflüchtete), Jugendtreffs oder Schulen. Außerdem zeigt es sich, dass es von Vorteil ist, Eltern-Kind-Angebote im Programm zu haben und die Kinder somit früh an den Verein zu binden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich die Positionierung „Integration“ durchaus lohnen kann, aber einige Besonderheiten beachtet werden müssen, um erfolgreich zu sein. Wir hoffen, dass dir dieser Beitrag dabei hilft, dein Vorhaben umzusetzen. Im Podcast gehen wir noch einmal stärker auf gewisse Teilaspekte dieses Beitrags ein. Höre also gern rein. Falls du Fragen oder Anmerkungen haben solltest, schreibe uns gern eine E-Mail an info@vereinsstrategen.de. Und wenn du uns einen Gefallen tun möchtest, dann empfehle uns einfach weiter.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Positionierung im Verein – Stich aus der Masse heraus

Positionierung im Verein – Stich aus der Masse heraus

Vereinsentwicklung

Ohne Positionierung wird es zukünftig schwierig

 

Wofür steht eigentlich dein Verein? Die Antwort auf diese Frage beantwortet dir grob deine persönliche Positionierung deines Verein. So könnte die Antwort z.B. lauten: „Für meine Nachwuchsarbeit oder die Integrationsarbeit, für das breiteste Angebot in der Region Hamburg, für eine bestimmte Sportart“ Doch ganz so einfach ist die Analyse leider nicht. Dieser Beitrag soll dir dabei helfen deine aktuelle Positionierung zu ermitteln, eine neue Positionierung zu entwickeln und diese dann stetig zu kontrollieren und anzupassen. Aber zuerst stellt sich natürlich die Frage, wieso brauche ich als Verein eine Positionierung?

Positionierung in der heutigen Zeit

Im letzten Jahrzehnt gab es durch die Digitalisierung einen gigantischen Entwicklungssprung – die Wirtschaft ist noch schnelllebiger geworden und der Konkurrenzkampf wird immer härter. Um dort bestehen zu können, ist es wichtig, dass ein Unternehmen eindeutig positioniert ist. Das trifft auch immer mehr auf den Sportbereich und Vereine zu. Kommerzielle Anbieter, wie z.B. McFit und Peleton werben immer mehr um eine Zielgruppe, welche früher nur die Möglichkeit hatte in den Sportverein zu gehen, um Sport betreiben zu können. Die kommerziellen Anbieter schaffen es vor allem durch eine gute Positionierung uns ein Angebot zu verkaufen, was man im Sportverein zum gleichen Preis oder deutlich günstiger erhalten könnte. So kann die Positionierung von Peleton wohl am besten zusammengefasst werden mit: „Innovatives, digitales Gruppentraining mit echtem Coach von zu Hause aus zu jeder Uhrzeit“. Jetzt ist natürlich klar, dass dein Verein nicht zum neuen Peleton umgebaut werden soll, aber du konkurrierst nicht nur mit gewerblichen Anbietern sondern auch mit anderen Vereinen. Und wenn man auf eine noch höhere Ebene geht, konkurrierst du auch mit Streamingdienstanbietern oder sozialen Medien um die Zeit von Leuten. Du siehst also, dass der Wettbewerb dich förmlich dazu zwingt, dich mit Positionierung auseinanderzusetzen. Aber wie startest du jetzt? Das gleiche machen, wie die Konkurrenz, wo es gut funktioniert? Nein! Eine Kopie eine Positionierung macht einen Verein austauschbar und zu nichts besonderem mehr. Die Lösung sind die nächsten sechs Fragen, die du dir stellen musst.

Welche Positionierung habe ich jetzt?

In der Einleitung wurde diese Frage schon so ähnlich gestellt. Jetzt ist eine Positionierung aber nicht deine persönliche Meinung, sondern ggf. auch ganz unterschiedlich je nach Zielgruppe. Deswegen müsst ihr im Verein die Frage „Welche Positionierung habe ich jetzt?“ genau an diese richten. Dabei sind mit der Zielgruppe nicht nur eure Mitglieder gemeint, sondern auch andere Personen aus eurem Vereinsumfeld – Sponsoren, Zuschauer, Eltern, Personen in anderen Vereinen, Nichtmitglieder, etc. Die Auswahl der Zielgruppe ist aber euch überlassen, aber umso verschiedenere Personengruppen ihr befragt, umso mehr seht ihr auch, wie der Verein nach außen wirkt, anstatt nur eure innere Wahrnehmung zu ermitteln.
Nach der Befragung könnt ihr drei möglich Ergebnisse haben:

  • Es gibt ein klares Ergebnis. Bei der Befragung der verschiedenen Zielgruppen haben alle Personen deckungsgleiche Antworten gegeben. Damit steht fest, ihr habt eine klare Positionierung im Verein, die von allen auch so verstanden wird und auch außen so wahrgenommen wird. Die Frage ist dann nur noch – ist das auch die Positionierung, die wir uns im Verein vorstellen?
  • Es gibt unterschiedliche Ergebnisse bzgl. der Positionierung zwischen den verschieden Zielgruppen. Der Vorstand findet man hat die beste Fußballausbildung der Region. Die Eltern finden, dass der Verein für die strengsten und härtesten Übungsleiter im Jugendfußball der Region steht. Und der neutrale Zuschauer bei den Jugendspielen findet, dass ihr der Verein sehr freundlichen Stadionkioskmitarbeitern seid und sehr leckeres Essen anbietet. Offensichtlich habt ihr diverse Positionierungen, welche aber nicht so eindeutig sind, ggf. wird bei einigen Zielgruppen eure Positionierung sogar negativ wahrgenommen. Hier ist auf jeden Fall Handlungsbedarf gegeben.
  • Allen Zielgruppen fällt gar nichts zu eurem Verein ein oder sehr unterschiedliche Sachen innerhalb der jeweiligen Gruppen. Das bedeutet es gibt bei euch im Verein keine Positionierung.

Welche Position willst du einnehmen?

Wenn die Antworten so sind, wie erwartet, und ihr damit zufrieden seid, dann müsst ihr nichts ändern. Wenn aber andere Antworten gekommen sind, als gedacht, dann habt ihr zwei Möglichkeiten. Entweder ihr versucht eure geplante bzw. angestrebte Positionierung durchzusetzen (z.B. beste Fußballausbildung in der Region) oder ihr entscheidet euch, das vorhandene vielleicht auch überraschende Ergebnis aus der Umfrage zu nutzen und versucht diese Positionierung zu stärken und auszubauen (z.B. freundlichster Stadionkiosk, Ziel Umbau zum serviceorientiertesten Verein der Region). Der zweite Weg ist in der reinen Umsetzung auf jeden Fall der leichtere als der erstgenannte, weil ihr auf etwas, was besteht, bereits aufbauen könnt. Außerdem möchten wir dir zwei Tipps mitgeben. Besser in etwas zu sein, ist deutlich schwerer, als anders in etwas zu sein. So kann nicht jeder Meister in seiner Liga werden, sondern nur einer. Der Versuch Meister zu werden gegen viele andere Vereine, verbraucht sehr viele Ressourcen. Wenn man anderes ist, dann ist der Verein auf eine ganz bestimmte Zielgruppe ausgerichtet und nicht auf jede Person. Der FC St. Pauli ist hierfür ein gutes Beispiel, da er ein ganz bestimmtes Zielpublikum anspricht. Wenn ihr euch am Ende für eine Positionierung entschieden habt, verankert sie im Leitbild oder in der Satzung des Vereins. So wird sie verbindlich.

Wer ist deine Konkurrenz?

Hier gibt es eine entscheidende Aussagen, die du mitnehmen solltest – suche nicht die Konfrontation mit anderen, sondern gehe um sie herum. Wenn mehre Vereine in der Region das gleiche Ziel anstreben, frisst das jedem Verein viele Ressourcen und ihr kommt eurem Ziel nicht näher. Angenommen drei Vereine haben sich in Richtung Nachwuchssports im Fußball in einer Region positioniert, dann kämpfen diese drei um die besten Talente. Die Sichtung der Spieler wird immer weiter verbessert und die Trainer immer mehr geschult. Am Ende werden in jedem Verein einige wenige sehr gute Spieler sein, aber der Mannschaftserfolg ist nur durchschnittlich und die Eltern würden sagen, die drei Vereine sind praktisch identisch. Niemand würde deine angestrebte Positionierung kennen. Wenn du allerdings für die Spieler u.a. einen Abhol- und Bringdienst anbietest, werden die Eltern sagen, dass du ein sehr serviceorientierter Verein bist. Über diesen Weg wirst du eher neue Nachwuchskicker finden. Deine Positionierung ist jetzt zwar eine andere, dein Mannschaftserfolg ist aber mindestens auf dem gleichen Niveau wie vorher, wahrscheinlich aber sogar höher. Ein reales Beispiel für eine sehr gute Positionierung findest du auch in diesem Beitrag.

Verfügst du über genügend Kapital?

Manche Positionierungen erfordern große Veränderungen im Verein und diese können viel Geld kosten. Wenn ihr euch beispielsweise entscheidet ein digitalisierter Verein zu werden, dann habt ihr zwei Fragen zu beantworten: Welche Grundlage gibt es schon im Verein und wie weit (und teuer) ist der Weg zum Ziel? Denn so eine Art der Positionierung erfordert Server, Laptops, Softwarelizenzen, Betreuungspersonal oder auch die Entwicklung einer Vereinsapp. Hier müsst ihr ehrlich zu euch selber sein, ob ihr das finanzieren könnt oder nicht. Das gleiche gilt natürlich auch für Marketingaktionen. Wenn ihr eine neue Positionierung nach außen tragt, überlegt euch genau, welche Kanäle kann ich mir leisten, gibt es ggf. auch günstigere Alternativen. Die Kosten sind besonders dann relevant, wenn ihr die Positionierung komplett ändern wollt, weil dann mehr Maßnahmen nötig sind. Denkt daran, dass Kreativität euch hier meist weiter bringt als ein großes Budget zum Werben.

Kannst du dir erlauben, an deiner Positionierung festzuhalten?

Das Rad der Zeit dreht sich weiter und Positionierungen können sich dadurch in ihrer Wahrnehmung ändern. Früher wurde z.B. anders mit rassistischen Äußerungen von Personen in Fußballstadien oder auch von Amtsträgern umgegangen – meist wurden sie von Vereinen ignoriert. Heute gibt es auf jeden Fall Diskussionen über das Thema, Stadionverbote oder auch Entlassungen von Amtsträgern. Ein Verein, der sich nicht zum Kampf gegen Rassismus bekennen würde, hätte eine (berechtigt) sehr schlechte Positionierung. Ein weiteres Thema, was mit der Zeit an Bedeutung gewonnen hat, ist die Nachhaltigkeit im Sport und von Vereinen im Speziellen. Auch das Interesse an Sportarten ändert sich im Laufe der Zeit. Seid ihr ein Verein, der seine Positionierung bisher als bester Kegelverein in Süddeutschland hatte, bringt euch das wahrscheinlich nichts mehr, wenn keine jüngeren Leute mehr nachkommen, weil der Sport für sie völlig uninteressant ist.
Um zu erkennen, ob das Festhalten an der Positionierung Sinn macht oder nicht, würden wir vorschlagen, dass ihr euch überlegt: „Wie sieht mein Verein in 2 bis 5 Jahren aus, wenn es so weitergeht, wie bisher?“. Gefällt euch diese Vorstellung als Verein oder seht ihr, dass Probleme sich verschlimmern?

Passt deine Positionierung zu dir?

Diese Frage umfasst einen Teil der vorherigen Fragen und Erkenntnisse. Im Kern geht es darum, in regelmäßigen Abständen sich selbst zu hinterfragen. So kannst du dich fragen, ob deine Positionierung noch aktuell ist, aber auch analysieren, was deine Zielgruppen in der Befragung zur Vereinspositionierung gesagt haben. Genauso umfasst es aber auch die Frage: „Was wollen eigentlich deine Ehrenamtler?“. Wenn du eine neu entwickelte Positionierung im Verein hast, die nicht zu den Werten der meisten Ehrenamtler passt, dann wird diese Positionierung nicht erfolgreich sein. Der Grund ist einfach. Wenn die Personen nicht hinter den Werten stehen, werden sie diese auch nicht nach außen tragen, was am Ende bedeutet, dass die Positionierung nicht gelebt wird und damit auch nicht sichtbar für Dritte ist. Das beste Konzept ist zum Scheitern verurteilt, wenn es in der Realität nicht gelebt wird.

Eine Positionierung zu finden und umzusetzen braucht viel Zeit und ist ein sehr umfangreiches Projekt. Wir würden euch empfehlen, dass ihr eine Projektgruppe aus dem Ehrenamt heraus gründet, die dieses Thema erst einmal bespricht und einen groben Ist-Zustand bestimmt ggf. auch schon einmal Ideen entwickelt, was als Positionierung sinnvoll wäre. Hier bieten sich in regelmäßigen Abständen auch Workshops an. Aus dieser Gruppe sollte dann der Fragebogen entwickelt werden. Hier ist wichtig, schult eure Ehrenamtler entsprechend in Fragebogenerstellung. Auch in diesem Bereich kann man schließlich einiges falsch machen.
Als Vorstand habt ihr in diesem Prozess die Aufgabe der Projektgruppe mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, ihnen aber nicht reinzureden. Ihr solltet aber darauf achten, dass häufige Fehler vermieden werden:

  • Eine neue Positionierung wird in der Projektgruppe entwickelt, welche aber an der Zielgruppe vorbei geht, weil es keine Befragung gab, sondern dies nach Gefühl entschieden wurde. Da ist das Scheiter schon vorprogrammiert.
  • Ihr wollt zu schnell zu viel. Positionierung ist ein Prozess der Jahre dauern wird. Schließlich muss sich die Positionierung auch erst mal erlebbar werden und sich in der Region rumsprechen. Schnelle Ergebnisse werdet ihr bei dieser Art von Projekt eher nicht sehen.

Im Podcast diskutieren wir gegen Ende noch einige Themen, welche als Positionierung im Verein möglich sind. Wenn du mehr hierzu erfahren möchtest, höre gern rein. Wir hoffen allerdings, dass wir dir auch mit dieser Zusammenfassung der Episode bei deiner Vereinsweiterentwicklung helfen konnten. Wenn du Fragen haben solltest, kannst du uns gern unter info@vereinsstrategen.de erreichen. Und wenn dir der Beitrag bzw. der Podcast gefallen hat, dann tue uns bitte den Gefallen und empfehle uns weiter.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Stellenprofile im Ehrenamt

Stellenprofile im Ehrenamt

Ehrenamtsgewinnung

Aussagekräftige Stellenprofile schaffen

Aus unseren bisherigen Beiträgen und Folgen, weißt du, dass uns die Gewinnung von Ehrenamtlichen ein zentrales Anliegen ist. Deswegen wollen wir in diesem Beitrag einmal darauf eingehen, wie du überhaupt ermittelst, was für einen Bedarf an Ehrenamtlichen du hast und wie du diesen schlussendlich auch erfolgreich anwerben kannst. Denn nichts ist frustrierender als immer Absagen von potentiellen Ehrenamtlichen zu bekommen, nur weil du sie für die falsche Position ansprichst, oder am Ende Positionen mit Ehreanmtlichen zu besetzen, wo du mit der erbrachten Leistung nicht zufrieden bist.

Grundsätzlich solltest du dir vorher natürlich erst einmal Gedanken machen, wie sprichst du Leute bisher überhaupt an. Es kommt immer wieder vor, dass potentielle Ehrenamtliche nebenbei, in einem unruhigen Umfeld (z.B. Turnhalle) angesprochen werden und wenn sie dann Details zur möglichen Arbeit wissen wollen, diese Fragen vielleicht gar nicht alle beantwortet werden können. Und im schlimmsten Fall ist noch Zeitdruck da, weil die Stelle in 2 Wochen besetzt sein muss, da der Vorgänger kurzfristig ausscheidet.

Wie macht man es also besser?

Die Suche bzw. die Vorbereitung für die Suche für einen Nachfolger beginnt schon lange bevor die Stelle überhaupt frei wird. Denn im ersten Schritt müssen wir eine Analyse der Tätigkeiten im Verein vornehmen – diese nennt man Bedarfsanalyse. Dieses Vorgehen ist für alle Positionen im Verein anwendbar, egal ob es sich um eine Wahlposition handelt oder etwas anderes. Schauen wir uns erst einmal die Aufgabenarten an, welche im Verein auftreten:

 

  • Dauerhaft, also alles was immer wieder anfällt. Diese Aufgaben gibt es im Verein am meisten wie Trainer, Vorstandsarbeit oder Platzwart.
  • Einmalige Aufgaben (Kuchenverkäufer beim Sommerfest, Aufbau der Hüpfburg beim Kinderfest, Streckenposten bei der Laufveranstaltung)
  • Vorrübergehende Aufgaben in Form einer Projektarbeit für die nächsten X Monate (z.B. Neuverlegung Fußboden im Vereinsheim und Streichen der Wände) oder auch als Vertretung für jemanden, der aktuell krank ist
  • Spontane Aufgaben, wenn z.B. jemand krank ist und du sofort Ersatz oder einen Springer brauchst. Beim Sommerfest bekommt der Helfer an der Hüpfburg einen leichten Sonnenstich und jemand muss jetzt aufpassen, dass die Kinder keinen Unfug treiben und sich niemand verletzt.

Wie gehe ich vor?

Du brauchst im ersten Schritt erst einmal einen Überblick über all die Aufgaben und Tätigkeiten, die es bei dir im Verein gibt. Wir empfehlen dafür eine Sitzung des Vorstandes oder eine ähnliche Veranstaltung zu nutzen und das Thema offen anzusprechen. Es macht durchaus Sinn, das in einer größeren Runde zu besprechen bzw. sich auszutauschen, da man selbst mal schnell Kleinigkeiten vergessen kann. Jemand anderes hat mit seiner Sicht auf deine Arbeit oder auf die Aufgabe vielleicht noch etwas zu ergänzen. Du trägst mit dieser Analyse dazu bei, dass das gesammelte Wissen des Vereins auch im Verein bleibt und nichts verloren geht und ihr zukünftig gezielter Freiwillige ansprechen könnt.

Insgesamt besteht so eine Analyse aus vier Punkten, welche du bzw. ihr so abarbeiten solltet.

1. Schreibe alle Aufgaben (dauerhaft, einmalig, vorübergehend/temporär, spontan), die bei dir im Verein anfallen können, auf und schaue, ob und von wem die Aufgeben aktuell erledigt werden. Dabei solltest du dir folgende Fragen stellen:

  • Wie wichtig ist die Aufgabe für die Erreichung des Vereinsziels?
    • Ein Vorstandsposten umfasst natürlich mehrere Aufgaben und ist damit etwas wichtiger, als jemand, der den Kiosk beim Heimspiel organisiert. Hier kristallisiert sich dann auch gleich eine Priorisierung heraus.
  • Wie ist der Verein auf den Positionen bzw. bei der Aufgabe besetzt?
    • Ist die Position als Sportwart bspw. vakant und ist dies gleichzeitig eine wichtige Aufgabe bei dir im Verein, so besteht dort eher Handlungsbedarf als bei anderen Aufgaben.
  • Wie zukunftsfähig ist diese Besetzung?
    • Es gibt verschiedene Lebensphasen bei einem Menschen, die sich auch auf das Engagement auswirken. Du solltest zumindest einen groben Überblick haben, ob es vielleicht einen freiwillig Tätigen gibt, der demnächst weniger Zeit für seine Aufgabe hat und dementsprechend ersetzt werden muss.
  • Kenne ich den exakten Bedarf für den Verein überhaupt?
    • Bei Wahlämtern, die in der Satzung stehen, mag diese Frage einfach zu beantworten sein. Aber wie schaut es bei der Anzahl der Helfer aus, die du für die Kinderdisko brauchst? Und da kannst du gerne auch noch etwas kleinteiligere Überlegungen anstellen. Sind die Aufgaben fürs Dekorieren von drei Leuten zu stemmen oder wären fünf Helfer vielleicht besser? Sprichwort ist hier: „Viele Hände – schnelles Ende“
  • Brauchst du wirklich jeden Posten im Verein oder gibt es vielleicht sogar Doppelstrukturen, die man abbauen kann.
    • Die Arbeit auf vielen Schultern zu verteilen, sehen wir durchaus positiv. Aber unnötig doppelte Arbeit zu haben, macht wenig Sinn. Ein Beispiel, der Kassenprüfer in einer Abteilung prüft die Kasse und dann wird diese noch einmal separat vor der Jahreshauptversammlung des Vereins geprüft. Wenn das nicht in der Satzung so vorgesehen ist, wieso müssen zwei ehrenamtliche Instanzen die gleiche Kasse prüfen? Versuche dir doppelte Arbeit zu sparen. Meistens sind noch mehr Personen involviert als nur die Kassenprüfer und somit fällt also noch mehr Aufwand weg. Und wenn es in der Satzung bei euch vorgeschrieben ist, dann überlege genau, ob das wirklich so sein muss.
  • Kannst du Ressourcen und Aufgaben aus verschiedenen Abteilungen bündeln und damit Leute entlasten?
    • In der Wirtschaft wird das schon gemacht – wieso nicht auch in Vereinen? Zum Beispiel kannst du für die Buchhaltung jemanden auf geringfügiger Basis anstellen und damit ehrenamtliche Kassenwarte entlasten bzw. überflüssig machen. Ab einem gewissen Grad an Aufwand ist das durchaus sinnvoll und die Leute können sich dann anderen Aufgaben im Verein widmen. Ein anderes Beispiel ist, dass man kleinere Abteilungen zusammenlegen könnte, damit nicht mehrere Abteilungsleiter benötigt werden.

2. Mache den Leuten klar, worauf sie sich einlassen. Wenn du möglichst genau erfasst, was der- oder diejenige bei einer Aufgabe zu erledigen hat, dann erhöht das die Chance auf eine Zusage. Erstelle quasi kleine Stellenausschreibungen für deinen Vorstand und alle dauerhaft anfallenden Aufgaben. Du musst natürlich nicht konkret festhalten, wie die Aufgaben erledigt werden sollen, sondern einfach nur, wer für was zuständig ist. Damit wird manchen Personen auch erst einmal klar, wie viel Arbeit hinter einem Vorstandsposten stecken kann. Der Königsweg ist es dann, diese Aufgabenbeschreibungen mit dem geschätztem Zeitaufwand (wöchentlich/monatlich) zu verfeinern und Ansprechpartner, die dich unterstützen, hinzuzufügen. Das sollte dann in etwa so aussehen:
„Der Jugendwart meldet die Mannschaften bis zum 15.05. zum Spielbetrieb und spricht sich vorher mit den Trainern ab“ oder
„Der Stationsleiter Laufstrecke stellt die ordnungsgemäße Kennzeichnung und Vermessung der Strecke sicher. Die Vermessung wird mit Sabine durchgeführt, weil diese beim Landesamt arbeitet und Erfahrung hat.“

Vielleicht gibt es für regelmäßige Veranstaltungen ja auch mit der Zeit Checklisten, wo regelmäßige Aufgaben und Zuständigkeiten aufgeführt werden. Das ist auf jeden Fall eine unserer Empfehlungen, weil grade bei Veranstaltungen schnell mal ein „Personalwechsel/Helferwechsel“ stattfindet und sonst Wissen verloren gehen könnte.

3. Befrage deine Mitglieder, was sie möchten und welche Schwerpunkte sie zusätzlich setzen würden, neben den Sachen, die ihr bereits ausgearbeitet habt. Damit beteiligt man die Mitglieder am Prozess und fördert ihre Zustimmung und Mitarbeit. Stichwort ist hier :“Die Transparenz der Vereinsarbeit“. Wenn du in einem Vorstandsteam bist, bist du schließlich von den Mitgliedern gewählt, um ihre Interessen zu vertreten und nicht nur deine eigenen. Das soll jetzt gar nicht so klingen, als ob du nur eigene Ziele verfolgst, aber woher sollst du auch wissen, wer noch eine tolle Idee für deinen Verein oder deine Abteilung hat, wenn du dich nur mit den gleichen Leuten umgibst oder im schlimmsten Fall Dinge alleine regeln musst. Durch den Austausch mit den Mitgliedern gibt es zusätzliche Ideen und es bietet dir die Chance direkt mit Mitgliedern, welche sich ein Engagement vorstellen können, in Kontakt zu kommen und diese direkt einzubinden. Wenn du zum Beispiel eine neue Idee hast oder eine Verbesserungsmöglichkeit bei einer Veranstaltung siehst, kannst du dich somit bei der Umsetzung selber entlasten. Für diesen Schritt eignet sich entweder die Jahreshauptversammlung, wenn ihr dort auch gemeinsam arbeiten wollt bzw. euch offen austauscht, oder du lädst zu einem gemeinsamen Abend ein und jeder, der Lust hat, kann kommen.

4. Jetzt wird es etwas abstrakter. Du solltest nämlich auch bedenken, ob es Trends gibt, die sich auf die Bedarfe auswirken und diese verändern können? Wir haben dafür einmal einige Beispiele ausgewählt:

  • Steigende Mobilität von jungen Mitgliedern – Können diese noch langfristig in die Vereinsarbeit eingebunden werden oder ziehen sie in die nächste Stadt?
  • Gleiche Altersgruppe – Spreche ich mit meinen Themen noch meine Zielgruppe an, oder gibt es andere Initiativen, die sich besser präsentieren und mir damit Helfer wegnehmen?
  • Digitalisierung – Gibt es Aufgaben, die zukünftig leichter/schneller erledigt werden können, wenn der Verein Software einsetzt oder fallen diese Aufgaben zukünftig evtl. ganz weg?

Vielleicht merkst du nach den vier Punkten jetzt schon, an welcher Stelle Leute fehlen könnten. Und wenn du das für alle wichtigen Tätigkeiten durchspielst, findest du auch Lösungen für die kleinen Probleme. Die Priorität liegt natürlich erst einmal auf den dauerhaften Aufgaben wie den Vorstands- und Trainertätigkeiten. Für die spontanen Bedarfe brauchst du eigentlich keine große Auflistung machen. Dir sollte nur bewusst sein, dass es sie gibt und dich mit den Verantwortlichen für deine Veranstaltungen austauschen.

Wie lege ich los?

Schreib doch einfach mal auf, was zu deiner Tätigkeit gehört. Immer mal wieder festzuhalten, was du so machst, hilft dabei ein gutes Bild von der Arbeit und von dem Aufwand zu bekommen. Als nächstes solltest du erfassen, welches Wissen und welche Voraussetzungen du für diese Aufgaben mitbringst bzw. was du auch selbst lernst. Mit diesen Informationen kannst du dann den perfekten Nachfolger viel leichter suchen, wenn du ihn brauchst.
Wenn du diese Fragen für dich beantwortet hast, dann solltest du im nächsten Schritt auf deine Engagierten im Verein zugehen und bei ihnen die Bedarfe und Wünsche abfragen. Hierzu musst du sie für die Erfassung ihrer Tätigkeiten und Aufgaben ermutigen und für die Wichtigkeit des Themas sensibilisieren. Damit bekommst du auch ein gutes Gespür für: Wer möchte gerne mehr oder weniger machen? Wer benötigt vielleicht eine Fortbildung zur Unterstützung? Möchte vielleicht jemand mehr machen und hat tolle Ideen? Fühlen sich die Freiwilligen wohl mit ihrem Engagement?
Damit hast du 1) die Möglichkeit herauszufinden, ob du überhaupt mehr Freiwillige brauchst oder ob der Bedarf sich intern auffangen lässt, und 2) lernst du wieder mehr über deine Freiwilligen und kannst auf ihre Wünsche und Bedürfnisse eingehen. Damit vermeidest du, dass sie unzufrieden mit ihren Aufgaben sind und sich komplett zurückziehen.
Beachte allerdings, dass du diese Erkenntnisse am besten im direkten Gespräch gewinnst. Mache dir Notizen und für das Gespräch an einem ruhigen entspannten Ort, auch wenn so ein Gespräch viel Zeit kostet. Alternativ kannst du auch eine Umfrage durchführen und setzt dich dann nur noch mal mit denen zusammen, wo du das Gefühl hast, dass die Notwendigkeit besteht.
Wenn du alle Informationen gesammelt hast, kannst du mit deinen Beschreibungen natürlich auch Werbung machen. Du kannst den Mitgliedern und Unterstützern des Vereins jetzt genau mitteilen, was gesucht wird, wie viel Zeitaufwand für eine Aufgabe zu erwarten ist und was die Person mitbringen soll. Damit ergibt sich für dich auch eine neue Chance und die Leute haben ein viel besseres Gefühl, was sie eigentlich erwartet.

Wir hoffen, wie konnten dir eine gute Anleitung geben, wie du Bedarfe im Vereine gut analysierst und dies auch entsprechend transparent für alle dokumentieren kannst. Falls du Fragen oder Anmerkungen haben solltest zu diesem oder anderen Beiträgen hast, kannst du uns gerne unter info@vereinsstrategen.de erreichen.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

 

Lernen aus Fehlern

Lernen aus Fehlern

Vereinsentwicklung

Pascal schaut 10 Jahre zurück

 

Eine Reflektion über das eigenen Handeln sollte jeder Mensch immer wieder in gewissen Zeitabständen vornehmen. Auch im Verein reflektiert man regelmäßig über die Frage, was läuft gut, was läuft schlecht. Wir kombinieren in diesem Beitrag beides, denn auch Vereinsstratege Pascal stellt sich in diesem Beitrag einmal die Frage: „Was hätte ich gern schon vor 10 Jahren beim Start meiner Vorstandarbeit gewusst?“.

Damals war Pascal noch Student im Studiengenag „Sportmanagement“ und arbeitete nebenbei. Aber sein Herz schlug schon immer für den Sportverein. Deshalb engagierte er sich zuerst als Sportler und Trainer in seinem Verein, aber schon nach kurzer Zeit wurden einige Probleme offensichtlich:

  • Die finanzielle Situation war nicht berauschend.
  • Das Training in der Turnhalle fand mit sehr altem Material statt.
  • Es gab nur sehr wenig Jugendarbeit.
  • Jedes Jahr wurde immer das gleiche Programm im Verein abgespult, nach dem Motto: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Es war keine Lust ersichtlich, einmal eine Neuerung durchzuführen.

Dies wollte Pascal ändern, deswegen kandidierte er gegen den 1. Vorsitzenden. Mit der Idee frischen Wind in den Verein zu bringen, Dinge verändern zu wollen bei vorhandener Sportmanagement-Erfahrung, überzeugte die Mehrheit der knapp 100 Vereinsmitglieder und er wurde mit Anfang 20 Vereinsvorsitzender.
Hier resümiert Pascal: „Ich glaube den meisten Menschen geht es ähnlich bezüglich der Motivation für ein Vorstandsamt. Ich habe mich damals auf jeden Fall zu 100% mit dem Verein und der Aufgabe identifiziert und bin voller Tatendrang gestartet.“

Erste Erkenntnis: Veränderung braucht Zeit

Doch es lief einiges anders als Pascal das nach seiner Wahl erwartet hatte. Er hatte damals eine Vielzahl an tollen Ideen, aber nur die wenigsten kamen davon zur konkreten Umsetzung. Durch den Versuch viel auf einmal anzustoßen, hat er sich immer mehr verzettelt. So wollte er Kooperationen mit anderen Vereinen anstoßen, hatte eine Sponsorenmappe zur Sponsoringgewinnung ausgearbeitet und nahm die Jugendarbeit selbst in die Hand. Aber schnell zeigte sich, die Probleme sind irgendwie komplexer, als erst vermutet, und die eine Lösung, die für alle funktioniert, gibt es nicht.
Schauen wir uns z.B. einmal das Thema Jugendarbeit an. Damals war die letzte Jugendmannschaft kurz vor der Abmeldung, weil viele Mitglieder vor einem Wechsel in die Erwachsenenabteilung standen. Es war also dringend notwendig etwas zu unternehmen. Also wurde eine Schul-AG aufgesetzt und Schnuppertrainings angeboten. Um das Angebot bekannter zu machen, wurden darüber hinaus Flyer gedruckt und verteilt. Nur der Erfolg war sehr überschaubar. Kaum ein Kind wechselte von der AG fest in den Verein oder meldete sich über einen anderen Weg an.
Für die Verbesserung der Finanzsituation wurde die Sponsorenmappe ausgearbeitet, aber am Ende war zur Verbesserung der Finanzsituation eine gute Kommunikation mit dem Mitgliedern und Übungsleitern zielführend. Es wurde diesen aufgezeigt, dass mit dem zusätzlichen Geldern neues Material angeschafft werden sollte oder auch Jugendlichen neue Möglichkeiten im Verein gegeben werden sollten. Mit diesem klaren Plan stimmten die Mitglieder einer Beitragserhöhung recht schnell zu und auch die Übungsleiter verzichteten auf einen Teil ihrer Aufwandsentschädigung.

Fazit:
Den Ratschlag, den Pascal seinem jüngeren Ich geben würde, wäre vor alle, klare Kernpunkte festzulegen und die wichtigsten und dringlichsten Sachen anzugehen. Dafür kann man sich ruhig auch Zeit lassen, um am Ende das richtige Ziel anzuvisieren. Zu Beginn sollte man sich auf die Sachen fokussieren, welche recht schnell sichtbare Ergebnisse und kleine Erfolge verzeichnen. Das ist zum einem gut für die eigene Motivation, zum anderen kannst du aber auch den Mitgliedern recht schnell erste Ergebnisse präsentieren. Gleichzeitig solltest du aber auch die wichtigen Sachen bereits angehen, welcher aber komplexer sind und länger Zeit brauchen. Diese Themen solltest du auch nicht allein bearbeiten, sondern dir gleich ein Team zusammenzustellen, um sich gegenseitig Hilfestellung geben zu können und regelmäßig Austausch zu haben.
Desweiterem solltest du Zwischenziele (Meilensteine) festhalten und diese Schritt für Schritt abarbeiten. Ein großes Projekt sollte man immer zerlegen und immer wieder überprüfen, was funktioniert und wo muss man ggf. noch Anpassungen vornehmen muss. Erst wenn man mit dem Gesamtergebnis zufrieden ist, sollte man den nächsten Kernpunkt angehen.

Zweite Erkenntnis: Überall „Mitmischen“ ist keine gute Idee

Alles zu Wissen und alles in einem Verein mitzubekommen, ist praktisch unmöglich, dass musste auch Pascal lernen. Aber da er alle Probleme auf einmal angehen wollte, musste er auch alles wissen. Damit hat er sich aber selber aus dem Spiel genommen, denn es kommt leicht zu dem Gefühl, zwar ständig im Einsatz zu sein, aber nix zu schaffen bzw. bei einem Thema nicht voranzukommen. Am Ende ist gute Kommunikation zwar wichtig, aber eine Teilnahme an jedem Vereinstermin ineffektiv, egal ob man Student ist oder berufstätig.

Fazit:
Deutlich zielführender ist es, wenn du an deinem Wissensmanagement im Verein arbeitest und eine Überkommunikation im Verein forcierst. Was ist damit gemeint? Im ersten Schritt solltest du Leute wirklich mit relevanten Wissen für ihre Position im Verein nerven, bis sie alles selber wissen. Gleichzeitig dokumentierst du das zentral so gut, dass alles hinterlegt ist und man auf diese Wissensquelle zugreifen kann. Leider funktioniert das im Ehrenamt nicht so gut, weil die Zeit begrenzt ist und vieles auch so nebenbei gemacht wird.
Deswegen war für Pascal eine Erkenntnis, dass man sich davon verabscheieden sollte, alles wissen zu wollen als 1. Vorsitzender. Man sollte den Ressortleitern und deren Stellvertretern dagegen viel mehr Freiheiten lassen. Das hat für ihn den Vorteil, dass er sich mehr auf die Sachen fokussieren konnte, welche er positiv beeinflussen kann. Damit dieses Modell allerdings klappt, ist es wichtig ganz klar zu klären und festzuhalten, wer für welche Aufgaben zuständig ist. Pascal hat dafür heute in seinem Verein Aufgabenprofile erstellt und eine Zeitplanung aufgestellt. Dies gibt den Leuten schlussendlich Orientierung und Vertrauen. Für jeden ist klar, wer macht was und bis wann ist was fertig. Durch diese Vereinbarung mit den Ressortleitern, weiß Pascal, dass die Aufgaben erledigt werden, ohne sich zu häufig einzumischen.

Dritte Erkenntnis: Wertschätzung ist nicht gleich Wertschätzung

Pascal hat immer versucht anerkennend und wertschätzend gegenüber der Arbeit von anderen zu sein, gleichzeitig hat er aber vor 10 Jahren wenig Wertschätzung von anderen bekommen. Jeder kann wahrscheinlich bejahen, dass er selbst gerne ein Lob erhält, als Bestätigung für seine Arbeit. Ebenso wird jeder zustimmen, wenn man sagt, dass im Verein Wertschätzung und Anerkennung zentrale Elemente in der Bindung von Freiwilligen sind.
Deswegen hat sich auch Pascal als Vorsitzender viel Wertschätzung kommuniziert. Das Problem war, dass das, was in seiner Wahrnehmung viel war, war in der Wahrnehmung von jemand anderem gar nicht so viel. Oder er lobte ggf. auch die falschen Sachen. Doch ebenso hatte er selber das Gefühl, dass er zu wenig Wertschätzung (vor allem von den Mitgliedern) bekam. Er war überall dabei, bei gefühlt jedem Termin, aber keiner hat es mitbekommen oder es als selbstverständlich angesehen. Die einzigen, die sahen, was er alles tat, waren die anderen Vorstandsmitglieder, die die Leistung einschätzen konnten und auch gut mitgezogen haben. Durch diesen Zusammenhalt und diese gemeinsame Arbeit an den Zielen, blieb trotzdem die Lust darauf, etwas anzupacken, bestehen.

Fazit:
Doch, wie lobt man jetzt richtig? Für Pascal steht fest, dass man individeull mit den Leuten ins Gespräch kommen muss, um ihre Motive für ihre Ehrenamtsarbeit herauszufinden. Jeder nimmt Lob individuell anders wahr und da Wertschätzung schnell wieder aus den Köpfen der Leute verschwindet, sollte man mit Lob und Anerkennung nicht sparen. Und in diesen Gesprächen sollte man auch nie das Zwischenmenschliche vergessen, versucht also ein offenes Ohr für die Leute zu haben.
Eine Erkenntnis, welche Pascal jetzt auch aktiv umsetzt, ist die Art des Lobes. Denn anstelle die Arbeit in den Mittelpunkt zu stellen, ist es jetzt die Person. Die Aussage ist dann nicht mehr:

„Sarah hat einen tollen Job bei der Organisation des Sommerfests gemacht“
sondern
„Das Sommerfest war vor allem ein toller Erfolg, weil Sarah mit ihrer strukturierten Art immer alles im Griff hatte. Nicht zu vergessen, sie hatte auf ihre sympathische, kümmernde Art immer ein Ohr für die Nöte der Helfer.“

 

Auch wenn jetzt im Beitrag vor allem von Problemen die Rede war, welche Pascal in seiner ersten ehrenamtlichen Zeit in einer Führungsposition hatte, soll hier auch noch einmal klar herausgestellt werden, dass er viel Spaß hatte, diese Position im Verein zu übernehmen und es auf jeden Fall wieder machen würde. Deswegen bleibt uns nur zu sagen, traut euch im Verein selber mehr Verantwortung zu übernehmen, es wird sich auf jeden Fall für euch lohnen.

Wenn du uns ebenfalls von deinen Erfahrungen aus dem Verein berichten möchtest, was du alles gelernt hast bzw. was für Fehler du im Verein gemacht hast, würden wir uns freuen, wenn du uns ein Mail an info@vereinsstrategen.de senden würdest.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)