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Helferdatenbank – Ehrenamt strukturieren

Helferdatenbank – Ehrenamt strukturieren

Digitalisierung

Sechs Schritte bis zur Datenbank

 

Das Thema Gewinnung von Freiwilligen ist eine der größten Herausforderungen vor denen Vereine stehen. Auch deswegen widmet sich der Podcast bzw. der Blog immer wieder diesem Thema. Dieses Mal wollen wir uns einmal ganz praktisch anschauen, was für Tools und Möglichkeiten es gibt, um eine Helferdatenbank aufzubauen.

Die Ausgangsbasis ist meist folgende – eine Minderheit an Mitglieder setzt sich voll für den Verein ein. Diese besuchen gefühlt jede Sitzung und leiten 10 Kurse. Man hat das Gefühl sie sind ständig im Einsatz für den Verein. Auf der anderen Seite gibt es Mitglieder, die ihren Beitrag zahlen – und das war es dann auch.
Neben den Sportangeboten haben Vereine vor allem auch eine große gesellschaftliche Rolle. Das ist auch der ursprüngliche Grund, wieso Vereine vom Staat stark gefördert werden. Doch um dieser Aufgabe gerecht zu werden, braucht es nicht nur Geld, sondern auch genügend Freiwillige. Nur so können Projekte umgesetzt werden.

Um diesen „Mismatch“ zu lösen, solltest du als Verein die heutigen digitalen Möglichkeiten nutzen. Wir leben im Zeitalter der Datenverarbeitung und versuchen eine gute Informationsbasis (im Rahmen des Erlaubten) über deine Mitglieder zu bekommen. Wenn du das kontinuierlich machst, wächst eine große und nützliche Helferdatenbank zusammen, die deinen Verein stark voranbringen wird.

Schauen wir uns aber erst einmal an, was die Herausforderungen bei der Gewinnung von Freiwilligen sind. Hier ist vor allem die persönliche Ansprache zu nennen. Meist läuft es im Verein doch so. Ein kurzfristiges Problem taucht auf (z.B. es werden noch Freiwillige für das Sommerfest nächste Woche benötigt), der 1. Vorsitzende schreibt an einen E-Mailverteiler oder in eine Whats-App-Gruppe und fragt: „Wer hat Zeit und kann helfen?“. Durch diese unpersönliche Kommunikation wird es zu einem hohen Streuverlust kommen, weil sich niemand direkt angesprochen fühlt. Es sind ja noch 40 andere Personen im Verteiler. Und was ist eigentlich mit den anderen Mitgliedern im Verein, die nicht im Verteiler sind? Diese erreicht die Information vielleicht gar nicht. Nicht in allen Vereinen kann der 1. Vorsitzender aufgrund der Vereinsgröße jedes Mitglied persönlich kennen, geschweige denn seine Fähigkeiten und Talente. Also wendet er sich an die, die er kennt. Auf Dauer wird so niemand im Verein glücklich.

Eine gute Helferdatenbank knüpft genau an dieses Problem an. Du weißt plötzlich viel mehr über deine Mitglieder durch die Sammlung von Informationen und kannst gezielt auf sie zugehen, wenn du eine Aufgabe hast. Du hast nicht nur die aktuellen Kontaktdaten, sondern weißt auch, in welchem Bereich die Fähigkeiten des Mitglieds besonders ausgeprägt sind. Das hilft dir eine Vorauswahl zu treffen, wen du ansprechen solltest und wen nicht. Schließlich soll dem Mitglied die Aufgabe auch Spaß machen. Es empfiehlt sich deshalb schon im Aufnahmeantrag der Mitgliedschaft einen entsprechenden Fragebogen für die Befüllung der Datenbank mitzuliefern. Am besten natürlich digital, um dir die Bearbeitung zu erleichtern. Wir empfehlen neben der Abfrage von Interessen und besonderen Fähigkeiten, auch Aufgaben abzufragen, die bei euch besonders häufig im Verein auftreten. Diese könnten z.B. sein:

  • Backen, Grillen
  • Handwerkliche Begabung/ packt gerne beim Auf- und Abbau mit an
  • Möchte sich als Übungsleiter weiterbilden
  • Hat gute Verbindungen zur Politik, zur Presse oder zu Unternehmen

Sobald die Datenbank aufgebaut ist, kannst du recht schnell und unkompliziert auf kurzfristige Ereignisse reagieren. Jemand wird kurzfristig krank. Dann kannst du schnell in die Datenbank schauen und die entsprechende Person, welche zu dem benötigten Anforderungen der Aufgabe passt, einfach direkt und persönlich ansprechen. Und nicht nur, dass du ausschließen kannst, dass  du die falsche Person ansprichst – du kannst in deiner Datenbank auch notieren, über welchen Weg die Mitglieder am liebsten kontaktiert werden wollen. Manche Personen sind ständig online und reagieren schnell auf Chatnachrichten oder E-Mails. Andere erreichst du nur telefonisch. Außerdem ist es von Vorteil zu wissen, ob ein Mitglied grundsätzlich in der Woche oder am Wochenende nicht ehrenamtlich arbeiten kann. So ersparst du dir unnötigen Aufwand.
Wenn das Mitglied am Ende das Gefühl hat, dass es bzgl. der Aufgaben eine gewisse Flexibilität und Selbstbestimmtheit behält und auf seine Bedürfnisse Rücksicht genommen wird, dann ist die Chance auf eine Zusage deutlich erhöht. Das kannst du aus unserer Sicht, aber nur mit einer Datenbank leisten.

Die sechs praktischen Umsetzungsschritte

Umso eine Datenbank aufzubauen, sind aus unserer Sicht sechs Schritte erforderlich

  1. Den Fragebogen erstellen und die Fähigkeiten der Mitglieder abfragen. Beim Verein vom Vereinsstrategen Pascal wird dies Talentkarte genannt.
  2. Jedes neues Mitglied bekommt diese Talentkarte mit dem Aufnahmeantrag oder über ein Online-Formular zum Ausfüllen zugeschickt. Stichwort ist hier die Digitalisierung von wiederkehrenden Abläufen.
  3. Lass auch deine Bestandsmitglieder einen Bogen ausfüllen und entdecke vielleicht auch neue Seiten und Interessen deiner altbekannten Helfer.
  4. Pflege die Daten möglichst zentral in deine Mitgliederdatenbank ein. Wenn deine Datenbank keine individuellen Felder unterstützt, dann geht übergangsweise sicherlich auch eine Excel-Liste. Achte aber darauf, dass die Liste immer aktuell und gepflegt ist und dass du die Mitglieder streichst, die nicht mehr mitarbeiten wollen. Bei Vereinsaustritt kannst du so auch den Datensatz löschen (DSGVO).
  5. Überlege dir, ob es auch Leute außerhalb des Vereins gibt, die sich einbringen könnten (Eltern, Unterstützer) und gebe diesen Leuten ebenfalls die Möglichkeit sich einzutragen.
  6. Nutze den Kanal für die Ansprache, den dein Mitglied bevorzugt. Das verlangt von dir natürlich ein wenig Flexibilität, weil du dich nach anderen richtest, aber du bist normalerweise auch der Hilfesuchende und möchtest beim Kinderfest nicht alleine das 12m Zelt aufbauen.

Wir hoffen, dass dir dieser Beitrag gefallen hat und wir würden uns freuen, wenn in deiner nächsten Sitzung über die Einführung einer Talentkarte oder andere Vorschläge aus dem Beitrag diskutiert wird. Die Talentkarte kannst du kostenfrei von uns erhalten. Im Podcast erklären wir dir, was du dafür tun musst. Wenn du noch Fragen oder Anmerkungen hast, kannst du uns gerne kontaktieren.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

 

 

Digitale Bildungsangebote im Sport

Digitale Bildungsangebote im Sport

Weiterbildung

Übungsleiterlizenz jetzt auch digital?

 

Wir haben uns für das Thema Bildungsangebote für Ehrenamtliche erstmalig externe Unterstützung in den Podcast geholt. Mit Marco Lutz konnten wir einen echten Experten gewinnen. Er ist nicht nur Leiter des Bereiches Bildung beim LSB Niedersachsen, sondern auch Speaker im Bereich New Work und seit Jahren im Ehrenamt engagiert. Vereinsstratege Pascal Grüne führte das Interview, welches einen Schwerpunkt auf die Aspekte und Chancen im Bereich der digitaler Bildungsformate hat. Es handelt sich beim Beitrag um eine geringfügig veränderte Variante des Podcast-Interviews, ist aber genauso informativ. Erfahren jetzt schon, wie die Bildungszukunft im Breitensport aussehen wird.

 

Pascal:
Hallo Lutz, schön dass du dich zu einem Interview im Vereinsstrategen-Podcast zur Verfügung gestellt hast. Ich möchte heute in unserem Interview einmal das Thema Digitales und Bildung näher beleuchten. Dich hat es nämlich in das Themenfeld Bildung beim LSB Niedersachsen verschlagen, und muss dich aktuell zwangsläufig mit digitalen Themen beschäftigen. Erzähl uns doch mal, wie lernt eigentlich so ein Mensch? Wie funktioniert das – wie lernen wir?

Marco Lutz:
Also das schöne ist, prinzipiell funktioniert das Gehirn immer gleich. Dies stellt auch die Basis dar und spielt auch für das Thema Neurowissenschaften eine ganz entscheidende Rolle. Grundsätzlich reden wir über die Grundfunktion, beachten aber natürlich auch, dass jeder Mensch individuell ist. Daraus lassen sich Rückschlusse für das Lernen ziehen. Dabei ist es ganz wichtig, dass man Bildung so begreift, dass es ein „Selbstprozess“ ist, also man selbst sich Dinge erschließt, erarbeitet, verarbeitet. Es funktioniert weniger so, dass man von außen belehrt wird also. Vielleicht kennst du das Bild, des Nürnberger Trichters, also man bekommt einen Trichter in den Kopf gesetzt und dann werden die Inhalte da eingeschleust mit dem Ergebnis, dass man etwas gelernt hat. Aber dieses Bild ist falsch. Es handelt sich stattdessen um einen Aneignungsprozess und der ist sehr individuell, wo unterschiedliche Menschen unterschiedliche Anreize brauchen. Die einen Lernen schneller, die anderen langsamer, die einen Lernen Audio-Visuell, die anderen lernen durch Sprache. Deswegen muss es sehr differenzierte Möglichkeiten für das Lernen geben, damit der Einzelne für sich auch gut lernen kann. Von daher differenziert, selbst organisiert und sehr viel mit Blick auf die Neurowissenschaft. Leider wird das aber noch sehr oft ignoriert.

Pascal:
Auf jeden Fall ein spannendes Thema! Ihr bespielt ja mit dem LSB Niedersachsen mehrere Kanäle, was jetzt die Bildungsarbeit angeht. Wie lautet deine Einschätzung, wie steht ihr im Vergleich zu anderen Verbänden im Bereich Digitalisierung dar?

Marco Lutz:
Ein Vergleich ist immer schwierig. Ich würde sagen, dass wir schaffen bundesweit eines ganz gut, uns auch viel besser mit Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bundesländern zu vernetzen und gemeinschaftlich voranzugehen. Ich würde sagen, wir sind da ganz gut dabei, im guten Austausch und befinden uns in der Sprintgruppe.

Pascal:
Du sagst der Vergleich ist ein bisschen schwierig, dann schauen wir doch jetzt nur mal auf euch als Organisation. Was läuft bei euch gut und woran arbeitet ihr noch?

Marco Lutz:
Also man muss sagen, dass Corona ein Entwicklungstreiber von vielen Themen war. Wir hatten aber schon 2019 eigentlich ganz viele Grundlagen gelegt. Wenn du digitales Lernen vorantreiben möchtest, brauchst du natürlich eine digitale Infrastruktur, das heißt eine Lernplattform, du brauchst andere didaktische Konzepte. Aber du brauchst auch qualifizierte Referenten, die mit anderen Tools und Werkzeugen ausgestattet sind. Da hatten wir schon die Grundlagen gelegt und natürlich innerhalb der des ersten Lockdowns ging es bei uns ging es rasend schnell. Da haben wir ganz schnell umgeswitcht und digitale Angebote entwickelt, also Online-Seminaren von 90 Minuten bis zu 2 Stunden. Große Teile der Übungsleiterausbildung haben wir dann im Blended-Learning-Format durchgeführt oder eben teilweise auch als Online-Format gemacht, weil die Praxisphase dann nachgelagert angeboten wurden. Zusammenfassend gesagt, wir haben schon viel auf den Weg gebracht und ich würde sagen, wir haben nicht weniger Menschen erreicht als sonst. Vielleicht sogar ein paar Menschen mehr und ein paar, die wir vorher eigentlich noch nie erreicht hatten.

Pascal:
Das heißt, der Corona-Lockdown war für euch so ein kleiner Boost euch noch einmal mehr mit digitalen Themen zu beschäftigen, weil einfach die Präsenzveranstaltungen ausgefallen sind?

Marco Lutz:
Genau, das hat auf jeden Fall das Thema fokussiert. Man musste schneller noch die Entwicklung vorantreiben und man hat ja auch gesehen, dass viele durch das Home Office, wodurch die Möglichkeit der Präsenz ausgeschlossen war, auch in ihren digitalen Kompetenzen gewachsen sind. Dadurch konnte man auch viel besser einsteigen und schneller in solche Bildungsprozesse kommen, wobei, und das muss ich gleich mal vorweg sagen, man auch schauen muss, dass man nicht die vergisst, die vielleicht noch nicht so digital affin sind oder da noch Entwicklungspotenzial haben. Man braucht dafür auch differenzierte Angebote, um eben die Menschen mitzunehmen, die bisher noch keinen guten Einstieg gefunden haben.

Pascal:
Da frag ich direkt einmal nach. Wie macht ihr das? Wie nehmt ihr diese Zielgruppe mit oder was plant ihr in Zukunft?

Marco Lutz:
Das eine war in dieser Lockdown-Phase, dass wir versucht haben möglichst vor allem Online-Angebote – sozusagen Sprechstunden – anzubieten. Dort haben wir versucht, individuell technischen Support zu bieten, Einstellungen am Rechner mit der Software zu unterstützen, damit quasi der Einstieg in so ein Format gelingt. Du kannst dir vorstellen, dass der Spaß am Lernen verloren geht, wenn du nicht handlungsfähig bist und deswegen war das ein ganz großer Schritt. Im Verlauf der Onlineseminare haben wir gemerkt, dass wir am Anfang natürlich öfter noch Menschen hatten, die einfach technisch rausgefallen sind, aber gegen Ende hatten wir fast eigentlich kaum Drop-Out. Also da ist schon viel passiert. Mein ältester Teilnehmer war 84, der ist ein Zoom-Profi, weil er 2 Enkel hat mit denen er sich nur per Video verbinden konnte, weil es nicht anders ging wegen den Einschränkungen. Das hat ihn quasi animiert, sich mit der Technik auseinanderzusetzen. Es gab also einen Lernanreiz, wenn man mal in der Bildungssprache bleibt.

Pascal:
Das widerlegt auch so ein bisschen das Klischee, dass die Alten per se ausgeschlossen werden bei digitalen Angeboten.

Marco Lutz:
Man muss sich da mit innovativen Konzepten drum kümmern und das wird auch ein Schritt sein, den wir fürs nächste Jahr machen müssen. Wie kreieren wir eigentlich Konzepte hin, dass wir digitale Kompetenzen niedrigschwellig fördern, um eben partizipieren zu können. Hier noch einmal zurück zu deiner Eingangsfrage von vorhin- das schöne ist, das Gehirn ist nie fertig, also man lernt nie aus, also das ist bi zum Ende des Lebens eigentlich umbaufähig, also veränderbar, anpassbar und kann lernen. Das hat man auch in der Wissenschaft herausgefunden, dass das Gehirn zeitlebens veränderbar, anpassbar, erweiterbar ist und deswegen kann man eigentlich von 0 bis zum Ende des Lebens lernen.

Pascal:
Wie lernst du denn am besten, also wie funktioniert es bei dir?

Marco Lutz:
Also das ist spannend. Die meisten wissen gar nicht, was sie für ein Lerntyp eigentlich sind. Also wie kann ich am besten, welche Strategien sind für mich geeignet? Für mich selber kann ich es so beantworten. Wir sitzen gerade bei einem Podcast. Ich lerne selber ganz viel durch Podcast und finde sie ein tolles Bildungsformat. Ich höre z.B. auf dem Fahrrad Podcasts oder auch mal abends auf der Couch. Grundsätzlich ich kann am besten Lernen, wenn ich es mir selbst aneigne, also wenn ich irgendwie aktiv dabei bin, das selbst verarbeiten muss, was produzieren kann, mich mit dem Thema auseinandersetzen muss. Es hilft, wenn man Ende ein Ergebnis zeigen kann, so kann ich eigentlich ganz gut lernen. >Klassisches Abschreiben zum Lernen hilft bei mir nicht wirklich.

Pascal:
Da muss ich sagen, das geht mir da tatsächlich ganz ähnlich. Ich habe auch für mich herausgefunden, dass ich sehr gut Informationen über Audio und Video aufnehmen kann und Bücher zum Beispiel etwas in den Hintergrund gerutscht sind. Das Audiodidaktische Lernen funktioniert bei mir ganz gut, sowohl über den visuellen als auch den audio Reiz.

Marco Lutz:
Aber ich muss natürlich auch sagen, ich habe eine ganze Reihe von Büchern und ich bin tatsächlich auch gerne ein Leser. Ich brauche auch das haptische Erlebnis mit Textmarker, also ich lerne nicht so gut an Online-PDFs, aber ich lerne gut mit Büchern und auf der anderen Seite nehmen auch Videos zu. also ich. Nebenbei läuft immer mal ein Tutorial, wo dir eine Person etwas erklärt. Damit ist die Zugänglichkeit zu Wissen größer und einfacher geworden, wo man einfach zurückspulen kann. Solche Tutorials sind ja auch etwas Neues, was erst in den letzten Jahren so entstanden ist.

Pascal:
Stimme ich dir auf jeden Fall zu. Da ergeben sich natürlich auch für euch dann wieder neue Möglichkeiten. Ihr produziert ja fleißig auch solche Tutorials und kurze Erklärvideos. Was versprecht ihr euch davon?

Marco Lutz:
Unser großes Konzept ist der LSB-Online-Campus. Unter dem Begriff Campus muss man sich einen ein Ort vorstellen mit verschiedenen Gebäuden, wie man das aus der Universität kennt oder auch vom Marktplatz in der Stadt, wo man in verschiedene Gebäude kann und da spielen unterschiedliche Dinge eine Rolle. Das eine ist die Lernplattform, wo ich für eine Zeit in einem Kurs mit anderen zusammen lernen kann, das zweite ist eine Art Community, ein lebenslange Begleitung der Lernenden in einer Community, wo ich eben mich mit anderen austauschen kann und wo ich immer wieder Informationen bekomme. Das Dritte sind, Podcast, welche zukünftig kommen werden, und wir haben in dieser Community auch immer die Möglichkeit, dass wir bisherige Lerninhalte, also Lernvideos oder Mitschnitte zur Verfügung stellen können. Dann kann man es on demand konsumieren, wenn man es vielleicht gerade braucht. Z.B. ich möchte etwas zur digitalen Mitgliederversammlung erfahren, dann kannst du das Tutorial und oder das Lernvideo anschauen. Im Anschluss kannst du dann ggf. noch mit einem Experten bzgl. der Umsetzung direkt in Dialog gehen.

Pascal:
Damit zielst du ja auch ein bisschen darauf ab, dass ihr euch langfristig in dem Bereich wieder aufstellen wollt. Das heißt, im Moment rettet euch diese Digitalisierungsstrategie so ein bisschen in der Coronazeit darüber hinaus, dass ihr gar nichts anbieten könntet. Langfristig wollt ihr aber eben auch Formate schaffen, die dann rein online basiert sind oder zum Großteil online sind?

Marco Lutz:
Jein, das Thema digitale Bildung wird uns zukünftig auf jeden Fall weiter begleiten und wird ein wichtiger Faktor sein, weil es auch ganz viele positive Effekte hat auf den Lernenden. Wenn wir von Differenzierung sprechen, von Individualisierung und von Selbstaneignung, dann sind da digitale Formate Präsenzformaten teilweise überlegen, aber die völlige Entfaltung der Möglichkeiten gibt es eigentlich nur bei einer guten Mischung. Diese besteht aus meiner Sicht aus Präsenz und Online lernen. Wir nennen das Blended Learning und da muss man eben dann genau schauen, welche Phasen packe ich in Online Angebote und wann und wie gehe eigentlich dieser wertvollen Zeit um, die Menschen sich ins Auto setzen, um an einen Ort fahren, um sich dort versammeln. Was genau passiert da eigentlich? Da werden wir neue Konzepte finden müssen, wo wir das Lernen auf ein neues Level schieben. Im Bereich der Trainer/Übungsleiter müssen wir uns das genau anschauen. Das sind ja in der Praxis tätige Menschen und die müssen für die Praxis auch ausgebildet werden. Von daher muss es eben eine gelungene Mischung sein und die Formate müssen genau darauf ausrichtet sein, welchen Anforderungssituation die eigentlich in ihrer Tätigkeit gegenüberstehen. Also ich arbeite mit Kindern auf dem Sportplatz, in der Sporthalle, in der Gymnastikhalle und dementsprechend müssen auch die Bildungsformate darauf genau zugeschnitten sein.

Pascal:
Ich würde sagen: Butter bei die Fische Film. Was ist denn der Nutzen für die Vereinsvertreter, Jetzt gezielt für Niedersachsen, wenn sie am Blended Learning teilnehmen können?

Marco Lutz:
Ich glaube, in der Zukunft werden wir genau entscheiden müssen, was findet online statt, was findet in dieser Mischung statt und was findet in Präsenz statt. Das ist die erste Entscheidung. Das zweite ist das Zeitaufwandsthema. Da kann ich auch mal ein praktisches Beispiele bringen. Wir hatten zu Beginn der Corona-Phase, dass Übungsleiter-Förderverfahren umgestellt. Das sind dieses Jahr über 6 Millionen Euro gewesen und dazu haben wir ein Online-Portal auf den Weg gebracht und haben Vereinsführungskräfte geschult. Das haben wir in Online-Formaten von ungefähr einer Stunde gemacht mit teilweise über 120 Leuten. Ich habe sie dann nach ihrem Feedback gefragt und sie haben mir zurückgespiegelt, dass solche Fortbildungen bitte weiter so gemacht werden sollten. Für so ein Thema setze ich mich nicht mehr ins Auto eine Stunde ins Auto. also. Das schafft Zeit, Zeit für Begegnung und ich muss mir nicht mehr die Frage stellen, schaffe ich das nach dem Arbeit noch oder wie sieht es mit der Familie aus? Also es wird auch Freiräume geben oder Möglichkeitsräume erschaffen, dass einige Menschen in Dialog kommen und an einer Maßnahme teilnehmen, die es vorher nicht konnten.

Pascal:
Das glaub ich nämlich auch. Ich glaube, dass ihr gut profitieren könntet davon, wenn ihr dezentrale Sachen anbietet bzw. flexiblere Sachen. Dann stellt sich für mich aber die Frage passen denn die Angebote, die jetzt für Präsenz entwickelt wurden, überhaupt in den digitalen Raum oder müsst ihr auch nochmal ran?

Marco Lutz:
Also letztendlich muss man sich jedes Konzept nochmal anschauen, es überprüfen und sagen ist das denn passend. Also ein Präsenzformat kann man nicht einfach in den digitalen Raum verlagern. Das wird am Ende nicht gut sein und es wird auch keinen Spaß machen. Man braucht dafür ein eigenes didaktisches Konzept. Das Gleiche ist für die Präsenz. Wir haben am Anfang sicherlich mal Schnellformate gemacht, haben viel gelernt, also auch gelernt aus dem Scheitern und haben viel Erfahrungswissen aufgebaut. Jetzt schauen wir uns sukzessive die Formate an und wenn wir neue Formate entwickeln, entwickeln wir jetzt schon auf einem anderen Kompetenzlevel. Von daher war es auch ganz gut, in dieser Phase viel lernen und experimentieren zu können und auch das entsprechende Feedback zu bekommen. Was funktioniert gut, was ist verbesserungswürdig.

Pascal:
Bist du denn der Meinung, dass bei diesem Lernprozess die Verbände auch noch näher zusammenrücken und mehr kooperieren müssten oder ist das deiner Meinung nach schon ganz gut, wie es momentan läuft?

Marco Lutz:
Ich hab so ein Dreier-Hashtag #zusammenbessermehr und das ist auch so ein bisschen die überlagernde Agenda. Wir haben jetzt in 2020 also tatsächlich neben der Corona Bewältigung, unsere Basisausbildung, die Übungsleiter C-Ausbildung (DOSB-Lizenz) umgearbeitet, um dieses Jahr ein Modell-Jahr zu machen. Das haben wir ganz intensiv gemacht mit vielen Verbänden, um eben auch gegenseitige Anerkennung zu ermöglichen, gegenseitige Ressourcen zu nutzen und um breiter auszubilden. Zum anderen war das Ziel Synergieeffekte zu nutzen bei der Entwicklung von Formaten vor allem von digitalen Formaten und bei der Qualifizierung von Referenten. Und da sind wir auf einem ganz guten Weg. Es zeigt, dass wir Hand in Hand arbeiten und die Ressourcen sinnvoll einsetzen, um Menschen zu qualifizieren.

Pascal:
Das heißt dann, 2021 ist das erste Jahr, wo ich eine Übungsleiter C Lizenz verbandsübergreifend machen kann, oder wie darf ich das jetzt interpretieren?

Marco Lutz:
Wir haben jetzt schon Verbände, die aufgrund ihrer Größe große Teile über das LSB-System bisher machen und dann den Spezialisierungsteil in ihrer Fachsportart selbst machen. Einige größere Verbände machen das komplett selbst. Da gibt es eben unterschiedliche Varianten. Die eine ist, dass man uns darauf einigt, dass es eine Basisqualifizierung gibt. Das sind 30 Lerneinheiten, die gegenseitig anerkannt werden. Die zweite Variante wäre, dass es fast egal ist, wo ich die mache, ob beim Turnen, beim Tischtennis, beim Basketball oder beim LSB. Ich kann damit quasi in die Fachausbildung einsteigen beziehungsweise, wenn ich einmal diese Basisqualifizierung gemacht habe, kann ich auch jegliche andere Lizenz oben draufsetzen. Da sind wir aktuell in einem Prozess mit ca. 15 Verbänden und auf einem guten Weg. Also wir werden da eng zusammenarbeiten und auch auf einem Online-Campus zusammenarbeiten und mit den anderen sind wir da im Dialog und ich glaube gute Beispiele machen Schule.

Pascal:
Ich denke, da habt ihr auf jeden Fall einen guten Ansatzpunkt erwischt, gerade auch die Anerkennung von Lizenzen untereinander ist ja immer wieder ein Thema gewesen, was ich so mitbekommen habe. Von daher finde ich es gut, dass ihr das macht. Mich würde noch mal interessieren, wenn wir Corona hinter uns gelassen haben, wie würdest du langfristig die Verteilung von digitalen Seminaren und Präsenzveranstaltungen sehen? Also wie ist die Gewichtung dann? Was wäre deine Prognose?

Marco Lutz:
Das ist eine wirklich schwere Frage. Also ich kann auf jeden Fall beantworten, dass es beides geben wird weiterhin und das sicherlich Online-Formate zunehmen werden, aber ich glaube, wenn man ich mich mal hinreisen lasse, wird das so 2/3 zu 1/3 sein – 2/3 Präsenz und 1/3 Online. Wir müssen halt auch sehen, Menschen sind soziale Wesen. Wir brauchen auch diesen Gruppen-Kontakt und du hast ja auch schon viele Fortbildungen besucht, die wichtigen Phasen passieren eigentlich außerhalb des Seminars, in der Kaffeepause oder Abends im geselligen Miteinander. Da muss man ganz ehrlich, sagen da hat der digitale Raum auch tatsächlich Nachteile. Von daher vielleicht ist es 1/3 zu 2/3. Vielleicht müssen wir nochmal in 5 Jahren reden, aber so kann ich mir das gut vorstellen.

Pascal:
Ich bohre da noch ein bisschen nach. Du hast jetzt schwer getan, mit dem die Zukunft schauen, aber ich will noch etwas weiter gehen. Du hast 5 Jahre gesagt, ich würde gerne ca. 10 Jahre weitergehen? Also wie sieht die Bildungslandschaft Niedersachsen 2030 aus?

Marco Lutz:
Die ist heute schon da. Ich glaube, dass diese Idee dieses Campus, dieses sich an einem Ort bewegen, von dort aus die Räume betreten, die ich brauche, das wird das Zukunftsmodell sein und das gilt es eben auszubauen. Es wird Formen des vernetzten und kooperatives miteinander arbeiten und austauschen geben, also in solchen Communities. Das wird uns nachhaltig stärken. Es wird aber weiterhin viele dezentrale Angebote in Praxis geben, aber es wird vorher immer genau überprüft, macht es Sinn, dass es ausschließlich in der Praxis, dass es ausschließlich Online oder es in gemischten Formaten zu machen. Da werden wir einfach gut werden, in der Abwägung und Entscheidung, was ist das passende Format oder wann sind es Hybridformate. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit Hybridformaten, wo man sagt, es wird Menschen geben, die in Präsenz vor Ort sind, und es wird Menschen geben, die sind digital zugeschalten. Man schließt damit keinen aus, aber man kommt auch den individuellen Bedürfnissen nach . So ein bisschen.

Pascal:
Damit hast du auch ein ganz gutes Schlusswort schon gesetzt. Es ist wichtig, dass die Leute oder die die Vereinsvertreter mitgenommen werden, dass sie gleichzeitig aber auch flexibel auf ihre Bedürfnisse angepasstm das machen können, was sie brauchen. Also wir haben ja auch schon gesagt, es gibt Leute, die lernen vor Ort gut, hören sich das an, manche lernen besser vielleicht, wenn sie Online, etwas machen können. Und da glaube ich, seid ihr auf dem guten Weg. Ich bin sehr gespannt, wie es bei euch weitergeht. Und 2030? Ich mache mit dir nochmal neuen Termin aus und dann sprechen wir noch mal drüber, wie es wirklich gelaufen ist. Ich danke Dir ganz herzlich für das Interview Marco.

 

Wir danken Dir, dass du dieses Interview gelesen hast. Bei Fragen oder Anmerkungen kannst du uns sehr gerne kontaktieren.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)