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Der Weg Sponsoren für deinen Verein zu gewinnen

Der Weg Sponsoren für deinen Verein zu gewinnen

Vereinsentwicklung

Positionierung ohne sportlichen Erfolg

 

Die Sponsorengewinnung ist für Vereine ein schwieriges Thema. Die Bemühungen kosten die Ehrenamtler viel Zeit und der Erfolg von Anfragen bei Sponsoren ist häufig überschaubar. Deswegen haben wir uns überlegt, dass wir uns einen Experten in den Podcast einladen sollten, der sowohl Erfahrungen im ehrenamtlichen Sport hat, als auch selber als Breitensportsponsor in Erscheinung tritt. Die Rede ist von Christopher Gogolin und seinem Unternehmen Ocha-Ocha. Der Beitrag stellt eine gekürzte Version der Podcastfolge dar.

Lacrosse – eine Passion als Ausgangspunkt zum Unternehmer

Alles begann bei Christopher mit der Entdeckung des Lacrosse-Sports für sich (Klicke hier, um dich zu informieren, was Lacrosse ist). Bei Lacrosse handelt es sich in Deutschland um eine absolute Randsportart mit 2.000 bis 2.500 aktiven Sportlern. Dieser Sport war eine der Voraussetzungen, das Christopher später Unternehmer wurde. Dadurch dass die Sportart vor 10 Jahren noch kleiner war und vor allem jüngere Leute angesprochen hat, führte dies immer wieder dazu, dass man sich mit Vereinsgründungen auseinandersetzen musste. Kam ein Lacrosser in ein neue Stadt, gab es meist keinen Verein zum Spielen und die Personen, die Lacrosse schon vorher gespielt hatten oder spielen wollten, mussten alles neu aufbauen. Ein hoher ehrenamtlicher Aufwand war dafür nötig – wie wenn man ein eigenes Unternehmen aufbauen möchte. Durch diese Vereinsarbeit werden z.B. Basics im Bereich von Marketing und Finanzen praktisch vermittelt.
Durch die überschaubare Größe der Coummunity in Deutschland ist diese aber besonders stark, weil praktisch jeder jeden kennst. Das geht im Falle von Christopher sogar soweit, dass er in Argentinien oder Japan durch den Lacrossesport seinen Einstieg in die fremde Umgebung gefunden hat und einige gute Freunde kennengelernt hat. In Japan wurde auch seine Geschäftsidee mit Ocha-Ocha (ungesüßter japanischer Tee) geboren, weil es dort üblich ist, während des Sports Tee anstelle von Wasser zu trinken.

Vom Start-up zum Sportsponsor

Mit der Idee im Kopf wurde nach der Rückkehr nach Deutschland Ocha-Ocha gegründet. Jetzt ist es für ein junges Start-up natürlich wichtig auch seine Bekanntheit zu erhöhen. Hier war ein Baustein für Christopher im Marketingmix das Sportsponsoring – im Schwerpunkt das Sponsoring von Nischensportarten und Breitensportevents.
Das Konzept von Ocha-Ocha sieht dabei vor, dass verschiedene kleinere aber starke Communities angesprochen werden, wo die Marke und das Produkt eine hohe Durchdringung aufweisen soll. Eine davon ist bspw. die Lacrossecomunity. Mannschaften wurden kostenlose Getränke während der Turniere zur Verfügung gestellt, um die Interaktion der Sportler mit dem Produkt zu erhöhen. Eine klassische WIN-WIN Situation für beide Seiten. Ebenso hat Ocha-Ocha auf jedes Tetrapack das Logo des Lacorosse-Verbandes drucken lassen. Dies hat gleich zwei Vorteile. Durch die höhere Reichweite des Tees im Einzelhandel werden mehr Personen auf Lacrosse aufmerksam, gleichzeitig wirkt es nach einem großen Engagement, wenn ein Unternehmen verkünden kann, dass sie eine Nationalmannschaft sponsort. Für einen unwissenden Dritten ist es nämlich sehr schwer einzuschätzen, wie groß die Lacrossecommunity in Deutschland ist. Sind es 2.500 oder doch 25.000 Personen, die den Sport betreiben oder damit sympathisieren?
Grundsätzlich muss man festhalten, dass beim Sponsoring im Nischen- und Breitensport viel über Kontakte geschieht. Ein Sponsoring für einen deutschen Bob neben der deutschen Post und BMW kam durch einen direkten Kontakt mit dem Anschieber des Bobs zustande. Dies führte bei Ocha-Ocha sogar zu Werbepräsenz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Grundsätzlich findet Christopher, dass das Preis-Leistungsverhältnis in Randsportarten sehr gut ist (außer bei den Top-Athleten) und ihn freut die Möglichkeit den Sportlern mit geringen Beträgen schon sehr helfen zu können.
Die Messbarkeit einen solchen Engagements ist für Christopher allerdings auch schwierig. Ziel muss es für ein Unternehmen sein ein nachhaltiges Sponsoring zu betreiben, was bedeutet, dass es für Geld auch eine Gegenleistung geben muss. Fest steht aber, dass der Erfolg beim Sponsoring einer kleinen kritischen Masse aufgrund der Durchdringungswahrscheinlichkeit erfolgreicher ist, als mit dem Gießkannenprinzip vorzugehen. Deswegen geht Ocha-Ocha auch diesen Weg. Langfristig kann sich Christopher auch ein größeres Sponsoring z.B. bei Energie Cottbus vorstellen, wie auch die Vergabe von Stipendien für Sportler aus Randsportarten, um ihnen beispielsweise die Anreise zu einer WM zu ermöglichen. Hier sagt er selber, dass Teile dieser Aktivitäten aber ideller Natur wären.

Ratschläge für eine erfolgreiche Sponsorenakquise

Aus Sicht von Christopher ist die absolute Grundlage zum Finden eines Sponsors eine gute Vorbereitung in Form einer Sponsoringmappe. Hier sollten alle relevanten Informationen aufgleistet sein, welche einen Sponsor interessieren könnten in einer knappen übersichtlichen Darstellungsweise. Der andere wichtige Punkt für ihn ist der Kontakt zum Sponsor. Meldet sich aus dem Verein immer mal jemand beim Sponsor? Werden Weihnachtskarten geschrieben? Wird der Sponsor oder potentielle Sponsoren zu Vereinsfeiern eingeladen? Muss man als Unterstützer einem Spendenbeleg hinterherlaufen? Wie sieht die Kommunikation des Vereins auf Social Media für den Sponsor aus? Jeder Sponsor freut sich darüber, wenn sein Banner, was er extra für eine Breitensportmannschaft drucken lassen hat, wenigstens auch auf einem Bild bei Instagram zu sehen ist. Noch besser ist es, wenn der Sportler oder die Mannschaft auch einmal auf eine lustige Art und Weise mit den Produkten öffentlich interagiert. Hier werden aus der Erfahrung von Christopher immer wieder Anfängerfehler gemacht, welche Sponsoren enttäuschen.
Um den richtigen Sponsor für euren Verein zu finden, analysiert im ersten Schreitt erst einmal, was ihr wirklich braucht. Und damit meinen wir nicht einfach nur Geld, sondern was wirklich benötigt wird. Sind es Getränke für die nächste Auswärtsfahrt? Dann fragt doch bei eurem regionalem Supermarkt nach, ob sie euch Getränke zur Verfügung stellen? Wenn ihr nach Sachleistungen fragt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr eine Zusage bekommt deutlich höher. Aber denkt auch daran, dass ihr auch etwas zurückgebt – interagiert mit den Produkten auf Social-Media, wenn ihr sie benutzt oder helft dem Sponsor einmal, wenn es um Themen geht frei nach dem Motto „Viele Hände, schnelles Ende.“.
Wenn ihr Start-ups anfragen solltet bzgl. eines Sponsoring dann bietet ihnen doch etwas Unterstützung bei Themen an, wo ihr Erfahrungen oder Experten als Mitglieder habt. Da ihr im Verein eine Vielzahl an Vereinsmitgliedern mit unterschiedlicher beruflicher Ausbildung habt, gibt es bestimmt auch jemanden, der das Start-up beraten bzw. unterstützen kann (z.B. Informatiker, Steuerberater). Präsentiert euch aber auch bei Start-ups professionell, auch wenn es dort meist „lockerer“ zugeht.
Neben dem Status von Mitgliedern als Experten gibt es natürlich auch diverse Mitglieder, die Kontakte zu potentiellen Sponsoren haben durch den privaten oder beruflichen Umgang mit Entscheidungsträgern. Nutzt diese Möglichkeit. Versucht aber eine Beziehung zu den Sponsoren langsam aufzubauen und nicht sofort mit der Tür ins Haus zu fallen. Stellt leichte Anfragen, also bittet zu Beginn eher um eine Sachspende/Zeitspende als um Geld. Ladet sie schon früh zu Vereinsfesten ein, kommt ins Gespräch, auch wenn bisher Sponsoringanfragen vielleicht noch nicht erfolgreich waren. Versucht so eine persönliche Beziehung zum Sponsor aufzubauen. Schließlich ist es am Ende wichtig, dass ihr die Personen seht und nicht nur das Unternehmen bzw. die Organisation.

Wir hoffen, du konntest aus dem Beitrag wieder viele Ideen mitnehmen, wie du deinen Verein voranbringen kannst. Schreib uns gern, wenn du Nachfragen oder eigene Ideen hast unter info@vereinsstratgen.de. Sonst können wir dir natürlich empfehlen die Folge voller Länge zu hören. Hier werden auch Sachen ausführlicher angesprochen bzw. Sachverhalte, welche im Blog nicht erwähnt werden. Wenn dir der Podcast bzw. der Blog gefällt, würden wir uns sehr freuen, wenn du diesen anderen Personen empfiehlst.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Zukunftsaufgabe: Nachhaltigkeit im Verein

Zukunftsaufgabe: Nachhaltigkeit im Verein

Vereinsentwicklung

Aktionismus ist ein Fehler

 

Nachhaltigkeit ist ein Thema, welches in den letzten Jahren noch einmal verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Medien bringen beinahe täglich Nachrichten über CO2-Werte, Umweltverschmutzung oder Klimaerwärmung. Doch der Umweltaspekt ist nur ein Bereich von Nachhaltigkeit. Um uns das einmal im Gesamtkontext des Sportes anzuschauen, haben wir uns Vanessa Nord in den Podcast eingeladen. Als studierte Sportmanagerin hat sie sich als Beraterin für Nachhaltigkeitsthemen selbstständig gemacht. Der Beitrag stellt eine Zusammenfassung des Interviews dar.

Nachhaltigkeit – Was ist das?

Man kann den Begriff „Nachhaltigkeit“ grundsätzlich in drei Bereiche unterteilen:

  • Soziale Gerechtigkeit
  • Ökonomischer Bereich
  • Ökologischer Bereich/Umweltverträglichkeit

Traditionell sind Vereine im Bereich der sozialen Gerechtigkeit als stark anzusehen. Schon in den Satzungen ist dies festgelegt. Sie kümmern sich um Themen, wie Gleichberechtigung, Fairness, ein geselliges Miteinander oder auch Integration.
Der ökonomische Bereich umfasst beim Verein schwerpunktmäßig das Ziel, dass die Finanzen so aufgestellt sind, dass langfristig gewirtschaftet werden kann und auch aus rechtlich-steuerlicher Sicht keine unnötigen finanziellen Risiken eingegangen werden. Häufig gibt es in diesem Bereich bei Vereinen schon Schwierigkeiten, weil das Finanzpolster nicht so üppig ist. Meistens begründet dieses Problem auch die Zurückhaltung in der Vereinsführung für den Umweltaspekt.
Die Beschäftigung mit dem ökologischen Bereich für Vereine und Verbände sollte allerdings trotzdem mehr in den Fokus rücken. Durch die „Fridays for Future“-Bewegung sollte den meisten Personen bewusst geworden sein, welche hohe Bedeutung das Thema für junge Menschen hat. Für sie ist Umweltschutz selbstverständlich. Vielleicht hast du selber bei dir im Verein Jugendmannschaften, wo das Thema immer wieder angesprochen wurde.
Wenn man sich als Verein mit dem Thema auseinandersetzt, kann man meist auch deutlich leichter junge Menschen von einer Mitgliedschaft oder einer ehrenamtlichen Arbeit überzeugen. Das Verständnis des Vereins deckt sich dann mehr mit der Überzeugung der (neuen) Mitglieder. Dafür ist es aber notwendig, dass Vereine jetzt ins Handeln kommen und nicht nur darüber diskutieren.
Der Profisport vor allem der Profifußball muss laut der Ansicht von Vanessa Nord beim Thema Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle übernehmen, da er eine hohe Strahlkraft hat und somit auch motivieren kann. Es gibt aber bisher noch keinen Profiverein, der komplett nachhaltig ist. Zwar gibt es schon einzelne Maßnahmen und erst Schritte, doch es gibt noch einige ungelöste Punkte, wie beispielsweise die Mannschaftsanreise per Flugzeug. Doch wie die großen Vereine sollten sich auch Breitensportvereine erst einmal ein Konzept überlegen mit ihren Zielen, die sie erreichen wollen, anstatt mit einzelnen Maßnahmen zu starten.

Start in den Nachhaltigkeit

Vielen Vereinsvertreter denken, man muss alles von Anfang nachhaltig gestalten, wenn man sich für dieses Thema z.B. im Rahmen einer Positionierung entscheidet. Doch das ist ein Trugschluss. Nachdem man sich eine Vision sich überlegt hat, also gesagt hat „Was möchte ich erreichen?“, sollte man am besten überlegen, was sind Dinge, welche ich erst einmal kurzfristig umsetzen kann. Dafür sollte man die Auswirkungen seines Handelns überdenken. Bekannte Beispiele sind die Müllreduktion und -trennung oder die Bildung von Fahrgemeinschaften zu Auswärtsspielen. Den größten Hebel haben Vereine aber sicherlich bei Investitionsprojekten. Das umfasst Themen wie den Kauf von nachhaltigen Sportklamotten, Sportgeräten, die Sportinfrastruktur (z.B. Kunstrasenplätze wegen dem Thema des Mikroplastiks) oder Photovoltaikanlage auf dem Dach des Vereinsheims. Dazu gehört aber im Bereich der sozialen Gerechtigkeit z.B. auch die deutliche Reduzierung der Mitgliedsbeiträge oder Eintrittspreise für benachteiligte Kinder. Eines sollte man sicher aber bewusst werden – Nachhaltigkeit ist ein langfristiges also im Aufbau mehrjähriges Projekt. Die Überlegung, was kann ich zur nächsten Veranstaltung noch schnell zu dem Thema einbauen, zeugt eher von kurzfristigen Aktionismus als von einer langfristigen Strategie. Seid im Verein ehrlich zu euch, ob ihr das Thema im Verein nur verwaltet oder weiterentwickelt.
Für eine Positionierung kann man auch darüber nachdenken, ob man sich als Verein zertifizieren möchte. Schließlich kann man diese besser in der Öffentlichkeit präsentieren – als die Aussage, dass man jetzt nachhaltig ist. Aber hier sollte man sich genau die Frage stellen, ob man die finanziellen Ressourcen für die Zertifizierung opfern sollte, anstelle sie in eine weitere Nachhaltigkeitsmaßnahme zu stecken. Was man allerdings als Richtlinie für seinen Verein verwenden kann, ist die Orientierung an den Kriterien einer Zertifizierung. Dadurch kann man abgleichen, was man vielleicht selber im Verein schon umgesetzt hat, was noch nicht und was man vielleicht schon über eine Zertifizierung hinaus unternimmt. Grundlage für eine Umsetzung einer Positionierung „Nachhaltigkeit“ ist natürlich, dass die Mitglieder im Verein sich dies auch wünschen. Nutzt hierfür das Potential, was im Verein in Form der Mitgliedererfahrungen schlummern. Einige Personen mussten sich im Zuge ihres Berufes oder in der Freizeit sicherlich schon einmal mit dem Thema auseinandersetzen. Hebe dieses Wissen bei dir im Verein!

Greenwashing

Die Gefahr von Greenwashing ist im Sport genauso wie in anderen Wirtschaftszweigen hoch und kommt auch häufig vor. Das liegt daran, dass das Thema häufig mit viel Aktionismus behandelt wird, aber vorher kein konkreter Plan ausgearbeitet wird (siehe oben Vision). Bäume pflanzen in Afrika ist so ein Beispiel. Besser ist es sich zu überlegen, wie man das Thema langfristig angehen möchte. Wenn man seine Arbeit z.B. sichtbar machen und das Bewusstsein seiner Mitglieder erhöhen möchte, macht es mehr Sinn eine Blumenwiese in der Nähe des Vereinsheim anzupflanzen, um dem Insektensterben entgegenzuwirken.
Außerdem sollte man sich immer der Gefahr bewusst sein, dass eine „Lüge“ in Bezug auf Nachhaltigkeit immer wieder auch aufgedeckt werden kann. Die Menschen sind deutlich informierter als früher und das Internet bietet diverse Möglichkeiten Sachverhalte zu überprüfen. Der Imageverlust gegenüber Mitglieder oder auch Sponsoren beim Aufdecken einer solchen Lüge sollte man nicht unterschätzen.

Perspektive für einen Skiverband

Jede Sportart hat einen unterschiedlichen Einfluss auf das Thema Nachhaltigkeit. Der Skisport zählt sicherlich nicht zu den Musterschülern. Der Umweltaspekt mit der Nutzung von Schneekanonen und der Zerstörung der Landschaft ist den meisten bewusst. Aber wenn es man es durch die Brille der sozialen Gerechtigkeit betrachtet, ergeben sich ebenfalls Probleme. Skisport wird ein immer teurer und ein damit elitärer Sport, den sich eine Durchschnittsfamilie nur noch schwer leisten kann. Das erzeugt für die Skiverbände das Problem, wie sie für die Sportart überhaupt noch junge Athleten gewinnen soll. Aus diesem Grund hat Vanessa Nord mit dem hessischen Skiverband und dessen Jugend ein Projekt gestartet. Der 1. Schritt war die Erstellung der Vision. Diese hat nur zwei Sätze und zwei Hauptziele. Zum einem sollen die Mitglieder und anderen Interessensgruppen über das Thema Nachhaltigkeit informiert und gebildet werden, zum anderen geht es auch darum als Verband und Sportart nachhaltiger zu werden und deswegen konkrete Projekte umzusetzen. Die Informationspolitik wird aktuell vor allem über Instagram umgesetzt, weil man auch eine junge Zielgruppe ansprechen möchte. Der Skiverband erhofft sich über diesen Weg auch neue Engagierte für die diversen Projekte in dem Themenfeld zu gewinnen. Wie meistens leidet der Verband nämlich darunter, dass er bisher nur die Menschen für das Thema ansprechen konnte, welche sich bereits regelmäßig engagieren. Außerdem sollen über diesen Kanal auch die Nachhaltigkeitsfortschritte präsentiert und gezeigt werden, um neue Leute für das Thema zu motivieren und ihnen zu zeigen, dass etwas vorangeht und sich ändert. Dabei achtet der Verband auf flache Hierarchien und zeitlich begrenzte Arbeitspakete (lies hier noch mal, wie man Ehrenamtsarbeit organisieren sollte).

Wenn man sich noch einmal mehr mit dem Thema beschäftigen möchte, empfiehlt Vanessa Nord die Internetseite zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN. Hier kann man bereits gut reflektieren, was die Umsetzung von gewissen Zielen für deinen Verein bedeuteten würde. Schaut euch bevor ihr mit der genauen Umsetzung anfangt, auch die Förderungsmöglichkeiten durch die verschiedenen Verbände an. Hier gibt es aktuell ein breites Angebot.

Wir hoffen, dass du aus diesem Beitrag viel mitnehmen konntest. Falls du mehr Informationen zu Vanessa haben oder sie kontaktieren möchtest, dann empfehlen wir ihre Website. Falls du sonstige Fragen oder Anregungen hast, schreib uns gern eine E-Mail an info@vereinsstrategen.de. Wenn Dir unser Podcast gefällt, würden uns freuen, wenn du uns weiterempfehlen würdest.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Positionierung Integration: Mitglieder und Sponsoren gewinnen

Positionierung Integration: Mitglieder und Sponsoren gewinnen

Vereinsentwicklung

Positionierung ohne sportlichen Erfolg

 

Integration kann neben seiner gesellschaftlichen Wichtigkeit auch ein Weg sein, seinen Verein stärker zu positionieren und damit neue Mitglieder zu erreichen. Hierfür haben wir Roy Gündel als unseren Experten für Integration erneut in den Podcast eingeladen. Er ist Leiter des Fachbereichs Integration und Sport/soziale Arbeit beim LSB Niedersachsen. Der Beitrag ist eine Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte des Interviews.

Gleich vorneweg das Fazit: Ja, es macht Sinn, dass sich Vereine in vielen gesellschaftlichen Belangen stark positionieren. Das liegt schon in der Grundstruktur der Vereine selbst verankert. Sie übernehmen soziale Funktionen und können deswegen auch nicht unpolitisch sein. Jeder Verein sollte sich schließlich zu den Grundwerten einer liberalen Demokratie bekennen, auch wenn die meisten parteipolitisch neutral sind. Der Bereich der Integration ist deswegen besonders interessant, weil bei einer starken Positionierung Vorteile für den Verein winken. Er wird bei einem hohen Engagement als relevanter Akteur vor Ort wahrgenommen. Dies erleichtert aber auch die Zusammenarbeit in anderen Bereichen bzw. hilft eigene Belange in anderen Fragestellungen durchzusetzen.

Die Vorteile der Positionierung „Integration“

Deswegen schauen wir als nächstes einmal darauf, was passieren könnte, wenn ein Verein sich für die Positionierung im Bereich der Integration und des gesellschaftlichen Zusammenhaltes entscheidet. Grundsätzlich vertritt man mit dieser Positionierung Werte außerhalb des sportlichen Erfolgs. Diese Werte und die Menschen, die ihr damit erreicht, können für bestimmte Unternehmen vor Ort attraktiv sein. Sie wollen von eurem Image partizipieren und damit erscheint ein Vereinssponsoring möglich.
Ebenso werden aber auch die Kommunen mehr auf euch aufmerksam, da ihr einen gesellschaftlichen Mehrwert vor Ort geniert. Ihr fördert die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, bringt Menschen zusammen, fördert den sozialen Austausch und schafft für Menschen eine neue Heimat. Dies sind meist genügend Gründe für eine Kommune euch zu unterstützen bei Themen wie Hallenzeiten, Bau von neuer Infrastruktur oder auch Zuschüssen. Der sportliche Erfolg dagegen ist der Kommune egal.
Wahrscheinlich ist aber auch, dass ihr eure Mitgliederbindung erhöht. Die Mitglieder kommen nicht nur wegen dem Training zu euch, sondern vor allem wegen der Menschen. Allein für den Sport könnten sie auch woanders hingehen. Die Mitglieder finden das, wofür der Verein steht gut und unterstützenswert. Dann ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass selbst Mitglieder, welche nicht mehr in der Nähe des Vereins wohnen oder nicht mehr aktiv Sport treiben, trotzdem ihre Mitgliedschaft behalten wollen, weil sie das Engagement des Vereins im Bereich Integration unterstützen wollen.
Wenn man sich für die Positionierung „Integration“ entscheidet, muss man dies aber auch immer im Gesamtspektrum des Vereins sehen. So ist die Integrationsarbeit als die eine Positionierung auch nicht zielführend, weil man dann zu einseitig arbeitet. Man darf allerdings auch nicht zu viele Schwerpunkte setzen, weil es dann auch keine Schwerpunkte mehr sind. Hier besteht die Gefahr, dass sich Vereine übernehmen, denn häufig gehen diese Schwerpunkte auf einzelne Personen oder Personengruppen zurück. Hört eine Person im Verein auf, so kann der Schwerpunkt wegbrechen oder sich durch den Personenwechsel stark verändern. Diese Fluktuation muss bedacht werden und es muss vorher festgelegt werden, wie solche personellen Verluste aufgefangen werden. Dafür ist es aber wichtig die richtigen Prioritäten bzgl. des Gesamtvereins zu setzen. Nicht jeder Verein muss jedes Thema zu seiner Priorität erklären, viel wichtiger ist die Frage: „Was ist sinnvoll und was möchte ich?“.

Gefahren bei der Positionierung „Integration“

Die Wichtigkeit mehrere Schwerpunkte zu setzen, anstelle sich nur auf „Integration“ zu fixieren, wurde gerade schon beschrieben, aber nicht, warum die Fixierung eigentlich ein Fehler ist. In erster Linie sind alle Mitglieder in einem Sportverein Sportler. Doch wenn ein Verein sich nur auf die Integration fixiert, besteht die Gefahr, dass dieses Thema alles andere überstrahlt und Menschen auf ihre Herkunft reduziert werden. Aus Sportlern werden dann Migranten in der Wahrnehmung, also genau das Gegenteil von dem, was eigentlich gewollt ist. Hier muss am Ende entschieden werden, inwieweit trage ich diese Positionierung nach außen oder setze sei einfach im Verein um.
Eine weitere Gefahr ist, nicht ausreichend auf die Resonanz der Mitglieder zu hören. Es gibt immer Vorbehalte und Widerstände bei einer solchen Positionierung. Wichtig ist es genügend Raum für den Austausch zu geben, um interkulturelle Konflikte zu klären und zu lösen. Natürlich darf dieser Austausch nur in vorher festgelegten Grenzen erfolgen, sollte immer auf Augenhöhe erfolgen und man sollte nicht übereinander, sondern miteinander sprechen. Beachtet hier auch den entsprechenden Sprachgebrauch eurer Mitglieder. Mit dieser Resonanz kann man dann Schritt für Schritt den Verein und auch die Positionierung weiterentwickeln und festigen.

Mitgliedergewinnung durch die Positionierung „Integration“

Für die Mitgliedergewinnung ist jede Positionierung nur ein Mosaikstein unter mehreren. So sind zur Gewinnung z.B. auch die Ansprechwege, die Angebotspalette im Verein oder auch das Auftreten von Hürden beim Vereinseintritt entscheidend. Grundsätzlichist es schwierig die Wirkung von „Integration“ quantitativ zu messen, da die Datenlage in diesem Bereich eher gering ist, aber es gibt Tendenzen, dass ich mit einer klaren Positionierung durchaus Vorteile bei der Mitgliedergewinnung habe. Wenn Menschen vorher keinen Kontakt zu Vereinen hatten, es also keine Sozialisation in diesem Bereich gab, dann können Leute über ein Integrationsprojekt an den Verein herangeführt werden und über den Austausch mit den Menschen teilweise auch fest an den Verein gebunden werden.
Im Podcast wurden u.a. zwei Beispiele angesprochen, einmal ein Bauchtanzkur und ein Fahrradkurs. Diese Angebote sind sehr niederschwellig und haben in der Praxis sehr integrativ gewirkt. Der Bauchtanzkurs wurde bespielweise später sogar fest ins Vereinsportfolio aufgenommen, weil er sehr gut angenommen wurde. Ein Fahrradkurs kann dabei helfen den Aktionsradius zu erhöhen und Menschen überhaupt erst das regelmäßige Vereinstraining zu ermöglichen. Höre hier gerne noch einmal rein, wenn dich dies näher interessieren sollte.
Die Frage ist jetzt natürlich: „Wie finde ich das richtige Angebot, um Migranten zu gewinnen?“. Und hier kann man ganz klar sagen, dass auch diese Frage aufgrund der schlechten Datenlage nicht eindeutig zu beantworten ist. Fest steht aber, dass folgende Faktoren einen Einfluss haben:

  • Nicht das Angebot bindet die Personen an den Vereinen sondern die Menschen. Integration muss im gesamten Verein gedacht werden, eigene Stereotypen sollte man hinterfragen und der Verein sollte sich regelmäßig reflektieren.
  • Wie viele Migranten überhaupt in meiner Region leben, ist individuell. In Großstädten gibt es meist mehr Menschen mit Migrationshintergrund als in ländlicheren Regionen. Im ländlichen Raum kommt dazu noch das Thema der Erreichbarkeit des Vereinsgeländes. Nicht jede Person hat ein Auto, um regelmäßig zum Training zu kommen. Dies beeinflusst natürlich auch deine mögliche Positionierung im Bereich Integration und deren Umsetzung.
  • Wer sich engagiert in der Integrationsarbeit, bekommt meist mit der Zeit auch einen diverseren Verein.

Angebotsbedarf ermitteln und umsetzen

Grundsätzlich sollte man genau im Verein prüfen, ob es sinnvoll und auch realistisch ist, ein Angebot umzusetzen, was es vor Ort noch nicht gab. Nehmen wir als Beispiel Cricket. Als erstes muss man schauen, ob der Bedarf nach Cricket in der Region artikuliert wird. Da der Sport in Deutschland eher unbekannt ist, wird er vor allem von Migranten mit pakistanischen Wurzeln gespielt. Angenommen der Bedarf wird z.B. in der Flüchtlingshilfe von genügend Personen artikuliert, dann sollte man sich als nächstes mit der Tatsache des schwierigen Spielfeldes auseinandersetzen. Die typischen Maße sind in Deutschland auf Sportplätzen sehr unüblich und deswegen müsste man für diesen Sport meist ein neues Spielfeld errichten. Am besten behilft man sich hier mit provisorischen Feldern und schaut erst einmal, ob die Gruppe dauerhaft zusammenbleibt. Erst dann sollte man weitere Schritte planen und ggf. darüber nachdenken eine Abteilung zu gründen. Wichtig ist es einfach zu Beginn kreativ zu sein und neue Sachen auszuprobieren. Im Fall von Cricket hat der Zuzug von Sporttreibenden dazu geführt, dass sich die deutschen Verbandsstrukturen im Cricket weiterentwickeln konnten und deutlich stärker sind als vor der Flüchtlingskrise.
Ziel eines Vereines bleibt es aber, neue Mitglieder durch Angebote zu gewinnen. Bei allen Sportarten im Wettkampfsport ist es leichter Personen zu überzeugen. Hier ist die Mitgliedschaft eine Grundvoraussetzung zur Teilnahme am Wettkampfbetrieb. Bei den verbleibenden Sportarten sieht es anders aus. Man sollte deshalb zu Beginn bei interessierten Personen mit Migrationshintergrund keine Mitgliedschaft erzwingen. Viel wichtiger ist es, dass das Angebot am Anfang möglichst unverbindlich ist. Gebt den Personen die Möglichkeit sich auszuprobieren und sich mit dem Angebot vertraut zu machen. Für diesen Zeitraum stellt der LSB Niedersachen z.B. Fördermittel zur Verfügung um den finanziellen Aufwand für das kostenlose Angebot auszugleichen. Bei einer positiven Entwicklung des Angebotes sollte man versuchen, die Personen von einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Beim Cricket geht das wegen dem Wettkampfcharakter und der homogenen Gruppe tendenziell einfacher als z.B. beim Bauchtanzkurs.
Hier noch ein Hinweis zum Thema homogene Gruppen. Diese haben Vorteile aber auch Herausforderungen. Wenn ihr z.B. jetzt ein Cricket-Angebot mit einer vorhandenen Gruppe mit Migrationshintergrund bei euch im Verein implementieren wollt, hilft es sehr, wenn ihr einen Kümmerer im Verein habt (Was ein Kümmerer ist, erfährst du hier.). Dieser verbindet die Gruppe mit dem Rest des Vereins. Hierzu sollte er Räume zur Verständigung im Verein etablieren. So haben die verschiedenen Personen eine Möglichkeit sich auszutauschen und sich besser kennenzulernen. Der große Vorteil von homogenen Gruppen zu Beginn ist aber, dass sich Personen aufgrund der gleichen Sprache und Ansichten eher in der Gruppe fallen lassen können und nicht auf sich allein gestellt sind. Hierdurch habt ihr die Möglichkeit nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Gruppen für euren Verein als Mitglieder zu gewinnen. Und je nach Sportart können sich diese Gruppen dann mit der Zeit auch stärker natürlich durchmischen, so dass sie aus Personen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen besteht.

Wie starte ich?

Schaut euch einfach in der Umgebung um und stellt euch folgende Fragen:

  • Mit wem habe ich es vor Ort zu tun?
  • Wen gibt es im Einzugsbereich schon?
  • Welche Angebote gibt es bereits (auch außerhalb des Sports)?

Mit den Trägern, welche Angebote anbieten, sollte man in Kontakt treten und schauen, ob man einen Aktionstag mit eigenen Angeboten gemeinsam durchführen kann. Dieser sollte so konzipiert sein, dass er schnell auf den Weg gebracht werden kann, so dass es nicht schmerzt, falls er am Ende nicht von Erfolg gekrönt ist. Danach beginnt die Nachbereitung. Je nach Bewertung des Tages solltet ihr auf dieser Grundlage entscheiden, was die nächsten Schritte sein sollten.
Potentielle Institutionen, wo man sich für Kooperationsarbeit hinwenden kann, um Migranten für den Sport und den Verein zu begeistern sind Flüchtlingsheime (z.B. Sporttag für Geflüchtete), Jugendtreffs oder Schulen. Außerdem zeigt es sich, dass es von Vorteil ist, Eltern-Kind-Angebote im Programm zu haben und die Kinder somit früh an den Verein zu binden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich die Positionierung „Integration“ durchaus lohnen kann, aber einige Besonderheiten beachtet werden müssen, um erfolgreich zu sein. Wir hoffen, dass dir dieser Beitrag dabei hilft, dein Vorhaben umzusetzen. Im Podcast gehen wir noch einmal stärker auf gewisse Teilaspekte dieses Beitrags ein. Höre also gern rein. Falls du Fragen oder Anmerkungen haben solltest, schreibe uns gern eine E-Mail an info@vereinsstrategen.de. Und wenn du uns einen Gefallen tun möchtest, dann empfehle uns einfach weiter.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Positionierung im Verein – Stich aus der Masse heraus

Positionierung im Verein – Stich aus der Masse heraus

Vereinsentwicklung

Ohne Positionierung wird es zukünftig schwierig

 

Wofür steht eigentlich dein Verein? Die Antwort auf diese Frage beantwortet dir grob deine persönliche Positionierung deines Verein. So könnte die Antwort z.B. lauten: „Für meine Nachwuchsarbeit oder die Integrationsarbeit, für das breiteste Angebot in der Region Hamburg, für eine bestimmte Sportart“ Doch ganz so einfach ist die Analyse leider nicht. Dieser Beitrag soll dir dabei helfen deine aktuelle Positionierung zu ermitteln, eine neue Positionierung zu entwickeln und diese dann stetig zu kontrollieren und anzupassen. Aber zuerst stellt sich natürlich die Frage, wieso brauche ich als Verein eine Positionierung?

Positionierung in der heutigen Zeit

Im letzten Jahrzehnt gab es durch die Digitalisierung einen gigantischen Entwicklungssprung – die Wirtschaft ist noch schnelllebiger geworden und der Konkurrenzkampf wird immer härter. Um dort bestehen zu können, ist es wichtig, dass ein Unternehmen eindeutig positioniert ist. Das trifft auch immer mehr auf den Sportbereich und Vereine zu. Kommerzielle Anbieter, wie z.B. McFit und Peleton werben immer mehr um eine Zielgruppe, welche früher nur die Möglichkeit hatte in den Sportverein zu gehen, um Sport betreiben zu können. Die kommerziellen Anbieter schaffen es vor allem durch eine gute Positionierung uns ein Angebot zu verkaufen, was man im Sportverein zum gleichen Preis oder deutlich günstiger erhalten könnte. So kann die Positionierung von Peleton wohl am besten zusammengefasst werden mit: „Innovatives, digitales Gruppentraining mit echtem Coach von zu Hause aus zu jeder Uhrzeit“. Jetzt ist natürlich klar, dass dein Verein nicht zum neuen Peleton umgebaut werden soll, aber du konkurrierst nicht nur mit gewerblichen Anbietern sondern auch mit anderen Vereinen. Und wenn man auf eine noch höhere Ebene geht, konkurrierst du auch mit Streamingdienstanbietern oder sozialen Medien um die Zeit von Leuten. Du siehst also, dass der Wettbewerb dich förmlich dazu zwingt, dich mit Positionierung auseinanderzusetzen. Aber wie startest du jetzt? Das gleiche machen, wie die Konkurrenz, wo es gut funktioniert? Nein! Eine Kopie eine Positionierung macht einen Verein austauschbar und zu nichts besonderem mehr. Die Lösung sind die nächsten sechs Fragen, die du dir stellen musst.

Welche Positionierung habe ich jetzt?

In der Einleitung wurde diese Frage schon so ähnlich gestellt. Jetzt ist eine Positionierung aber nicht deine persönliche Meinung, sondern ggf. auch ganz unterschiedlich je nach Zielgruppe. Deswegen müsst ihr im Verein die Frage „Welche Positionierung habe ich jetzt?“ genau an diese richten. Dabei sind mit der Zielgruppe nicht nur eure Mitglieder gemeint, sondern auch andere Personen aus eurem Vereinsumfeld – Sponsoren, Zuschauer, Eltern, Personen in anderen Vereinen, Nichtmitglieder, etc. Die Auswahl der Zielgruppe ist aber euch überlassen, aber umso verschiedenere Personengruppen ihr befragt, umso mehr seht ihr auch, wie der Verein nach außen wirkt, anstatt nur eure innere Wahrnehmung zu ermitteln.
Nach der Befragung könnt ihr drei möglich Ergebnisse haben:

  • Es gibt ein klares Ergebnis. Bei der Befragung der verschiedenen Zielgruppen haben alle Personen deckungsgleiche Antworten gegeben. Damit steht fest, ihr habt eine klare Positionierung im Verein, die von allen auch so verstanden wird und auch außen so wahrgenommen wird. Die Frage ist dann nur noch – ist das auch die Positionierung, die wir uns im Verein vorstellen?
  • Es gibt unterschiedliche Ergebnisse bzgl. der Positionierung zwischen den verschieden Zielgruppen. Der Vorstand findet man hat die beste Fußballausbildung der Region. Die Eltern finden, dass der Verein für die strengsten und härtesten Übungsleiter im Jugendfußball der Region steht. Und der neutrale Zuschauer bei den Jugendspielen findet, dass ihr der Verein sehr freundlichen Stadionkioskmitarbeitern seid und sehr leckeres Essen anbietet. Offensichtlich habt ihr diverse Positionierungen, welche aber nicht so eindeutig sind, ggf. wird bei einigen Zielgruppen eure Positionierung sogar negativ wahrgenommen. Hier ist auf jeden Fall Handlungsbedarf gegeben.
  • Allen Zielgruppen fällt gar nichts zu eurem Verein ein oder sehr unterschiedliche Sachen innerhalb der jeweiligen Gruppen. Das bedeutet es gibt bei euch im Verein keine Positionierung.

Welche Position willst du einnehmen?

Wenn die Antworten so sind, wie erwartet, und ihr damit zufrieden seid, dann müsst ihr nichts ändern. Wenn aber andere Antworten gekommen sind, als gedacht, dann habt ihr zwei Möglichkeiten. Entweder ihr versucht eure geplante bzw. angestrebte Positionierung durchzusetzen (z.B. beste Fußballausbildung in der Region) oder ihr entscheidet euch, das vorhandene vielleicht auch überraschende Ergebnis aus der Umfrage zu nutzen und versucht diese Positionierung zu stärken und auszubauen (z.B. freundlichster Stadionkiosk, Ziel Umbau zum serviceorientiertesten Verein der Region). Der zweite Weg ist in der reinen Umsetzung auf jeden Fall der leichtere als der erstgenannte, weil ihr auf etwas, was besteht, bereits aufbauen könnt. Außerdem möchten wir dir zwei Tipps mitgeben. Besser in etwas zu sein, ist deutlich schwerer, als anders in etwas zu sein. So kann nicht jeder Meister in seiner Liga werden, sondern nur einer. Der Versuch Meister zu werden gegen viele andere Vereine, verbraucht sehr viele Ressourcen. Wenn man anderes ist, dann ist der Verein auf eine ganz bestimmte Zielgruppe ausgerichtet und nicht auf jede Person. Der FC St. Pauli ist hierfür ein gutes Beispiel, da er ein ganz bestimmtes Zielpublikum anspricht. Wenn ihr euch am Ende für eine Positionierung entschieden habt, verankert sie im Leitbild oder in der Satzung des Vereins. So wird sie verbindlich.

Wer ist deine Konkurrenz?

Hier gibt es eine entscheidende Aussagen, die du mitnehmen solltest – suche nicht die Konfrontation mit anderen, sondern gehe um sie herum. Wenn mehre Vereine in der Region das gleiche Ziel anstreben, frisst das jedem Verein viele Ressourcen und ihr kommt eurem Ziel nicht näher. Angenommen drei Vereine haben sich in Richtung Nachwuchssports im Fußball in einer Region positioniert, dann kämpfen diese drei um die besten Talente. Die Sichtung der Spieler wird immer weiter verbessert und die Trainer immer mehr geschult. Am Ende werden in jedem Verein einige wenige sehr gute Spieler sein, aber der Mannschaftserfolg ist nur durchschnittlich und die Eltern würden sagen, die drei Vereine sind praktisch identisch. Niemand würde deine angestrebte Positionierung kennen. Wenn du allerdings für die Spieler u.a. einen Abhol- und Bringdienst anbietest, werden die Eltern sagen, dass du ein sehr serviceorientierter Verein bist. Über diesen Weg wirst du eher neue Nachwuchskicker finden. Deine Positionierung ist jetzt zwar eine andere, dein Mannschaftserfolg ist aber mindestens auf dem gleichen Niveau wie vorher, wahrscheinlich aber sogar höher. Ein reales Beispiel für eine sehr gute Positionierung findest du auch in diesem Beitrag.

Verfügst du über genügend Kapital?

Manche Positionierungen erfordern große Veränderungen im Verein und diese können viel Geld kosten. Wenn ihr euch beispielsweise entscheidet ein digitalisierter Verein zu werden, dann habt ihr zwei Fragen zu beantworten: Welche Grundlage gibt es schon im Verein und wie weit (und teuer) ist der Weg zum Ziel? Denn so eine Art der Positionierung erfordert Server, Laptops, Softwarelizenzen, Betreuungspersonal oder auch die Entwicklung einer Vereinsapp. Hier müsst ihr ehrlich zu euch selber sein, ob ihr das finanzieren könnt oder nicht. Das gleiche gilt natürlich auch für Marketingaktionen. Wenn ihr eine neue Positionierung nach außen tragt, überlegt euch genau, welche Kanäle kann ich mir leisten, gibt es ggf. auch günstigere Alternativen. Die Kosten sind besonders dann relevant, wenn ihr die Positionierung komplett ändern wollt, weil dann mehr Maßnahmen nötig sind. Denkt daran, dass Kreativität euch hier meist weiter bringt als ein großes Budget zum Werben.

Kannst du dir erlauben, an deiner Positionierung festzuhalten?

Das Rad der Zeit dreht sich weiter und Positionierungen können sich dadurch in ihrer Wahrnehmung ändern. Früher wurde z.B. anders mit rassistischen Äußerungen von Personen in Fußballstadien oder auch von Amtsträgern umgegangen – meist wurden sie von Vereinen ignoriert. Heute gibt es auf jeden Fall Diskussionen über das Thema, Stadionverbote oder auch Entlassungen von Amtsträgern. Ein Verein, der sich nicht zum Kampf gegen Rassismus bekennen würde, hätte eine (berechtigt) sehr schlechte Positionierung. Ein weiteres Thema, was mit der Zeit an Bedeutung gewonnen hat, ist die Nachhaltigkeit im Sport und von Vereinen im Speziellen. Auch das Interesse an Sportarten ändert sich im Laufe der Zeit. Seid ihr ein Verein, der seine Positionierung bisher als bester Kegelverein in Süddeutschland hatte, bringt euch das wahrscheinlich nichts mehr, wenn keine jüngeren Leute mehr nachkommen, weil der Sport für sie völlig uninteressant ist.
Um zu erkennen, ob das Festhalten an der Positionierung Sinn macht oder nicht, würden wir vorschlagen, dass ihr euch überlegt: „Wie sieht mein Verein in 2 bis 5 Jahren aus, wenn es so weitergeht, wie bisher?“. Gefällt euch diese Vorstellung als Verein oder seht ihr, dass Probleme sich verschlimmern?

Passt deine Positionierung zu dir?

Diese Frage umfasst einen Teil der vorherigen Fragen und Erkenntnisse. Im Kern geht es darum, in regelmäßigen Abständen sich selbst zu hinterfragen. So kannst du dich fragen, ob deine Positionierung noch aktuell ist, aber auch analysieren, was deine Zielgruppen in der Befragung zur Vereinspositionierung gesagt haben. Genauso umfasst es aber auch die Frage: „Was wollen eigentlich deine Ehrenamtler?“. Wenn du eine neu entwickelte Positionierung im Verein hast, die nicht zu den Werten der meisten Ehrenamtler passt, dann wird diese Positionierung nicht erfolgreich sein. Der Grund ist einfach. Wenn die Personen nicht hinter den Werten stehen, werden sie diese auch nicht nach außen tragen, was am Ende bedeutet, dass die Positionierung nicht gelebt wird und damit auch nicht sichtbar für Dritte ist. Das beste Konzept ist zum Scheitern verurteilt, wenn es in der Realität nicht gelebt wird.

Eine Positionierung zu finden und umzusetzen braucht viel Zeit und ist ein sehr umfangreiches Projekt. Wir würden euch empfehlen, dass ihr eine Projektgruppe aus dem Ehrenamt heraus gründet, die dieses Thema erst einmal bespricht und einen groben Ist-Zustand bestimmt ggf. auch schon einmal Ideen entwickelt, was als Positionierung sinnvoll wäre. Hier bieten sich in regelmäßigen Abständen auch Workshops an. Aus dieser Gruppe sollte dann der Fragebogen entwickelt werden. Hier ist wichtig, schult eure Ehrenamtler entsprechend in Fragebogenerstellung. Auch in diesem Bereich kann man schließlich einiges falsch machen.
Als Vorstand habt ihr in diesem Prozess die Aufgabe der Projektgruppe mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, ihnen aber nicht reinzureden. Ihr solltet aber darauf achten, dass häufige Fehler vermieden werden:

  • Eine neue Positionierung wird in der Projektgruppe entwickelt, welche aber an der Zielgruppe vorbei geht, weil es keine Befragung gab, sondern dies nach Gefühl entschieden wurde. Da ist das Scheiter schon vorprogrammiert.
  • Ihr wollt zu schnell zu viel. Positionierung ist ein Prozess der Jahre dauern wird. Schließlich muss sich die Positionierung auch erst mal erlebbar werden und sich in der Region rumsprechen. Schnelle Ergebnisse werdet ihr bei dieser Art von Projekt eher nicht sehen.

Im Podcast diskutieren wir gegen Ende noch einige Themen, welche als Positionierung im Verein möglich sind. Wenn du mehr hierzu erfahren möchtest, höre gern rein. Wir hoffen allerdings, dass wir dir auch mit dieser Zusammenfassung der Episode bei deiner Vereinsweiterentwicklung helfen konnten. Wenn du Fragen haben solltest, kannst du uns gern unter info@vereinsstrategen.de erreichen. Und wenn dir der Beitrag bzw. der Podcast gefallen hat, dann tue uns bitte den Gefallen und empfehle uns weiter.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)

Einnahmerückgänge – Ist das eine Vereinskrise?

Einnahmerückgänge – Ist das eine Vereinskrise?

Finanzen

Es gibt immer Warnsignale

 

Krisen in Vereinen sind völlig normal und sorgen dafür, dass diese sich immer wieder erneuern bzw. anpassen. Problematisch wird es, wenn ein Verein eine Krise erst zu spät bemerkt und damit dessen Existenz bedroht ist. Dabei kann man dies verhindern, wenn man weiß, auf welche Krisensymptome man achten muss. Eine der häufigsten Ursachen für eine Krise stellen wir dir in diesem Beitrag vor – die Krise aufgrund von Einnahmerückgängen.

Typischerweise hat ein Sportverein vier Einnahmequellen:

  • Mitgliedsbeiträge
  • Öffentliche Hand (Zuschüsse)
  • Zuschauereinnahmen
  • Sponsoringeinnnahmen

Den Bereich Einnahmen aus Veranstaltungen im Sinne von Startgebühren lassen wir hier bewusst außen vor. Man kann diese vier Einnahmequellen nie separat voneinander sehen, sondern muss sie immer im Gesamtzusammenhang betrachten. Zu Beginn würden wir euch empfehlen erst einmal zu schauen, wie hoch der Anteil der Ertragsart an den jeweiligen Gesamteinnahmen ist. Denn es kann gut sein, dass die Einnahmen seit Jahren konstant sind, aber dass sich die verschiedenen Ertragsbereiche verschieben. Es gibt also Bereiche, wo die Einnahmen ansteigen und welche, wo sie rückläufig sind. Dies kann eine Gefahr darstellen, wie du später noch sehen wirst, wenn einem diese Entwicklung nicht bewusst ist. Das normale Vorgehen von Vereinen, dass sie schauen, wie viel Geld hatten sie im aktuellen Jahr zur Verfügung und mit dem gleichen Budget planen sie das nächste Jahr, ist hierbei nicht hilfreich. Bei einer Planung z.B. für die nächsten drei Jahre müsste man sich mehr mit Szenarien beschäftigen und ungesunde Entwicklungen der Vergangenheit würden in den Szenarien noch offensichtlicher werden. Aber auch hierzu jetzt mehr in den einzelnen Einnahmequellen.

Mitgliedsbeiträge

Meistens ist es in einem Breitensportverein so, dass die Mitgliedsanteil einen Großteil der Einnahmen ausmachen. Ein Richtwert sind um die 80 bis 90%. Aber ja nachdem, wie ihr strukturiert seid, kann auch eine andere Zahl bei euch passen. Gerade aber wenn ihr mehrere Abteilungen habt, solltet ihr folgende Untersuchung machen. Schaut euch die Mitgliederzahlen einmal pro Abteilung in den letzten 5 Jahren an. Was fällt euch auf?
Angenommen ihr habt drei Abteilungen, sagen wir Kegeln, Fußball und Bogenschießen. Gesamt gesehen, ist euer Verein in den letzten 5 Jahren um 20% gewachsen. Das ist schon mal gut. Aber trotzdem gibt es hier Risiken. So sinken die Mitglieder seit Jahren im Kegeln, das Bogenschießen bleibt konstant und die Fußballabteilung ist der eigentliche Wachstumsmotor. Doch mit Blick auf die Zahlen fällt auch auf, seit 2 Jahren ist das Niveau bei der Fußballabteilung konstant geblieben. Das Wachstum scheint gebremst. Ab hier gilt es die Gründe zu untersuchen. Folgende Möglichkeiten solltet ihr untersuchen:

  • Die Fluktuation funktioniert nicht mehr, weil die Altersstruktur nicht passt. Beispiel: Die Abteilung ist im Schnitt zu alt und dadurch nicht mehr attraktiv für neue bzw. junge Mitglieder.
  • Die Sportart der Abteilung ist nicht mehr aktuell bzw. funktioniert in eurer Vereinsregion nicht mehr.
  • Es stimmt etwas nicht im zwischenmenschlichen Bereich in der Abteilung oder dem Verein.
  • Es fehlen Ehrenamtler oder Übungsleiter zur Betreuung. Dieses Problem verhindert das weitere Wachstum in der Abteilung.
  • Die Infrastruktur ist schlecht, nicht mehr ausreichend oder hat eine zu geringe Kapazität für weiteres Wachstum.

Nachdem ihr das Problem analysiert habt, gibt es mehrere Handlungsalternativen. Wenn das Problem einfach umkehrbar ist, dann versucht es zu lösen, um den Mitgliederverlust in einer Abteilung aufzuhalten. Wenn ihr aber eine Sportart im Verein habt, welche nicht mehr aktuell ist, dann müsst ihr euch damit abfinden, dass die Mitgliederzahlen immer weiter sinken werden. Hier gilt es dann, nur noch notwendige Investitionen zu tätigen, um den Betrieb sinnvoll am Laufen zu halten, aber keinesfalls noch Großinvestitionen für die Abteilung durchzuführen. Gleichzeitig müsst ihr euch mit den geringeren Einnahmen in den nächsten Jahren beschäftigen. Hier könnt ihr entweder die Ausgaben entsprechend runterfahren, andere Abteilungen so fördern, dass sie mehr Wachstum verzeichnen oder ganz neue Abteilungen im Verein aufnehmen. Eine Abteilung, welche gute Erträge bringt und recht günstig in der Unterhaltung ist, ist z.B. der Gesundheitssport.
Schwierig wird es, wenn die Mitgliederzahlen in einer Abteilung sinken, welche eigentlich andere defizitäre Abteilungen quersubventioniert. Hier ist das Risiko besonders hoch, dass ein Verein in eine Krise kommt, welche kaum zu lösen ist. Deswegen versucht, dass sich möglichst viele Abteilungen selber tragen können bzw. mehrere Abteilungen Überschüsse abwerfen, um andere quer zu finanzieren. Wenn stattdessen eine defizitäre Abteilung sinkende Mitgliederzahlen hat, ist das Risiko für den Gesamtverein etwas geringer, trotzdem sollte natürlich geprüft werden, ob es Sinn macht diese Abteilung weiterhin zu behalten. Denn je nach Sportart erzeugt die Sportart mit sinkenden Mitgliederbeiträgen trotzdem gleichbleibende Kosten.

Zuschüsse

Je nach der Art der Zuschüsse sind sie projektgebunden oder können auch längerfristig gezahlt werden. Wenn sie projektgebunden sind, gibt es zwei Möglichkeiten. Sie können einmalig als Anschubfinanzierung dienen oder so lange gezahlt werden, bis das Projekt abgeschlossen ist. Beide Zuschüsse kann man meist bedenkenlos nutzen. Gibt es z.B. einen Zuschuss für eine Infrastrukturmaßnahme, wäre die Durchführung ggf. gar nicht möglich ohne Unterstützung. Schwierig wird es immer nur dann, wenn es eine befristete Finanzierung gibt für ein Projekt, welches aber dauerhaft bei euch im Verein implementiert werden soll. Dann solltet ihr euch schon vor dem Start des Projekts darüber Gedanken machen, wie ihr dieses mittelfristig ohne Zuschüsse finanzieren wollt.
Problematischer sind die langfristigen Zahlungen, welche es schon jahrelang gibt. Wenn ihr z.B. im Leistungssport aktiv seid, kann es sein, dass ihr regelmäßig Förderungen bekommt. Doch was passiert, wenn ihr einen zu geringen Erfolg bei Wettkämpfen habt oder die Kommune nach Corona Geld sparen muss? Wenn diese Zuschüsse bisher ein fester Teil eures Budget sind, um einen ausgeglichenen Haushalt zu haben, würde ein Wegfall ein echtes Risiko darstellen. Deswegen analysiert die Arten eurer Zuschüsse, um einen Überblick über die Risiken zu bekommen und passt eure Finanzplanung an. Gerade langfristige Zuschüsse sind als Zubrot anzusehen, gewöhnt euch also nicht an das Geld. Deswegen schlagen wir vor, solche Gelder für das Jahr gar nicht einzuplanen. Dann könnt ihr sie am Ende des Jahres noch für Ersatzinvestitionen verwenden oder auch in eure Rücklage packen. Und wenn ihr ein ungeplantes Ereignis im Verein habt, könnt ihr im Notfall auch noch auf diesen Puffer zurückgreifen.

Ticketeinnahmen

Hier heißt das Motto – plant die Erträge ein, aber konservativ. Bei allen Freiluftveranstaltungen im Amateursportbereich hängt die Zuschauerzahl in hohem Maße vom Wetter ab. Dann können in einem Stadion ganz schnell nur noch 100 anstatt der 300 erwarteten Zuschauer sein. Umso mehr Veranstaltungen ihr über das Jahr habt, umso geringer wird dieser Effekt allerdings auch Einfluss haben. Bei Mannschaftssportarten kann die Zuschauerzahl darüber hinaus auch vom sportlichen Erfolg abhängen. Spielt ihr eine schlechte Saison und steigt ab, dann sind die Einnahmen unter den Erwartungen und ihr müsst euch Gedanken machen, welche Beträge ihr im nächsten Jahr erwartet. Hier können wir euch nur empfehlen, schaut euch Zuschauerdurchschnittswerte aus der jeweiligen Liga an und versucht sie mit den Erfahrungen eures Vereins abzugleichen. Dann plant nur mit der Hälfte der Zuschauereinnahmen für das Budget und seht den Rest als Zubrot an. Grundsätzlich ist aber gerade in den unteren Ligen der Effekt, des Abstiegs und dem Rückgang der Zuschauereinnahmen als gering anzusehen, weil die meisten Zuschauer nicht wegen dem sportlichen Niveau ins Stadion kommen, sondern wegen der Atmosphäre und der Gastronomie.
Wenn ihre eine Individualsportart mit Ticketverkäufen habt, kommt es natürlich vor allem darauf an, wer am Wettkampf teilnimmt. Habt ihr einen Star dabei, sind höhere Ticketverkäufe deutlich wahrscheinlicher als bei unbekannten Athleten. Hier hängt die Kalkulation also vom sportlichen Niveau ab.
Umso mehr ihr diesen Einnahmezweig auch als Zubrot anseht, umso geringer ist am Ende das Risiko, dass der Verein in eine Krise gerät, wenn unerwartet, deutlich weniger Tickets verkauft werden, als geplant. Und auch die Planung als Zubrot hat Vorteile, weil ihr am Ende mit den Überschüssen trotzdem noch Investitionen tätigen könnt, welche gut für den Verein sind, aber nicht absolut notwendig.
Zur laufenden Analyse der Ticketeinnahmen inkl. Gastronomieeinnahmen empfehlen wir sich einmal anzuschauen, wie viel machen diese an den Gesamteinnahmen des Vereins aus – also wie hoch sind die maximalen Einnahmen, die wegfallen können? Kann euer Verein das im Extremfall verkraften? Die Coronakrise hat leider aufgezeigt, dass es Szenarien gibt, wo auch solche Fälle auftreten können. Als zweites würden wir uns anschauen, welcher Kostenapparat hängt mit den Zuschauereinnahmen zusammen – Kosten sind z.B. Ordner für Spiele, Kosten für den Einkauf der Lebensmittel für die Zuschauer, Gehälter/Antrittsgelder für Sportler. Wenn die Kosten bereits jetzt höher sind als die Zuschaueeinnahmen, solltet ihr dringend Maßnahmen einleiten, um diesen Missstand zu beheben.
Zum Schluss stelle dir selbst ehrlich die Frage: Sind meine Zuschauereinnahmen Zusatzeinnahmen oder investiere ich mehr Geld um mehr Zuschauer und vor allem mehr sportlichen Erfolg zu haben? Wenn du die zweite Antwort wählst, dann bis du schon dabei semiprofessionelle Strukturen anzustreben und deinen Verein entscheidend zu verändern, auch in seiner Finanzstruktur. In der oben verlinkten Podcastepisode gehen wir noch genauer auf das Thema ein und was du in diesem Fall beachten musst. Grundsätzlich achtet aber darauf, dass ihr mit einer solchen Entscheidung nicht das Gesamtwohl des Vereins gefährdet.

Sponsoringeinnahmen

Grundsätzlich musst du dir natürlich erst einmal die Frage stellen, wie hoch ist der Anteil der Sponsoringeinnahmen an den Gesamtumsätzen. Alles über 10% ist schon als hoch einzuschätzen, aber ab und zu gibt es Ausnahmen, wenn ihr z.B. jemanden habt, der euch aus regionaler Verbundenheit stark unterstützt. Deswegen analysiert als nächstes, wie viele Sponsoren eurer Verein hat und mit welchen Beträgen sie das bei euch tun. Umso mehr Sponsoren, umso weniger schlimm ist es, wenn einer abspringt, allerdings habt ihr mit mehr Sponsoren auch mehr Verwaltungsaufwand. Meist muss man aber sagen, dass gerade im Breitensport es schwierig ist, mehr als eine Hand voll Sponsoren zu finden. Die Überprüfung der Höhe der Sponsoren ist deswegen wichtig, um die Gefahr eines Ausfalls richtig einschätzen zu können. Fallen 90% aus der Gesamtsumme aus, ist das deutlich schlimmer als 5%. Deswegen ist es aus unserer Sicht auch gut, wenn man viele Sponsoren mit einer ähnlichen jährlichen Unterstützung hat.
Um zu ermitteln, wie hoch das Risiko eines Ausfalls ist, sollte man sich zwei Fragen stellen:

  • Warum werde ich gesponsert? Habe ich einen Spitzensportler im Verein, der für den Sponsor ausschließlich interessant ist oder möchte er vom Image z.B. meiner Jugendarbeit oder Integrationsarbeit partizipieren?
  • Wie geht es dem Sponsor wirtschaftlich? Kann er die zugesagten Zahlungen leisten?

Wenn du nur Sponsoren hast, die aufgrund des sportlichen Erfolgs dich unterstützen, ist dein Verein sehr abhängig vom Mannschaftserfolg oder dem Erfolg eines einzelnen Sportlers. Bleibt dieser aus, fehlen euch ganz schnell Einnahmen, weil Sponsoren euch den Rücken kehren. Wenn das Sponsoring Imagegründe abseits vom sportlichen Erfolg hat, ist eine langfristige Kooperation sehr wahrscheinlich. Vermeidet aber, in eine zu starke Abhängigkeit zu kommen, weil dann zusätzlich die Gefahr besteht, dass der Sponsor Einfluss auf das Tagesgeschäft nimmt. An diesen Aussagen sieht man auch schon, dass Sponsoring als Zubrot gesehen werden sollte.

 

Abschließend bleibt zu sagen, dass ihr natürlich nicht sofort in einer Krise seid, wenn ihr ein oder zwei Warnsignale aus diesem Beitrag bei euch im Verein erkannt habt. Wichtig ist aber, sich damit zu beschäftigen und diese Probleme nicht zu ignorieren, denn ungelöste Risiken können sich mit der Zeit mehren und machen dann die Lösung einer möglichen Krise deutlich schwieriger.

Im Podcast sind wir in den letzten 10 Minuten auch noch auf das Thema eingegangen, wie die Finanzentwicklung nach Corona aussehen könnte. Hier werden die im Beitrag genannten Ertragsarten, noch einmal kurz in den aktuellen Kontext gesetzt. Falls dich das interessieren sollte oder du eine noch ausführlichere Beschreibung der Krisenursachen haben möchtest, höre in die Podcastfolge rein. In der Folge analysieren wir die Theorie dieses Beitrages auch an einem Beispielverein.

Wir hoffen, dass du aus diesem Beitrag viel mitnehmen konntest. Falls du Fragen oder Anregungen hast, schreib uns gern eine E-Mail. Wir würden uns freuen, wenn du uns weiterempfehlen würdest, wenn du unseren Inhalt nützlich findest.

Deine Vereinsstrategen
(Martin Schüttler)